Wie setzt sich der Strompreis zusammen?
Der Strompreis, den du als Endverbraucher zahlst, besteht aus mehreren Komponenten. Nur ein Teil davon ist der eigentliche Einkaufspreis an der Strombörse. Der Rest sind Netzentgelte, Steuern, Abgaben und der Aufschlag des Anbieters.
Zusammensetzung des Strompreises
Durchschnittswerte für Deutschland
Der entscheidende Punkt: Nur der Erzeugungsanteil (~4 bis 22 ct/kWh) ist variabel und wird an der Strombörse (EPEX Spot) gehandelt. Alle anderen Bestandteile sind überwiegend fix und fallen immer an. Selbst wenn der Börsenpreis auf null fällt, bleiben rund 15 bis 17 ct/kWh an fixen Kosten bestehen.
Die einzelnen Posten erklärt
Stromerzeugung & Vertrieb
Das ist der Preis für den Strom selbst, also das, was an der Strombörse (EPEX Spot) gehandelt wird. Dieser Teil schwankt am stärksten. Scheint viel Sonne und weht viel Wind, fällt der Preis. Gibt es eine "Dunkelflaute" oder hohe Gaspreise, steigt er. Hierin stecken oft auch die Beschaffungskosten, die der Anbieter hat, um die Energie auf dem Markt für dich einzukaufen.
Netzentgelte
Das ist quasi die "Mautgebühr" für die Stromautobahnen und Landstraßen. Dieses Geld geht direkt an die Netzbetreiber. Sie nutzen es, um die Stromleitungen zu warten, das Stromnetz stabil zu halten und den Netzausbau (z. B. für die Energiewende) voranzutreiben. Die Höhe unterscheidet sich je nach Region stark.
Stromsteuer
Die Stromsteuer ist eine Bundessteuer. Sie wurde 1999 als Teil der "Ökosteuer" eingeführt, um den Energieverbrauch zu besteuern und Anreize zum Stromsparen zu schaffen. Der reguläre Satz liegt in Deutschland gesetzlich fest bei genau 2,05 ct/kWh. Mit den Einnahmen wird unter anderem die gesetzliche Rentenversicherung bezuschusst.
Konzessionsabgabe
Das ist eine Gebühr an deine Stadt oder Gemeinde. Weil die Stromnetzbetreiber ihre Kabel unter öffentlichen Straßen, Gehwegen und Plätzen verlegen müssen, verlangen die Kommunen dafür eine Art Nutzungsrecht. Je größer die Gemeinde oder Stadt, desto höher fällt diese Abgabe pro Kilowattstunde meist aus.
Umlagen (§19, Offshore, KWK)
Mit diesen gesetzlichen Umlagen werden bestimmte politische Ziele, der Netzausbau und Ausnahmeregelungen finanziert:
- §19 StromNEV-Umlage: Sehr stromintensive Unternehmen (z. B. große Fabriken) zahlen oft geringere Netzentgelte, damit sie international wettbewerbsfähig bleiben. Diese entgangenen Einnahmen der Netzbetreiber gleichen wir alle über diese Umlage aus.
- Offshore-Netzumlage: Damit werden die Kosten bezahlt, die entstehen, wenn große Windparks im Meer an das Stromnetz an Land angeschlossen werden.
- KWKG-Umlage: Hierüber werden Kraftwerke gefördert, die nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten. Diese sind besonders effizient, weil sie gleichzeitig Strom und nutzbare Wärme (z. B. Fernwärme) erzeugen.
Mehrwertsteuer (19 %)
Auf fast alles in Deutschland wird Mehrwertsteuer erhoben, so auch auf Strom. Das Tückische beim Strompreis: Die 19 % werden auf die gesamte Summe aller vorherigen Posten (inklusive der Stromsteuer und aller Umlagen) aufgeschlagen. Du zahlst hier also faktisch eine Steuer auf Steuern.
Anbieter-Marge
Das ist der Gewinn und der Deckungsbeitrag deines Stromanbieters. Der Anbieter muss davon sein Personal, die IT, das Marketing und den Kundenservice bezahlen und möchte als Unternehmen natürlich auch Profit machen. Bei dynamischen Tarifen verzichten manche Anbieter auf diese Marge pro kWh und nehmen stattdessen eine feste monatliche Grundgebühr.
Dynamische Stromtarife: Der Preis im 15-Minuten-Takt
Bei einem dynamischen Stromtarif ist der Arbeitspreis direkt an den Börsenpreis gekoppelt. Dieser ändert sich im 15-Minuten-Takt, abhängig von Angebot und Nachfrage. Wenn viel Strom aus Wind- und Solaranlagen ins Netz fließt, sinkt der Preis, manchmal sogar auf 0 ct/kWh oder darunter. Umgekehrt steigt er, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot knapp ist.
Typischer Börsenpreis im Tagesverlauf
Beispielhafter sonniger Tag. Preise an der EPEX Spot in ct/kWh
Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter in Deutschland mindestens einen dynamischen Stromtarif anbieten. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Smart Meter (intelligenter Stromzähler), der den Verbrauch in 15-Minuten-Intervallen erfasst und dem jeweiligen Börsenpreis zuordnet.
So profitieren E-Auto-Besitzer und Speicher-Nutzer
Wer ein Elektroauto oder einen Batteriespeicher besitzt, hat einen entscheidenden Vorteil: Der Ladezeitpunkt ist flexibel. Das Auto muss nicht sofort geladen werden, es reicht, wenn es am nächsten Morgen voll ist. Smarte Tarife nutzen genau das aus:
E-Auto laden
Die Wallbox startet automatisch in den günstigsten 15-Minuten-Slots, typischerweise nachts oder mittags bei viel Solarstrom. So zahlst du oft deutlich weniger als den durchschnittlichen Festpreis pro kWh.
Speicher laden
Im Winter, wenn die PV-Anlage wenig liefert, wird der Heimspeicher automatisch mit günstigem Netzstrom geladen, und zwar in Zeiten mit niedrigem Börsenpreis. Im Sommer nutzt der Speicher wie gewohnt den eigenen Solarstrom.
Ab wann lohnt sich ein dynamischer Tarif?
Ein dynamischer Stromtarif lohnt sich besonders ab einem Jahresverbrauch von ca. 4.000 bis 5.000 kWh, vor allem wenn steuerbare Großverbraucher wie Wärmepumpe, E-Auto oder Batteriespeicher vorhanden sind. Je mehr Verbrauch in günstige Zeitfenster verschoben werden kann, desto größer die Ersparnis.
Ideal für dynamische Tarife
E-Auto mit Wallbox
Flexibles Laden in der Nacht
Batteriespeicher
Laden bei Niedrigpreisen
PV + Speicher
Eigenverbrauch + Smart Grid
Achtung: Preisrisiko beachten
Bei dynamischen Tarifen kann der Börsenpreis in Spitzenzeiten stark ansteigen, im Extremfall auf über 70 ct/kWh. Einige Anbieter bieten daher Preisobergrenzen oder hybride Modelle an, die das Risiko für den Verbraucher begrenzen. Prüfe vor dem Wechsel, ob dein Anbieter einen Preisdeckel oder eine Preisgarantie bietet.