Abschied von einer Legende: Tesla schickt das Model S in Rente
Es ist offiziell: Nach einer beeindruckenden Laufzeit von 14 Jahren zieht Tesla den Stecker beim Model S. Was 2012 als riskantes Projekt eines Silicon-Valley-Startups begann, entwickelte sich zur wichtigsten Limousine des 21. Jahrhunderts. Während andere Hersteller in diesem Zeitraum drei bis vier Modellgenerationen verschlissen hätten, blieb Tesla der Grundform treu und veränderte stattdessen fast alles unter dem Blech.
Innovation durch Evolution statt Generationen
Das Model S brach mit allen Regeln der Automobilindustrie. Anstatt alle sieben Jahre ein komplett neues Auto zu präsentieren, behandelte Tesla die Limousine wie ein Software-Produkt. Über die Jahre wurden Batterien, Antriebseinheiten und Elektronik permanent verbessert. Laut Experten teilen sich das Ur-Modell von 2012 und die aktuelle Version lediglich noch etwa 3 % der Bauteile. Die Anzahl der Einzelkomponenten wurde dabei von ca. 5.000 auf rund 3.000 reduziert.
Ein Erbe, das überall sichtbar ist
Wer heute in ein modernes Auto steigt – egal ob Elektro oder Verbrenner – nutzt Technologien, die das Model S populär gemacht hat. Tesla etablierte Standards, die heute als selbstverständlich gelten:
- Over-the-Air-Updates: Das Auto wird über Nacht durch Software besser.
- Vertikale Riesendisplays: Die Verdrängung physischer Knöpfe durch Touch-Interfaces.
- Versenkbare Türgriffe: Ein Detail, das mittlerweile bei fast jedem Aero-fokussierten Neuwagen zu finden ist.
- Supercharging: Die Erkenntnis, dass ein E-Auto nur so gut ist wie sein Ladenetz.
| Meilenstein | Tesla Model S (2012) | Tesla Model S Plaid (2026) |
|---|---|---|
| Batteriekapazität | 85 kWh | 100 kWh (optimiert) |
| EPA-Reichweite | 426 km (265 mi) | ca. 637 km (396 mi) |
| Beschleunigung (0-100 km/h) | 4,4 Sek. (Performance) | 2,1 Sek. |
| Interieur-Fokus | 17-Zoll Touchscreen | Yoke-Lenkrad & Gaming-Computer |
Der "Compliance-Car"-Killer
Vor dem Model S waren Elektroautos oft langsame, hässliche Verzichtserklärungen (sogenannte Compliance Cars), die nur gebaut wurden, um Abgasquoten zu erfüllen. Das Model S bewies das Gegenteil: Ein EV kann schneller, schöner und begehrenswerter sein als eine Mercedes S-Klasse oder ein BMW 7er. Es war das erste Auto, das Langstreckenfahrten ohne "Reichweitenangst" ermöglichte – auch wenn die ersten Fahrer 2012 noch Hotels abtelefonieren mussten, um eine Steckdose zu finden.
"Das Model S war nie perfekt, aber es war der Katalysator, der die gesamte Industrie zur Elektrizität zwang. Ohne dieses Auto gäbe es heute keinen Porsche Taycan und keinen Mercedes EQS."
Was kommt nach dem Model S?
Das Ende des Model S macht bei Tesla Kapazitäten frei. Gerüchten zufolge wird der Fokus nun endgültig auf das lang erwartete "25.000-Dollar-Modell" (Model 2) und die Skalierung der Robotaxi-Flotte gelegt. Das Model S mag gehen, aber sein Schatten wird noch Jahrzehnte über jedem neuen Auto hängen, das eine Ladebuchse besitzt.



