Markteintritt mit Ansage: Chery bringt Omoda und Jaecoo nach Deutschland
Lange wurde spekuliert, nun ist es offiziell: Die chinesischen Marken Omoda und Jaecoo starten ihren offiziellen Vertrieb in Deutschland. Hinter dem Duo steht der Autoriese Chery International, Chinas Export-Spitzenreiter. Während andere Hersteller oft überhastet expandieren, verfolgt das Team in Deutschland den Leitsatz „Slow is fast“. Man hat bewusst die Erfahrungen aus Märkten wie Großbritannien und Spanien abgewartet, um hierzulande mit einer ausgereiften Struktur anzutreten.
Das Ziel für 2026 ist ambitioniert: Rund 8.000 Fahrzeuge sollen im ersten Jahr abgesetzt werden. Dabei setzt man nicht auf reinen Online-Vertrieb, sondern auf gestandene Mehrmarkenhändler. Bis Ende des Jahres sollen 100 Standorte unter Vertrag stehen, langfristig sind bundesweit 240 Service- und Verkaufsbetriebe geplant. Ein kluger Schachzug, denn deutsche Kunden kaufen laut Marktanalysen selten bei einem Partner, der mehr als 30 Kilometer entfernt liegt.
Die Launch-Modelle: Fokus auf Plug-in-Hybride
Entgegen dem Trend zum reinen Elektroauto setzt das Deutschland-Team zum Start massiv auf das boomende Segment der Plug-in-Hybride (PHEV). Die Strategie ist pragmatisch: Man liefert das, was der Markt aktuell verlangt. Sowohl der Jaecoo 7 als auch der luxuriöse Omoda 9 nutzen das hauseigene „Super Hybrid System“. Dieses verspricht beachtliche elektrische Reichweiten, die im Alltag die meisten Pendelstrecken emissionsfrei abdecken.
| Modell | Antrieb | Systemleistung (ca.) | Elektr. Reichweite | Preis (ab) |
|---|---|---|---|---|
| Jaecoo 7 PHEV | Frontantrieb | 255 kW | 90 km | 36.900 Euro |
| Omoda 9 PHEV | Allradantrieb | 445 kW | 145 km | 52.900 Euro |
Service als Fundament: Keine Kompromisse beim Aftersales
Ein kritischer Punkt für chinesische Newcomer war in der Vergangenheit oft die Ersatzteilversorgung. Hier will Omoda/Jaecoo von Tag eins an punkten. In Rennerod (Rheinland-Pfalz) wurde ein eigenes Zentrallager in Kooperation mit Kühne+Nagel etabliert. Das Versprechen: 99 % der Teile sind sofort verfügbar, und die Lieferung an den Händler erfolgt bundesweit innerhalb von 24 Stunden. Damit orientiert man sich direkt am Standard von Branchengrößen wie Volkswagen.
Zudem punkten die Marken mit einer großzügigen Garantiestruktur, um Vertrauen bei Privat- und Flottenkunden aufzubauen. Neben sieben Jahren Fahrzeuggarantie (bis 150.000 km) gewährt der Hersteller acht Jahre auf die Hochvoltbatterie. Das Team hinter dem Markteintritt besteht zum Großteil aus Branchenveteranen, die zuvor für Marken wie Hyundai oder Kia tätig waren und wissen, wie man ein Händlernetz in einem kompetitiven Umfeld stabilisiert.
"Wir bieten an, was die Kunden jetzt kaufen wollen, nicht das, was langfristig als theoretisch richtig gilt. Deutschland ist ein PHEV-Markt."
Infrastruktur in Deutschland: Mehr als nur Vertrieb
Die Marken sind tiefer in Deutschland verwurzelt, als es auf den ersten Blick scheint. In Raunheim bei Frankfurt betreibt Chery bereits seit fast zehn Jahren ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Rund 100 Ingenieure und Designer arbeiten dort an der Europäisierung der Fahrzeuge. Hier werden Software-Anpassungen vorgenommen und regulatorische Anforderungen für den hiesigen Markt umgesetzt. Sogar eine lokale Fertigung rückt in greifbare Nähe: In Zukunft sollen Modelle im spanischen Barcelona vom Band laufen, um die Wege zum Kunden zu verkürzen.
Ab dem zweiten Quartal 2026 wird das Angebot für Privatkunden durch attraktive Leasingmodelle ergänzt, die in Zusammenarbeit mit Santander und der Allianz entstehen. Besonders für das PHEV-Segment ist dies entscheidend, da Planbarkeit und monatliche Raten für deutsche Käufer zentrale Entscheidungskriterien sind. Wer heute bestellt, soll sein Fahrzeug bei Lagerverfügbarkeit bereits innerhalb von drei bis vier Wochen entgegennehmen können.
