In der 66. Folge des Elektroquatsch Podcasts melden sich Nico Pliquett und Constantin Hoffmann aus ungewöhnlich großer räumlicher Distanz. Während sich Constantin in Vietnam aufhält, berichtet Nico mit sichtbaren Augenringen von seinem Besuch in der Giga Factory Berlin am Vortag. Die beiden Moderatoren haben eine Fülle spannender Themen aus der Elektromobilitätswelt mitgebracht.
Tesla Powerwall 3P in Berlin vorgestellt
Nico besuchte die Giga Factory Berlin anlässlich der Vorstellung der neuen Tesla Powerwall 3P. Die Leistungselektronik wurde eigens für den deutschen Markt entwickelt, genauer gesagt von Tesla Black Forest bei Freiburg, einem Entwicklungszentrum, das Tesla zuvor übernommen hatte. Die Technologie kommt weltweit zum Einsatz, beispielsweise auch in den Cabinets der Supercharger V4.
Die neue Powerwall 3P bietet gegenüber der Vorgängerversion einige Verbesserungen. Statt drei MPPTs verfügt sie nun über vier Anschlüsse für Photovoltaikanlagen. Die Anschlüsse sind direkt nach außen gelegt, was die Installation deutlich vereinfacht. Durch die drei Phasen sind bei einem Stromausfall alle Phasen mit Strom versorgt. Die Leistung wurde auf insgesamt 21 kW gesteigert. Die Kapazität bleibt bei 13,5 Kilowattstunden, lässt sich aber durch Expansion Packs erweitern. Eine neue Vorkonditionierungsfunktion sorgt dafür, dass die Powerwall bei niedrigen Außentemperaturen automatisch ihre Leistungsfähigkeit sicherstellt. Der Preis liegt bei 7.300 Euro inklusive Gateway, was etwa 1.000 Euro günstiger ist als das Vorgängermodell.
Giga Berlin baut aus: 1.000 neue Arbeitsplätze
Bei seinem Besuch in der Giga Berlin entdeckte Nico ein zweites Presswerk und beobachtete, dass die Endfertigung für das Model Y Standard nun weitgehend automatisiert wurde. Ab Juli will Tesla die Produktion um 20 Prozent hochfahren, was rund 6.000 Model Y pro Woche bedeutet. Bis Ende Juni sollen 1.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, sodass die Belegschaft auf etwa 11.700 Beschäftigte anwachsen wird. Im ersten Quartal 2026 erreichte Tesla in Berlin einen Produktionsrekord von 61.000 Fahrzeugen. Auf dem Werksgelände werden zudem bereits autonome Fahrversuche durchgeführt.
Tesla Earnings Call: Starke Zahlen
Tesla präsentierte im jüngsten Earnings Call beeindruckende Zahlen: Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 22,4 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge im Automobilbereich liegt bei 19,2 Prozent, der Cash-Bestand beläuft sich zum Quartalsende auf 44,7 Milliarden US-Dollar. Für 2026 ist ein Investitionsbudget von rund 25 Milliarden US-Dollar geplant. Zudem investierte Tesla 2 Milliarden in SpaceX.
Im Bereich FSD und Robotaxi ist der Dienst mittlerweile in Dallas und Houston gestartet, ohne bislang gemeldete Unfälle. Vorbereitungen für Phoenix, Miami und Las Vegas laufen. Die neue FSD-Softwaregeneration mit komplett überarbeiteter Architektur ist für Ende 2026 bis Anfang 2027 geplant. Beim Optimus-Roboter soll die Massenfertigung noch dieses Jahr beginnen, wobei die Produktion auf bis zu eine Million Roboter pro Jahr ausgelegt ist. Eine zweite Linie soll sogar bis zu 10 Millionen Roboter jährlich produzieren.
Hardware 3 und der Weg zu FSD
Für Besitzer von Teslas mit Hardware 3 gibt es wichtige Neuigkeiten. Elon Musk bestätigte, dass Supervised FSD nicht auf Hardware 3 Chips laufen wird, da die Bandbreite zwischen Chip und RAM zu gering ist. Hardware 4 bietet hier die achtfache Leistung. Als Ausgleich soll es für FSD-Käufer einen Rabatt beim Kauf eines neuen Fahrzeugs mit Hardware 4 geben. Zusätzlich plant Tesla kleine Hubs einzurichten, in denen Hardware 3 Fahrzeuge auf Hardware 4 aufgerüstet werden können. Dies betrifft sowohl den Computer als auch die Kameras.
FSD Zulassung in Europa schreitet voran
Die niederländische Behörde RDW hat Tesla FSD nach 18 Monaten intensiver Prüfung auf Teststrecken und öffentlichen Straßen genehmigt. Die europäische Software unterscheidet sich von der US-Version, da sie strengere Sicherheits- und Umweltauflagen erfüllen muss. Besitzer in den Niederlanden können nun FSD in der Version 14.2.2.5.5 testen, die speziell an europäische Straßen und Verkehrsregeln angepasst wurde. Im Gegensatz zur US-Version werden Fahrräder besonders beachtet.
Auch in anderen Ländern tut sich etwas: In Spanien legte eine Testflotte von 30 Fahrzeugen seit November 2025 knapp 80.000 Kilometer unter FSD zurück, ohne gemeldete Zwischenfälle. Italien reagierte auf eine Petition und prüft das Zulassungsverfahren. Für China ist die Zulassung im dritten Quartal geplant. Tesla sucht zudem bereits in neun weiteren Ländern nach FSD Vehicle Operators, darunter Thailand, Indien, Saudi-Arabien, Österreich, Litauen, Rumänien, Südkorea, Hongkong und die Türkei.
Mercedes enthüllt vollelektrische C-Klasse mit EQ Technologie
Mercedes-Benz hat die vollelektrische C-Klasse mit EQ Technologie vorgestellt und damit eine wichtige Lücke im Modellportfolio geschlossen. Der C 400 4Matic startet mit 490 PS und einer 94,5 Kilowattstunden Batterie, die eine WLTP-Reichweite von bis zu 760 Kilometern ermöglicht. Eine später folgende Heckantrieb-Variante soll sogar die 800 Kilometer Marke knacken. Mit 800 Volt Architektur lädt das Fahrzeug mit bis zu 330 kW, was 320 Kilometer Reichweite in nur 10 Minuten entspricht.
Zur Ausstattung gehören High-End Massagesitze, ein Panoramadach mit 162 beleuchteten Sternen, ein Zweiganggetriebe für Autobahneffizienz, serienmäßige Hinterachslenkung und optionale Airmatic Luftfederung auf S-Klasse-Niveau. Enttäuschend ist allerdings die Entscheidung von Mercedes, keine Kombi-Variante anzubieten. Begründet wurde dies damit, dass Kunden in den USA und China keine Kombis kaufen und sich das Modell nur für den europäischen Markt nicht rechne. Mercedes-Designer Robert Lesnik äußerte sich kritisch zu dieser Entscheidung.
Smart zeigt Concept #2
Endlich ist es soweit: Smart hat mit dem Concept #2 in Peking seinen zweisitzigen Nachfolger der klassischen Smart-Idee präsentiert. Mit 2,79 Metern Länge ist er 10 Zentimeter länger als der Vorgänger und hat einen beeindruckenden Wendekreis von nur 6,95 Metern. Die Reichweite soll bei rund 300 Kilometern liegen, die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent unter 20 Minuten. Vehicle to Load gehört zur Serienausstattung. In China startet der Smart #2 bereits 2026, in Europa wird er ab Frühjahr 2027 erhältlich sein.
Porsche Cayenne Coupé Electric vorgestellt
Überraschend schnell hat Porsche das Cayenne Coupé Electric präsentiert, obwohl der reguläre Cayenne Electric noch nicht ausgeliefert wurde. Durch die flachere Dachlinie sinkt der CW-Wert von 0,25 auf 0,23, was 18 zusätzliche Kilometer Reichweite bringt. Die Gesamtreichweite liegt bei 669 Kilometern nach WLTP. Es gibt drei Varianten: das Basismodell mit 442 PS, die S-Version mit 666 PS und die Turbo-Variante mit bis zu 1.156 PS im Overboost-Modus, die in nur 2,3 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt. Alle Modelle verfügen über 800 Volt Architektur und einen 113 Kilowattstunden Akku, der in unter 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent lädt. Die Preise beginnen bei 109.000 Euro für das Basismodell und 168.000 Euro für die Turbo-Version.
BMW i7 Facelift: Luxus mit Rolls-Royce Vibes
BMW hat dem i7 ein umfassendes Facelift spendiert. Das Design wirkt nun deutlich definierter mit schmaleren Lichtern, einer ausdrucksstarken Motorhaube und zweifarbigen Lackierungen, die an Rolls-Royce erinnern. Im Innenraum gibt es das Panoramic Vision Display unter der Windschutzscheibe, wobei die Integration der Parallelogramm-Displays im großen Innenraum etwas verloren wirkt.
Der i7 als Elektrovariante bietet eine 112 Kilowattstunden Batterie mit bis zu 680 PS und einer Reichweite von 720 Kilometern. Die Ladeleistung wurde auf 250 kW gesteigert, allerdings bleibt BMW bei 400 Volt Architektur, während die Konkurrenz zunehmend auf 800 Volt setzt. Wie auch beim EQS wurde das Level 3 Assistenzsystem leider gestrichen. Der Benziner beginnt bei 117.900 Euro, der i7 bei 121.400 Euro.
Ferrari Elettrica mit saftigem Preis
Ferrari hat den Preis für seinen ersten vollelektrischen Sportwagen bekannt gegeben: Das Elektromeisterwerk aus Maranello beginnt bei rund 550.000 Euro. Die technischen Daten wie vier Elektromotoren mit über 1.000 PS, 800 Volt Architektur, ein Akku von knapp über 100 Kilowattstunden und rund 500 Kilometer Reichweite sind beachtlich, aber vergleichbar mit anderen Premium-Elektroautos zu deutlich niedrigeren Preisen.
Weitere Branchennews
Der VW-Konzern plant, sein Modellportfolio von 150 auf unter 100 zu reduzieren und verstärkt auf Synergien zwischen den Marken zu setzen. Bereits 30.000 Mitarbeiter haben Aufhebungsverträge unterzeichnet. Audi ruft in Norwegen 10.000 Elektroautos der Modelle E-Tron und Q8 E-Tron zurück, weltweit könnten bis zu 100.000 Fahrzeuge betroffen sein. Grund ist eine Schwachstelle an Schraubverbindungen am Bremsverstärker.
Rivian erlebte einen herben Rückschlag, als ein Tornado das Werksgebäude für den geplanten R2 beschädigte. Lucid bekam eine Finanzspritze durch eine Bestellung von 35.000 Fahrzeugen durch Uber für deren Robotaxi-Dienst. Polestar meldete einen Rekordumsatz von 3,06 Milliarden US-Dollar, muss aber einen Verlust von 2,36 Milliarden US-Dollar hinnehmen, unter anderem durch Abschreibungen von einer Milliarde Dollar auf den Polestar 3.
Hyundai Ioniq 3 als ID Polo Konkurrent
Hyundai hat den Ioniq 3 vorgestellt, ein kompaktes Elektrofahrzeug als Konkurrent zum VW ID Polo. Mit einem Startpreis von rund 30.000 Euro und einer Länge von 4,15 Metern richtet er sich an Einsteiger. Es gibt eine 42 Kilowattstunden Batterie mit 335 Kilometern Reichweite oder eine 61 Kilowattstunden Batterie mit bis zu 490 Kilometern. Das neue Infotainmentsystem basiert auf Android Automotive mit einem Layout, das an Tesla erinnert.
CATL präsentiert neue Superbatterie
CATL hat als Antwort auf die BYD Blade 2.0 die dritte Generation seiner Shenxing Batterie vorgestellt. Auf LFP-Basis lädt sie von 10 auf 80 Prozent in nur 3 Minuten und 44 Sekunden, von 10 auf 90 Prozent in 6 Minuten und 27 Sekunden. Die C-Rate liegt bei 10C mit Spitzenwerten von 15C. Selbst bei minus 30 Grad Celsius dauert eine Ladung von 20 auf 98 Prozent nur 9 Minuten. Nach 1.000 Ladezyklen beträgt die Restkapazität noch über 90 Prozent.
ADAC bestätigt Zuverlässigkeit von Elektroautos
Der ADAC hat in einer aktuellen Meldung festgestellt, dass Elektroautos zuverlässiger sind als Verbrenner. Dies unterstreicht den technologischen Vorsprung der Elektromobilität, besonders in Kombination mit den Entwicklungen bei Batteriezellen.
Ionity baut Ladeinfrastruktur aus
Ionity plant bis 2030 die Zahl seiner Ladestandorte in Deutschland von aktuell 850 auf rund 1.300 auszubauen. Besonders erfreulich: 30 Prozent der neuen Ladestandorte sollen in Städten entstehen. Bisher gibt es nur rund 60 städtische Standorte, weitere 50 sind in Planung. Gesucht werden Standorte mit mindestens sechs Ladepunkten und je 350 kW Leistung. Als Herausforderung nennt Ionity die Bürokratie und starre Genehmigungsverfahren in den Städten.


