Bisher mussten Tesla-Poweruser auf Drittanbieter-Apps wie Tessie oder komplexe Home-Assistant-Lösungen zurückgreifen, um ihrem Fahrzeug individuelle Logiken beizubringen. Das ändert sich jetzt fundamental: Tesla führt eine native "Automations"-App direkt im Fahrzeug ein. Damit lassen sich Hardware- und Softwarefunktionen nach dem einfachen "Wenn dies passiert, dann tue das"-Prinzip verknüpfen.
Die Logik-Engine im Cockpit: So funktioniert's
Die Benutzeroberfläche der neuen App erinnert an ein übersichtliches Kachel-Layout (Grid), wie man es von modernen Smart-Home-Zentralen kennt. Jede Automation wird als Karte dargestellt, die einfach per Fingertipp aktiviert oder deaktiviert werden kann. Tesla unterteilt die Erstellung in klare Kategorien wie Sitzheizung, Türen/Fenster, Klima (HVAC) und Medien.
Der Aufbau folgt einer dreistufigen Logik:
- Event (Der Auslöser): Ein Ereignis tritt ein (z. B. "Fahrertür öffnet sich").
- Condition (Die Bedingung): Ein Zustand muss erfüllt sein (z. B. "Es ist nach Sonnenuntergang").
- Action (Die Ausführung): Das Auto führt einen Befehl aus (z. B. "Ambientebeleuchtung auf Rot stellen").
Trigger und Aktionen: Die Möglichkeiten
Die Liste der verfügbaren Sensoren und Aktoren ist beeindruckend und geht weit über das hinaus, was bisher möglich war. Besonders spannend ist die Integration von Umweltdaten.
| Kategorie | Beispiele für Auslöser (Triggers) | Beispiele für Aktionen |
|---|---|---|
| Fahrzeugstatus | Gangwechsel (P/D/R), Geschwindigkeitsschwellen, Gurtstatus, Sitzbelegung | Fahrmodus ändern (Chill/Sport), Innenlicht anpassen, Fenster lüften |
| Umwelt & Sensoren | Außentemperatur, Luftqualitätsindex (AQI), Helligkeit, Uhrzeit | Bioweapon Defense Mode aktivieren, Enteisung starten |
| Interaktion | Eigene Sprachbefehle (Voice Triggers), NFC-Tags | Text-to-Speech (begrüßt den Fahrer), Musik-Playlist starten |
Use-Cases: Features, auf die Fans jahrelang gewartet haben
Ein klassisches Beispiel für den Nutzwert ist der Bioweapon Defense Mode. Anstatt ihn manuell einzuschalten, wenn man in eine Smog-Zone fährt, kann man nun festlegen: "Wenn AQI > 150, dann aktiviere HEPA-Filter."
Auch für Familien bietet die App neue Sicherheitsebenen: Eltern können einstellen, dass das Fahrzeug automatisch in den Chill-Modus wechselt, sobald Kindersitze im Fond belegt und angeschnallt sind. Sogar akustische Hilfen sind möglich, wie eine Sprachansage "Gang eingelegt", was besonders für ältere Fahrer oder Fahranfänger hilfreich sein kann.
Sicherheits-Leitplanken: Wo Tesla die Grenze zieht
Tesla lässt die Nutzer jedoch nicht völlig unkontrolliert walten. Um die Fahrsicherheit nicht zu gefährden, gibt es eine strikte Limitierung: Automationen können nicht ausgeführt werden, während Autopilot oder Full Self-Driving (FSD) aktiv sind. Damit soll verhindert werden, dass ein Nutzer-Skript mitten in einem Manöver kritische Parameter wie die Fahrdynamik oder die Bremscharakteristik verändert.
"Früher hat Tesla entschieden, was der Kunde braucht. Jetzt gibt Tesla den Kunden die Werkzeuge an die Hand, um sich ihre Nischen-Features selbst zu bauen." - Branchen-Fazit zur neuen Offenheit.
Release: Wann kommt das Update nach Deutschland?
Die Automations-App ist Teil des Software-Updates 2025.45.32.1, das pünktlich zum chinesischen Neujahrsfest im Februar 2026 in China ausgerollt wurde. Historisch gesehen folgen solche "Holiday-Style"-Updates für den Rest der Welt (Nordamerika und Europa) mit einer Verzögerung von wenigen Wochen. In Deutschland wird das Feature voraussichtlich mit dem nächsten großen Frühjahrs-Update verfügbar sein.
Fazit: Das Auto wird zum Smartphone auf Rädern
Mit der Automations-App schließt Tesla die Lücke zwischen Fahrzeug und Smart Home. Die Möglichkeit, das Auto auf die individuellen Bedürfnisse zu programmieren, ohne eine Zeile Code schreiben zu müssen, ist ein Alleinstellungsmerkmal, das die Konkurrenz unter Druck setzen wird. Es ist der nächste logische Schritt in Teslas Strategie, Hardware durch intelligente Software zu veredeln.




