Folge 46: Tesla FSD Roadmap für Europa, VWs China-Strategie und die LiDAR-Debatte
In der 46. Ausgabe des Elektroquatsch Podcasts diskutieren Nico Pliquett und Constantin Hoffmann über eine Fülle an Neuigkeiten aus der Welt der Elektromobilität. Neben persönlichen Anekdoten über Pannen mit Verbrennern steht vor allem Teslas Vorstoß in Richtung autonomes Fahren in Europa im Fokus, sowie die zunehmende Abkopplung deutscher Hersteller auf dem chinesischen Markt.
Tesla FSD: Der Weg nach Europa beginnt
Das wohl größte Thema der Woche ist die offiziell gestartete Roadmap für Teslas "Full Self-Driving" (FSD) in Europa. Tesla befindet sich derzeit in Gesprächen mit der niederländischen Zulassungsbehörde (RDW), um einen Weg für die Freigabe zu ebnen. Ein mögliches Startdatum steht mit Februar 2026 im Raum, wobei dies noch von regulatorischen Hürden abhängt.
Ein zentrales Problem stellt die Regelung UN R171 dar. Diese gilt als sehr regelbasiert, während Teslas Ansatz auf neuronalen Netzen und KI beruht, die nicht strikt nach einprogrammierten "Wenn-Dann"-Regeln funktionieren, sondern menschliches Fahrverhalten imitieren. Tesla betonte, dass sie die FSD-Software für Europa nicht "verwässern" wollen, um Regeln zu entsprechen, sondern eine Zulassung der potenten US-Version anstreben. Unterstützend wirkt dabei, dass Tesla bereits auf über eine Million Testkilometer in 17 europäischen Ländern verweisen kann.
Die ewige Debatte: LiDAR vs. Vision Only
Nico Pliquett nutzte die Folge für eine erneute Einordnung der Sensoren-Diskussion. Entgegen der landläufigen Meinung, dass "mehr Sensoren immer besser" seien, argumentiert er, dass die Komplexität der Sensor-Fusion (das Abgleichen widersprüchlicher Daten zwischen Kamera und LiDAR) neue Fehlerquellen schafft.
Ein Beispiel: Während LiDAR bei Nebel physikalische Vorteile haben kann, entstehen Probleme bei "False Positives", etwa wenn ein Laubblatt einen Sensor verdeckt und als Wand interpretiert wird, während die Kamera freie Fahrt sieht. Die These: Ein günstiges, kamerabasiertes System, das flächendeckend ausgerollt werden kann, bringt der allgemeinen Verkehrssicherheit mehr als teure Hightech-Systeme in wenigen Luxusfahrzeugen.
Tesla News-Ticker
Nico brachte insgesamt 17 Neuigkeiten rund um Tesla mit:
- Rekorde in Norwegen: Tesla verzeichnet 2024 einen Allzeit-Verkaufsrekord in Norwegen mit über 26.000 Zulassungen, davon allein 21.500 Model Y.
- Supercharger Off-Grid: In Lost Hills (USA) entsteht der weltweit größte autarke Supercharger mit Solar und Megapacks, da der Netzbetreiber keine ausreichende Anbindung liefern konnte.
- Flottenkarten-Integration: Ein großes Update für Firmenwagenfahrer: In der Tesla App können nun Drittanbieter-Ladekarten (z.B. EnBW, DKV) als Zahlungsmittel hinterlegt werden.
- Sicherheit: Neue "Attention Icons" warnen den Fahrer in drei Stufen (Weiß, Rot, blinkendes Rot) bei Unaufmerksamkeit während der Autopilot-Nutzung.
- Robotaxi: Die Flotte in Austin soll bis Jahresende auf 500 Fahrzeuge wachsen; die Genehmigung für ganz Arizona liegt vor.
Deutsche Hersteller und der Blick nach China
Die deutschen Autobauer präsentieren Innovationen – allerdings primär für den chinesischen Markt, was im Podcast kritisch beäugt wurde.
Volkswagen & "ID Error"
VW zeigte einen Prototyp, der gemeinsam mit chinesischen Partnern (SAIC) entwickelt wurde. Im Podcast scherzhaft als "ID Error" bezeichnet (in Anlehnung an den Projektnamen oder den ID. CODE), zielt dieses Fahrzeug mit flachen Lichtbändern und einem an Range Rover erinnernden Design rein auf China ab. Es basiert auf einer 800-Volt-Architektur.
Audi ohne Ringe
Noch radikaler geht Audi vor: Mit dem neuen AUDI E concept verzichtet die Marke in China auf das ikonische Vier-Ringe-Logo und nutzt stattdessen einen beleuchteten "AUDI"-Schriftzug. Das Fahrzeug bietet über 700 km Reichweite (CLTC), 800 Volt und ein Design, das fast gänzlich ohne den klassischen Kühlergrill auskommt. Auch hier gilt: Vorerst exklusiv für China.
Marktüberblick: Xiaomi, BYD und Nio
- Xiaomi: Der Tech-Gigant hat in nur 21 Monaten 500.000 Elektroautos produziert – eine Geschwindigkeit, die etablierte Hersteller unter Druck setzt. Der Marktstart in Europa ist für 2027 geplant.
- BYD: Sorgt mit massiven Rabatten ("Black Week") von teilweise bis zu 18.000 Euro für Aufsehen, aber auch für Kritik bezüglich des Restwertverfalls bei Bestandskunden.
- Nio: Trotz eines Wachstums von 41% (87.000 Auslieferungen im Quartal) bleibt die Diskussion bestehen, ob der mediale Hype um Nio im Verhältnis zu den tatsächlichen Marktanteilen in Europa steht.
Infrastruktur und Wasserstoff
Abschließend wurde die Gründung der "H2 Infrastructure Alliance" thematisiert. Sechs Betreiber wollen den Ausbau von Wasserstofftankstellen vorantreiben. Parallel fördert die EU alternative Kraftstoffe und Ladeinfrastruktur mit 600 Millionen Euro, wobei der Fokus sinnvollerweise auf dem Schwerlast- und Schiffsverkehr liegen sollte, statt auf PKWs.


