Eskalation in der Gigafactory: Nur drei Wochen vor der entscheidenden Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide erreicht der Machtkampf zwischen der Werksleitung und der IG Metall einen neuen Tiefpunkt. Ein Polizeieinsatz während einer Sitzung und schwere Vorwürfe wegen illegaler Tonaufnahmen sorgen für ein Klima der Verunsicherung.
Eskalation im Werk: Wenn der Werkschutz die Polizei ruft
Was als reguläre Sitzung des Betriebsrats begann, endete am 12. Februar 2026 in einem handfesten Skandal. Die Unternehmensführung von Tesla wirft einem externen Gewerkschaftssekretär der IG Metall vor, die nicht-öffentliche Sitzung heimlich mit seinem Laptop aufgezeichnet zu haben. Da der Beschuldigte die Herausgabe des Geräts an den Werkschutz verweigerte, schaltete die Betriebsratsvorsitzende kurzerhand die Polizei ein.
Die Beamten beschlagnahmten den Computer als Beweismittel. Werksleiter André Thierig reagierte prompt mit einer internen Mitteilung an die gesamte Belegschaft: Die Wahrung von Recht und Ordnung habe oberste Priorität. Tesla hat mittlerweile Strafanzeige erstattet. Doch die Gegenseite zeichnet ein völlig anderes Bild der Geschehnisse.
„Dreiste Lüge“: Die IG Metall schlägt zurück
Für die Gewerkschaft ist der Vorfall kein isoliertes Ereignis, sondern ein „kalkuliertes Manöver“ im laufenden Wahlkampf. Die Fraktion „IG Metall – Tesla Workers GFBB“ bezeichnet die Vorwürfe als haltlos. Laut ihrer Darstellung wurde die Sitzung willkürlich unterbrochen, ohne dem Sekretär die Chance zur Entlastung zu geben. Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall, findet deutliche Worte:
„Hier ist jedes Maß und offenbar auch jedes demokratische Bewusstsein verloren gegangen. Wir prüfen bereits rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen im Werk.“
Der Konflikt ist tief verwurzelt. Während die IG Metall für einen branchenüblichen Tarifvertrag und feste Mitbestimmungsrechte kämpft, setzt das Management rund um Elon Musk auf absolute Flexibilität und unternehmensinterne Regeln ohne gewerkschaftliches Korsett.
Die Ausgangslage: Zahlen und Fakten zur Wahl
Anfang März 2026 entscheiden die rund 12.000 Beschäftigten in Grünheide über die neue Zusammensetzung des Betriebsrats. Die Nervosität ist begründet, wie ein Blick auf die letzte Wahl zeigt:
| Fraktion / Liste | Sitze (Wahl 2024) | Status |
|---|---|---|
| IG Metall | 16 | Stärkste Einzelfraktion |
| Alternative Listen (Management-nah/Unabhängig) | 23 | Aktuelle Mehrheitskoalition |
| Gesamtanzahl Sitze | 39 | - |
Die IG Metall benötigt einen deutlichen Zuwachs, um die aktuelle Vormachtstellung der managementnahen Listen zu brechen. Das Werk steht unter Druck: Tesla-Chef Elon Musk machte bereits in der Vergangenheit deutlich, dass er Gewerkschaften skeptisch gegenübersteht und sie als Hindernis für Innovationen betrachtet.
Drohgebärden aus der Teppich-Etage?
Besonders brisant: Werksleiter Thierig deutete bereits im Dezember an, dass künftige Investitionen und der weitere Ausbau der Gigafactory eng mit der „Stabilität“ im Werk verknüpft seien. Ein Wahlsieg der IG Metall könnte – so die unterschwellige Botschaft – die Gunst der Konzernzentrale in Austin gefährden. Die Gewerkschaft kontert, dass gerade faire Arbeitsbedingungen und Sicherheit die Produktion langfristig sichern.
Fazit: Ein richtungsweisender März für Tesla Deutschland
Der Vorfall um den beschlagnahmten Laptop ist mehr als nur eine juristische Streitigkeit; er ist das Symbol für einen tiefen Riss in der Belegschaft. Ob die Vorwürfe der Spionage haltbar sind, müssen nun die Ermittlungen der Polizei klären. Sicher ist: Die Wahl im März wird nicht nur über Urlaubstage und Schichtpläne entscheiden, sondern über die grundsätzliche Kultur der Mitbestimmung in Teslas europäischem Vorzeigewerk.




