Totgesagte leben länger – und manchmal sind sie sogar schneller als der Rest der Welt. Karma Automotive, hervorgegangen aus der Insolvenz von Fisker Automotive, plant nicht weniger als eine technologische Sensation: Mit dem Modell "Kaveya" will das Unternehmen das erste US-Serienfahrzeug mit Feststoffbatterie (Solid-State) auf den Markt bringen.
Der "Kaveya": Ein 1.180 PS starkes Statement
Eigentlich sollte der rein elektrische Kaveya schon früher erscheinen, doch CEO Marques McCammon traf eine mutige Entscheidung: Er verschob den Launch auf das Jahr 2027, um direkt auf die nächste Batterie-Generation zu setzen. Die Eckdaten des Super-Coupés lesen sich wie ein Angriff auf Ferrari und Rimac:
- Leistung: Satte 1.180 PS (868 kW) und gewaltige 1.720 Nm Drehmoment.
- Beschleunigung: Von 0 auf 100 km/h in unter 3 Sekunden.
- Vmax: Die Höchstgeschwindigkeit soll bei über 290 km/h (180 mph) liegen.
- Design: Karosserie aus Carbonfaser, auffällige Butterfly-Türen und ein futuristisches Yoke-Lenkrad.
Die Geheimwaffe: FEST-Batterietechnologie von Factorial
Das Herzstück des Kaveya ist die FEST®-Technologie (Factorial Electrolyte System Technology) des Partners Factorial Energy aus Massachusetts. Es handelt sich dabei um eine Semi-Feststoffbatterie (Quasi-Solid-State), die einen festen Elektrolyten mit einer Lithium-Metall-Anode kombiniert.
Die Vorteile gegenüber herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus sind gewaltig. In Tests konnte ein damit ausgestatteter Mercedes-Benz EQS bereits über 1.200 Kilometer mit einer Ladung zurücklegen. Für den Kaveya bedeutet das:
| Feature | Vorteil der FEST-Technologie |
|---|---|
| Energiedichte | Ca. 375 Wh/kg – deutlich höher als heutige Premium-Zellen. |
| Ladezeit | Von 15 % auf 90 % in nur 18 Minuten möglich. |
| Gewicht | Massive Gewichtseinsparung bei gleicher Kapazität. |
| Sicherheit | Höhere thermische Stabilität und geringeres Brandrisiko. |
Warum ausgerechnet Karma?
Dass eine kleine Nischenmarke den Branchengrößen zuvorkommt, hat laut CEO McCammon Methode. Mit einer geplanten Produktion von nur 3.000 bis 5.000 Einheiten pro Jahr fungiert Karma als idealer Inkubator für neue Hochtechnologien. Zudem ist der Kaveya auf einer „Dog Bone“-Architektur aufgebaut, bei der die Batteriemodule in einem Knochen-Layout im Mitteltunnel und hinter den Sitzen platziert sind. Das sorgt für eine extrem tiefe, sportwagentypische Sitzposition.
„Wir sind der perfekte Ort, um neue Technologien zu pilotieren. Mit der Feststoff-Technologie haben wir eine leichtere Plattform und effizienteres Packaging.“ – Marques McCammon, CEO Karma Automotive.
Strategie 2026: Hybrid zuerst, Elektro als Krönung
Bevor der Kaveya 2027 die Feststoff-Ära einläutet, bringt Karma 2026 zwei weitere Modelle mit dem bewährten EREV-Konzept (Range Extender) auf den Markt:
- Karma Gyesera: Ein luxuriöser Viertürer (geplant für Q2 2026).
- Karma Amaris: Ein sportliches zweitüriges Coupé (geplant für Q4 2026).
Beide Modelle setzen noch auf einen Verbrennungsmotor als Generator, um die Reichweitenangst im Ultra-Luxussegment zu eliminieren, bevor der Kaveya den vollelektrischen Durchbruch wagt.
Fazit: Ein Risiko, das sich lohnen könnte
Karma Automotive spielt "All-In". Die Wette auf Factorial Energy ist riskant, aber die Partnerschaft mit Größen wie Mercedes-Benz und Stellantis verleiht dem Batterie-Startup die nötige Glaubwürdigkeit. Wenn Karma den Kaveya 2027 wie geplant ausliefert, wird die Marke vom belächelten Fisker-Nachfolger zum technologischen Vorreiter der US-Autoindustrie.

