Machtprobe in Wolfsburg: Dämpfer für Cavallo, Sieg für die Gewerkschaft
Die Belegschaft von Volkswagen hat gewählt, und das Signal ist zweigeteilt. An elf Standorten sicherte sich die IG Metall 304 von 359 Mandaten. Trotz der massiven Verunsicherung durch den angekündigten Abbau von 35.000 Stellen bis 2030 vertraut die große Mehrheit der VW-Beschäftigten weiterhin auf die etablierte Gewerkschaftskraft. Doch der Glanz bröckelt ausgerechnet in der Konzernzentrale.
In Wolfsburg musste Daniela Cavallo, die mächtige Chefin des Gesamtbetriebsrats, Federn lassen. Die IG Metall verlor über 10 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2022. Kritiker wie Frank Patta („Andere Liste“), der mit 14,1 % zweitstärkste Kraft wurde, punkteten mit dem Vorwurf der „Hinterzimmerpolitik“ und dem Widerstand gegen eine mögliche Verlagerung der Golf-Produktion nach Mexiko.
Rechter Rand: Achtungserfolg in Braunschweig, Stillstand in Sachsen
Besonderes Augenmerk lag auf den ostdeutschen Werken und dem Einfluss rechtsextremer Gruppierungen. In Chemnitz und Zwickau konnte das AfD-nahe „Bündnis freie Betriebsräte“ (BFB) trotz der schwierigen Lage – in Zwickau droht der Wegfall einer kompletten Montagelinie ab 2028 – keine neuen Mandate hinzugewinnen.
Einen strategischen Erfolg verbuchte jedoch der Verein „Zentrum“: Erstmals zieht die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Liste in einen VW-Betriebsrat ein. In Braunschweig reichten 6,5 % der Stimmen für zwei Sitze.
| Standort | IG Metall Ergebnis 2026 | Veränderung zu 2022 | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Wolfsburg | 74,8 % (52 Sitze) | - 10,7 % | Niedrigstes Ergebnis konzernweit |
| Zwickau | Stabil | - | BFB bleibt bei 4 Sitzen trotz Werkskrise |
| Braunschweig | Über 80 % | Leicht sinkend | Einzug der Liste "Zentrum" (2 Sitze) |
| Dresden | 95,7 % | Spitzenwert | Umbau zum Innovationscampus gestartet |
Herausforderungen bis 2030
Die neu gewählten Betriebsräte treten ihr Amt in einer Phase der existenziellen Transformation an. Bis 2030 muss der Konzern den Spagat zwischen dem 35.000-Stellen-Abbau und der technologischen Aufholjagd gegenüber China schaffen. Die gesunkene Wahlbeteiligung in Wolfsburg (59,1 %) deutet zudem auf eine gewisse Resignation in Teilen der Stammbelegschaft hin.
- Personalabbau: Sozialverträgliche Gestaltung der 35.000 Streichungen.
- Zwickau-Krise: Auslastung des reinen E-Auto-Werks sichern.
- Produktionsstrategie: Erhalt der Golf-Fertigung in Deutschland gegen Bestrebungen der Kostensenkung.
„Das Ergebnis zeigt: Die Belegschaft will eine starke IG Metall, fordert aber mehr Transparenz und härteren Widerstand gegen die Sparpläne des Vorstands.“ – Branchenbeobachtung zur Wahl.



