Expansion trotz Zoll-Hürden: Changan prüft Standort in Nordspanien
Der Konsolidierungskurs chinesischer Automobilhersteller auf dem europäischen Kontinent erreicht die nächste Stufe. Wie aus aktuellen Medienberichten hervorgeht, erwägt der staatliche chinesische Konzern Changan den Bau einer eigenen Produktionsstätte in Spanien. Besonders die Region Aragonien im Norden des Landes steht dabei im Fokus. Damit folgt Changan dem Beispiel von Konkurrenten wie BYD oder Chery, die bereits feste Standorte in der EU etabliert haben.
1. Strategische Antwort auf EU-Zölle
Hinter den Überlegungen steht ein handfestes wirtschaftliches Kalkül. Da die EU die Einfuhrzölle für chinesische Elektroautos massiv verschärft hat, wird die Produktion innerhalb der EU-Grenzen zum Wettbewerbsvorteil:
- Zolldruck: Für Changan-Modelle wie den Deepal S05 und S07 werden aktuell Zölle von insgesamt 30 Prozent fällig.
- Lokalisierung: Ein Werk in Spanien würde diese Zölle hinfällig machen und die Logistikwege zu den europäischen Endkunden drastisch verkürzen.
- Investitionsvolumen: Changan plant, bis 2030 rund zwei Milliarden Euro in Europa zu investieren und acht neue Modelle auf den Markt zu bringen.
2. Spanien als Magnet für chinesische Tech-Giganten
Spanien hat sich unter Ministerpräsident Pedro Sánchez aktiv als Partner für Chinas Industrie positioniert. Sánchez traf sich erst kürzlich in Peking mit Changan-Chef Zhu Huarong. Das Land bietet entscheidende Vorteile:
- Infrastruktur: Spanien ist bereits der zweitgrößte Automobilproduzent Europas mit einem dichten Zuliefernetzwerk.
- Energiekosten: Im Vergleich zu anderen EU-Staaten profitiert Spanien von relativ niedrigen Energiekosten.
- Technologietransfer: Die spanische Regierung fordert im Gegenzug für die Ansiedlung nicht nur Montagebänder, sondern auch Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E).
3. Ein dichtes Netz: Chinas Autoindustrie in Spanien
Changan ist nicht der einzige Akteur, der auf spanischen Boden setzt. Die Liste der Kooperationen und Standorte wächst rasant:
- Chery: Montiert Fahrzeuge in Barcelona in einem ehemaligen Nissan-Werk (Joint Venture mit Ebro Motors).
- Leapmotor: Nutzt Kapazitäten im Stellantis-Werk in Saragossa.
- Santana Motors: Unterhält Partnerschaften mit Dongfeng und BAIC für die lokale Montage.
- BYD: Hat sich zwar für Ungarn als Hauptwerk entschieden, baut in Spanien jedoch sein Vertriebsnetz massiv aus.
"Die Beziehung zur chinesischen Volkswirtschaft ist ein wichtiger Pfeiler für unser Wirtschaftswachstum. Wir wollen Spanien zum führenden Hub für Elektromobilität in Europa machen." – Pedro Sánchez, spanischer Ministerpräsident.
Chinas Automobil-Präsenz in Spanien (2026)
| Hersteller | Standort / Partner | Status |
|---|---|---|
| Changan | Region Aragonien | Prüfungsphase / Geplantes Werk |
| Chery | Barcelona (Ebro Motors) | Serienmontage gestartet |
| Leapmotor | Saragossa (Stellantis) | Produktion angelaufen |
| BAIC / Dongfeng | Linares (Santana Motors) | Lokale Montagepartnerschaft |
Fazit: Spanien gewinnt das Tauziehen um China-Investitionen
Während Länder wie Deutschland oder Frankreich chinesische Investitionen aufgrund politischer Bedenken oft kritisch beäugen, greift Spanien beherzt zu. Der Fall Changan verdeutlicht, dass die EU-Zollpolitik ihr Ziel – die Ansiedlung von Produktion in Europa – teilweise erreicht, dabei aber den Wettbewerb für heimische Hersteller direkt vor die Haustür holt. Aragonien könnte bald zum neuen Zentrum für chinesische Hochtechnologie werden, sofern Sánchez den politischen Spagat zwischen Brüssel und Peking weiterhin erfolgreich meistert.

