Tesla Patent: Strom aus der Scheibe – „Printed Circuit Glass“ ersetzt Kabel

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Tesla Patent: Strom aus der Scheibe – „Printed Circuit Glass“ ersetzt Kabel

Das Ende des Kabelsalats: Tesla hat ein Patent für „Printed Circuit Glass“ angemeldet, das die Fahrzeugherstellung radikal vereinfachen könnte. Anstatt dicker Kabelstränge sollen künftig hauchdünne Leiterbahnen direkt auf das Glas der Windschutzscheibe gedruckt werden. Das macht nicht nur klobige Kameragehäuse überflüssig, sondern verwandelt die Scheibe in eine gigantische, starre Platine.

Tesla setzt seinen Krieg gegen die Komplexität fort. Ein neues Patent (US 2025/0368012 A1) beschreibt, wie herkömmliche Kupferkabel im Dachhimmel durch Leiterbahnen ersetzt werden, die direkt in das Glas der Windschutzscheibe eingebrannt sind. Damit wird das Glas zum aktiven Teil der Bordelektronik.

Wie es funktioniert: Silberpaste statt Kupferkabel

Kern der Technologie ist ein Siebdruckverfahren, bei dem eine leitfähige Paste aus Silber und Keramik auf das Glas aufgetragen wird. Bei Temperaturen von über 600 °C verschmilzt diese Paste untrennbar mit der Glasoberfläche. Im Gegensatz zu den bekannten Heizdrähten der Heckscheibe sind diese Bahnen auf extrem niedrigen Widerstand getrimmt, um Strom und Daten verlustfrei zu den Sensoren zu leiten.

Die Vorteile: Schlankeres Design und weniger Lärm

Die Auswirkungen auf das Interieur sind massiv. Das klobige Plastikgehäuse hinter dem Rückspiegel, das heute Kameras und Regensensoren beherbergt, könnte fast vollständig verschwinden. Da keine dicken Kabelbündel mehr verlegt werden müssen, können Sensoren "schwebend" und optisch optimal platziert werden.

  • Kein Klappern: Kabel im Dachhimmel sind eine häufige Quelle für Vibrationsgeräusche (Rattles). Feste Leiterbahnen im Glas können nicht vibrieren.
  • Extreme Haltbarkeit: Die Schaltkreise wurden für Temperaturen von -40 °C bis +108 °C getestet und sind innerhalb der Verbundglasscheibe vor Korrosion geschützt.
  • Plug-and-Play: Ein Roboter kann die Scheibe einsetzen, die über Federkontakte sofort mit dem Bordnetz verbunden ist – manuelle Arbeit entfällt.

Ein Meilenstein für das "Unboxed"-Verfahren

Besonders für kommende Modelle wie das Cybercab ist diese Technik entscheidend. In Teslas neuer "Unboxed"-Fertigungsstrategie sollen Fahrzeugmodule parallel montiert werden. Eine Windschutzscheibe, die gleichzeitig als Kabelbaum fungiert, reduziert die Anzahl der Bauteile und ermöglicht eine nahezu 100-prozentige Automatisierung der Montage.

Feature Klassischer Kabelbaum Printed Circuit Glass (Patent)
Montage Manuell, fehleranfällig Vollautomatisch (Roboter)
Platzbedarf Hoch (hinter Verkleidungen) Minimal (im Glas integriert)
Gewicht Zusätzliches Kupfergewicht Nahezu gewichtslos (Druckschicht)
Anwendung Überall im Auto Kameras, Spiegel, Regensensoren
„Indem Tesla eine passive Komponente wie die Windschutzscheibe in eine aktive Platine verwandelt, eliminieren sie einen der schwierigsten Schritte der Automatisierung: das Verlegen von Kabeln.“

Fazit von Elektroquatsch

Wieder einmal zeigt Tesla, dass sie das Auto als Computer auf Rädern begreifen. Während andere Hersteller noch Kabel mit Clips fixieren, druckt Tesla sie einfach auf die Hardware. Auch wenn Patente nicht immer sofort in Serie gehen, passt dieses perfekt in Elon Musks Vision einer Fabrik, die „die Maschine baut, die die Maschine baut“. Wir sind gespannt, ob wir dieses Feature schon im nächsten Model-3-Refresh oder im Cybercab sehen werden!

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