Bisher galt Genesis oft als der „schicke Zwilling“ von Hyundai und Kia – technisch exzellent, aber eben eng verwandt. Das soll sich 2027 grundlegend ändern. Wie Europa-Chef Peter Kronschnabl bestätigte, entwickelt die koreanische Premium-Marke erstmals eine völlig eigenständige Fahrzeug-Plattform. Das Ziel: Ein Fahrgefühl und eine Dynamik, die sich deutlich von den Volumenmodellen abhebt, um endlich auf Augenhöhe mit BMW, Mercedes und Audi zu fahren.
Emanzipation vom Konzern: Warum Genesis eigene Wege geht
Obwohl die aktuelle E-GMP-Plattform (bekannt aus dem GV60 oder dem Hyundai Ioniq 5) zu den besten der Welt gehört, steht Genesis vor einem Image-Problem. Wer Premium-Preise zahlt, möchte keine Technik von der Stange. Die neue Plattform, die sowohl für reine Elektroautos (BEVs) als auch für Hybride ausgelegt ist, soll dieses Problem lösen. Laut Kronschnabl, einem ehemaligen BMW-Manager, geht es dabei vor allem um die "Fahrdynamik und das markenspezifische Erlebnis".
Besonders spannend: Während der kommende Luxus-SUV Genesis GV90 noch auf der Konzern-Architektur „eM“ basieren wird, markiert das Jahr 2027 den Startpunkt für die echte technische Unabhängigkeit. Damit reagiert die Marke auf das Feedback aus den Kernmärkten USA und Asien, wo die Kunden eine stärkere Differenzierung fordern.
Hybrid oder Elektro? Genesis passt den Kurs an
Ursprünglich wollte Genesis bereits ab 2025 nur noch rein elektrische Modelle auf den Markt bringen. Doch der schwächelnde globale E-Auto-Markt hat zu einem Umdenken geführt. Die neue Plattform wird daher hybrid-fähig sein. Das ermöglicht es Genesis, flexibel auf die Nachfrage zu reagieren, ohne auf die starren Vorgaben der Hyundai-Plattformen angewiesen zu sein.
[Tabelle: Genesis Plattform-Strategie im Vergleich]| Modell / Ära | Plattform | Fokus |
|---|---|---|
| Genesis GV60 | E-GMP (Konzern) | 800V-Schnellladen, Volumen-Technik |
| Genesis GV90 (2026) | eM (Konzern-Update) | Luxus-SUV, Cloud-Computing |
| Next-Gen Genesis (2027+) | Genesis Eigenentwicklung | Fahrdynamik, Premium-Differenzierung |
Magma: Die sportliche Speerspitze
Ein wichtiger Baustein für das neue Selbstbewusstsein ist das Sub-Label Genesis Magma. Ähnlich wie die M-GmbH bei BMW soll Magma die sportlichen Grenzen ausloten. Es ist davon auszugehen, dass die neue Eigen-Plattform speziell darauf ausgelegt wird, die extremen Leistungsanforderungen der Magma-Modelle besser zu bewältigen als die bisherigen Konzern-Baukästen.
"Genesis muss sich nicht nur durch Design, sondern durch das Skelett des Fahrzeugs definieren. Eine eigene Plattform ist der Ritterschlag für jede Premium-Marke." – Peter Kronschnabl, CEO Genesis Motor Europe.
Herausforderung Europa: Lohnt sich der Aufwand?
Kritiker merken an, dass Genesis in Europa bisher nur eine Randerscheinung ist (knapp 2.500 Verkäufe in 2025). Dennoch ist der Schritt logisch: Weltweit verkauft Genesis über 220.000 Fahrzeuge. Um in den USA und China gegen die etablierte Konkurrenz zu bestehen, reicht ein schönes Interieur allein nicht mehr aus. Die neue Plattform könnte zudem Synergien für völlig neue Raumkonzepte bieten, die auf den Standard-Plattformen von Hyundai nicht realisierbar wären.
Fazit: Genesis wird erwachsen
Die Ankündigung einer eigenen Plattform ist ein klares Signal: Genesis ist gekommen, um zu bleiben. Weg von der "Hyundai-Plus"-Strategie, hin zu einem technologisch eigenständigen Luxus-Anbieter. Ob dieser teure Befreiungsschlag 2027 Früchte trägt, wird vor allem davon abhängen, wie groß der spürbare Unterschied für den Fahrer am Ende wirklich ist.



