Die neue Normalität: Oliver Blume baut Volkswagen radikal um
In einem wegweisenden Interview mit dem Manager Magazin hat Volkswagen-CEO Oliver Blume die Strategie für die kommenden Jahre präzisiert. Angesichts einer operativen Rendite von nur 2,8 % im Jahr 2025 und einem schwierigen globalen Umfeld (Zölle, China-Wettbewerb, Kriege) stellt Blume den Konzern auf ein niedrigeres Absatzniveau ein. Die Devise lautet: Profitabilität vor Volumen.
1. Kapazitätsabbau: Drei Millionen Autos weniger
Blume bricht mit dem alten Dogma des ewigen Wachstums. Während VW vor der Pandemie noch elf Millionen Fahrzeuge verkaufte, liegt der Schnitt nun bei neun Millionen. Die installierte Kapazität ist jedoch noch auf über zwölf Millionen ausgelegt. Das soll sich ändern:
- China: Bereits Kapazitäten für über eine Million Fahrzeuge gestrichen.
- Europa: Bis 2028 sollen bei VW und Audi ebenfalls Kapazitäten für eine Million Autos verschwinden.
- Ziel: Ein robuster Break-Even-Punkt, der den Konzern auch bei nur neun Millionen Verkäufen hochprofitabel macht.
2. Modell-Streichliste: Von 150 auf unter 100
Die Komplexität im Konzern soll massiv sinken. Aktuell bietet die VW-Gruppe weltweit rund 150 verschiedene Modelle an. Dieser Wildwuchs wird beendet:
- Zielkorridor: Weniger als 100 Modelle markenübergreifend.
- Synergien: Künftige Modelle wie der elektrische Audi A4 und der VW Passat nutzen dieselbe Plattform. Die "Electric Urban Car Family" (ID.Polo & Co.) soll allein 600 Millionen Euro einsparen.
- Varianten: Auch innerhalb der Modellreihen wird das Angebot an Ausstattungen und Motorisierungen drastisch fokussiert.
3. Personal und Werke: "Intelligente Methoden" statt Schließung
Trotz des Umbaus will Blume harte Werksschließungen nach Möglichkeit vermeiden. Für den Standort Osnabrück, wo die VW-Produktion 2027 endet, gibt es ungewöhnliche Pläne:
- Rüstungsindustrie: VW verhandelt mit Verteidigungsunternehmen, die den Standort und die Mitarbeiter übernehmen könnten.
- Stellenabbau: Rund 30.000 Mitarbeiter haben bereits Aufhebungsverträge unterschrieben (VW, Audi, Porsche, Cariad). Bis 2030 sollen in Deutschland insgesamt 50.000 Stellen sozialverträglich wegfallen.
"Es gibt intelligentere Methoden, als gleich ein Werk zu schließen. Wir bringen zusätzliche Sicherheit und Robustheit in unsere Planung, damit wir nicht mehr von maximalem Wachstum abhängig sind."
VW-Konzernkennzahlen: Kurs 2030
| Kennzahl | Status 2025 | Ziel 2030 |
|---|---|---|
| Operative Rendite | 2,8 % | 8,0 % - 10,0 % |
| Modellanzahl (global) | ~ 150 | < 100 |
| Absatzkapazität | > 12 Mio. | ~ 9 Mio. (nachhaltig) |
| E-Marktanteil (EU) | 27 % (Nr. 1) | Weiterer Ausbau (Fokus auf kleine EVs) |
Fazit: Blume macht VW "wetterfest"
Oliver Blume räumt bei Volkswagen auf. Sein Plan ist eine Absage an die Gigantomanie früherer Jahre. Indem er die Kapazitäten und die Modellvielfalt schrumpft, macht er den Konzern resistenter gegen Krisen. Besonders spannend ist sein politischer Vorstoß: Da VW trotz Marktführerschaft bei E-Autos die CO2-Ziele verfehlt (und 500 Mio. Euro Strafe zahlt), fordert er "Super-Credits" für kleine Elektroautos wie den ID.Polo. Wenn Blume seinen bis 2030 verlängerten Vertrag erfüllt, wird Volkswagen ein kleinerer, aber deutlich schlagkräftigerer Konzern sein.



