Die Hinfahrt: 300 Kilometer mit dem Model Y
Bei einem Ladestand von 99 Prozent zeigt mir das Auto eine theoretische Reichweite von 448 Kilometern an, wobei die Strecke nach Berlin nur 300 Kilometer beträgt. Das System schlägt vor, ohne Ladestopp durchzufahren, doch ich entscheide mich für eine kurze Pause am Supercharger in Herzsprung. Bei 5 Grad Außentemperatur fahre ich zunächst zwischen 130 und 140 km/h und erreiche einen Verbrauch von etwa 20,5 Kilowattstunden auf 100 Kilometer, was für ein Auto dieser Größe wirklich ein guter Wert ist.
Im Innenraum fällt mir sofort auf, wie ruhig es ist im Vergleich zu den ersten Model Y Generationen. Das neue 16 Zoll Display mit dünneren Rahmen wirkt deutlich moderner. Eine Eigenheit ist der unterschiedliche Rahmen, der oben spitz und unten rund verläuft. Besonders begeistert bin ich vom schwarzen Dachhimmel, den künftig alle Model Y Varianten erhalten werden. Der Unterschied zum hellen Dachhimmel ist enorm und macht optisch Tag und Nacht aus.
Schnelles Laden in Herzsprung
Nach 170 Kilometern komme ich mit 15 Prozent Restladung in Herzsprung an, da ich auf großen Teilstücken mit 205 km/h gefahren bin. An der Ladesäule lädt das Fahrzeug mit beeindruckenden 185 Kilowatt und schafft in 13 Minuten den Sprung von 5 auf 63 Prozent. Selbst bei 63 Prozent fließen noch 100 Kilowatt in den Akku. Das überrascht mich positiv, denn in der Community wurde immer wieder behauptet, dass die aktuelle LFP Batterie schlechter lädt als die alten BYD Zellen. Von 15 auf 80 Prozent benötigt der Wagen nur etwa 21 Minuten, das ist ein wirklich guter Wert.
Was beim Standard fehlt
Während der Fahrt fällt mir auf, was das Standard Modell im Vergleich zum Premium nicht bietet. Am deutlichsten vermisse ich das Matrix LED Licht, was mir besonders bei der Abendfahrt am Vortag aufgefallen war. Auch die Sitzbelüftung fehlt, was bei wärmeren Temperaturen durchaus relevant werden könnte. Das Panoramaglasdach hingegen vermisse ich überhaupt nicht, da man als Fahrer ohnehin wenig davon mitbekommt. Überrascht hat mich, dass die Außenspiegel entgegen anfänglicher Berichte sehr wohl elektrisch verstellbar und einklappbar sind. Auch die Kameras sind alle vorhanden, lediglich die Beschleunigung ist etwas langsamer und der Akku kleiner, allerdings mit hervorragenden Ladewerten.
Der Hauptgrund meiner Reise: Die neue Powerwall 3P
Der eigentliche Anlass für meinen Besuch in Berlin ist die Vorstellung der neuen Powerwall 3P, wobei das P für drei Phasen steht. Bei mir zu Hause habe ich die Powerwall 3 mit nur einer Phase im Einsatz, was in meinen Videos häufig kritisiert wurde. Tatsächlich kann ich auch damit mein gesamtes Haus aus dem Speicher versorgen, weil die eine Phase ins Netz einspeist und der Stromzähler die Verbräuche der anderen Phasen ausgleicht. Bei einem Stromausfall hätte ich allerdings nur auf einer Phase Strom, was bei der neuen 3P nun anders gelöst ist.
Sofort fällt mir der größte praktische Vorteil ins Auge: Die Anschlüsse für die Photovoltaikanlage sind jetzt nach außen gelegt. Bei meiner aktuellen Powerwall musste der Wechselrichter noch hinter der Glasfront angeschlossen werden, was deutlich aufwendiger war. Statt drei MPPTs gibt es jetzt vier, sodass mehr Strings angeschlossen werden können. Die Kapazität bleibt bei 13,5 Kilowattstunden, aber die Leistung steigt deutlich. Mit Solar können bis zu 21 Kilowatt abgegeben werden, aus dem Batteriespeicher selbst sind 15,4 Kilowatt Dauerleistung möglich.
Erweiterbar und intelligent vernetzt
Vor Ort sehe ich ein Setup mit der eigentlichen Powerwall und einem Expansion Pack, die einfach mit einem Kabel verbunden werden. Die entsprechenden Anschlüsse habe ich auch an meiner Powerwall an der Seite und mich immer gefragt, wofür sie sind. Jetzt weiß ich, dass sie für genau solche Erweiterungen gedacht sind.
Der große Vorteil bei Tesla bleibt das integrierte Ökosystem über die App. Während ich vor Ort bin, sehe ich, dass meine Anlage zu Hause in Hamburg gerade nur 0,2 Kilowatt aus der Sonnenenergie zieht, der Himmel scheint dort nicht so freundlich zu sein wie in Berlin. Im neuen Beta Status Modus zeigt mir die App genau, was passiert: Solar versorgt das Haus, die Powerwall ist im moderaten Ladezustand und steht bereit, das Netz übernimmt nach Sonnenuntergang.
Mit dem Opticaster lässt sich ein dynamischer Stromtarif einbinden, sodass das System Sonneneinstrahlung, Hausverbrauch und Strompreise gemeinsam berechnet und so die Stromkosten optimiert. Bei günstigen Strompreisen wird die Powerwall geladen, bei teuren Strompreisen wird sie genutzt. Wer zusätzlich einen Wall Connector besitzt, kann auch das Auto in dieses Energiemanagement einbinden.
Günstigerer Preis und Vorkonditionierung
Erfreulich ist die Preisentwicklung: Die Powerwall 3P kostet 7.300 Euro inklusive Gateway. Damit liegt sie deutlich unter dem ehemaligen Preis von rund 8.000 Euro plus Gateway für die Vorgängerversion. Das System ist komplett wetterfest und kann auch im Außenbereich installiert werden. Eine Neuerung ist die Vorkonditionierung, die die Zellen aufwärmt, wenn das System einen erhöhten Strombedarf erwartet. Die Garantie liegt bei 10 Jahren, und Tesla hat über die Jahre enorme Erfahrung mit Batteriezellen gesammelt.
Insights aus der Werksführung
Im Anschluss durfte ich an einer Factory Tour teilnehmen, bei der ich leider nicht filmen durfte, aber einige spannende Informationen aufschnappen konnte. In der Giga Berlin wird aktuell in drei Schichten an fünf Tagen pro Woche produziert. Tesla hat angekündigt, 1.000 neue Jobs in Berlin zu schaffen, da man mit höherer Nachfrage rechnet und die Produktion hochfahren möchte.
An meinem Besuchstag liefen ausschließlich Model Y Standards vom Band, keine Premium Modelle. Normalerweise wird die Produktion durchmischt, aber an diesem Tag war die Nachfrage nach dem Standard offensichtlich besonders hoch. Auf der Webseite sind aktuell auch erst Auslieferungen ab August oder September verfügbar.
Ein weiteres Highlight: Ich konnte ein Auto autonom über das Werksgelände fahren sehen. Ähnlich wie bereits in Texas wird auch in Berlin getestet, dass die Fahrzeuge nach dem Band selbstständig zur Qualitätskontrolle oder zum Parkplatz fahren, statt von Mitarbeitern bewegt zu werden. Das ist ein wichtiger Schritt zur Prozessoptimierung und Kosteneinsparung.
Fazit zum Model Y Standard
Die Rückfahrt nach Hamburg trete ich mit voll geladenem Akku an, deutlich fitter als am Morgen. Das Model Y Standard hat mich auf dieser Strecke absolut überzeugt. Wer das alte Model Y kennt, sieht zunächst eine abgespeckte Version, aber die wesentlichen Funktionen sind alle vorhanden. Die offene Mittelkonsole empfinde ich sogar als angenehm, weil ich mein Bein weiter rüberlegen kann. Für Menschen, die zum ersten Mal ein Tesla fahren würden, bietet dieses Auto bereits in der Serienausstattung mehr, als die meisten Wettbewerber für vergleichbares Geld liefern können. Tesla musste das Modell schaffen, weil die Premium Modelle preislich angezogen wurden und nicht günstiger werden konnten, ohne die Marge zu gefährden.


