Batterie-Souveränität in Gefahr: Europas harter Aufprall in der Realität
Der Traum von der unabhängigen europäischen Elektroauto-Industrie bekommt tiefe Risse. Während die Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge auf dem Kontinent zwar steigen, stammt das Herzstück der Autos – die Batterie – weiterhin fast ausnahmslos aus China oder wird mit chinesischem Know-how gefertigt. Namhafte Projekte, die einst als europäische Antwort auf die Dominanz aus Fernost gefeiert wurden, werden derzeit reihenweise gestoppt, skaliert oder komplett aufgegeben.
Die Liste des Scheiterns: Northvolt, Porsche & Co.
Die Liste der Rückschläge ist lang und prominent besetzt. Der schwedische Hoffnungsträger Northvolt musste nach massiven Verlusten und Produktionsproblemen bereits 2024 Insolvenz anmelden. Kurz darauf zog Porsche die Reißleine bei seiner Cellforce-Sparte: Eine eigene Massenfertigung sei schlichtweg "nicht mehr wirtschaftlich darstellbar". Auch das von Stellantis unterstützte Konsortium ACC (Automotive Cells Company) legte Fabrikpläne in Deutschland und Italien auf Eis, da die Voraussetzungen für einen rentablen Betrieb nicht gegeben seien.
| Unternehmen / Projekt | Status (März 2026) | Ursache |
|---|---|---|
| Northvolt (Schweden) | Insolvenz / Restrukturierung | Produktionsmängel & Kapitalmangel |
| ACC (Kaiserslautern/Termoli) | Gestoppt / Aufgeschoben | Fehlende Wirtschaftlichkeit |
| Cellforce (Porsche) | Fokus auf R&D statt Serie | Zu hohe Stückkosten |
| PowerCo (Volkswagen) | Produktion läuft (Salzgitter) | Abhängigkeit von China-Maschinen |
Das Dilemma der Bosse: Billige Autos vs. lokale Akkus
In einem seltenen gemeinsamen Statement brachten die CEOs von Volkswagen und Stellantis, Oliver Blume und Antonio Filosa, das Problem auf den Punkt. Einerseits investiere man Milliarden in die technologische Souveränität Europas, andererseits verlangten Kunden bezahlbare Elektromobilität. Das Problem: Um E-Autos günstig anzubieten, führt derzeit kein Weg an den preiswerten Batterien aus China vorbei – insbesondere bei der Chemie der Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP).
"Je mehr die Preise gedrückt werden müssen, desto größer wird die Notwendigkeit, die billigsten Batterien zu importieren. Und diese kommen derzeit aus China." — Oliver Blume (VW) & Antonio Filosa (Stellantis)
PowerCo als einsamer Lichtblick mit Beigeschmack
Immerhin gibt es auch Erfolgsmeldungen: Volkswagens Batterietochter PowerCo hat die Produktion in Salzgitter erfolgreich hochgefahren. Mit einer Kapazität von 20 Gigawattstunden können dort jährlich rund 250.000 Fahrzeuge bestückt werden. Doch der Haken bleibt: Die hochkomplexen Fertigungsmaschinen und Werkzeuge in der Fabrik stammen zu einem Großteil aus Asien. Eine echte Entkopplung von China findet also selbst in "Made in Germany"-Fabriken kaum statt.
Politik unter Druck: "Battery Booster" gegen China-Dominanz
Die EU versucht nun mit dem Programm "Battery Booster" gegenzusteuern. 1,8 Milliarden Euro an zinslosen Krediten sollen lokale Hersteller stützen. Zudem werden Forderungen nach Local-Content-Regeln laut, ähnlich dem Inflation Reduction Act in den USA. Doch das Beispiel USA zeigt auch die Risiken: Dort wurden viele Projekte nach dem Regierungswechsel unter Trump wieder kassiert, was den Herstellern Milliardenverluste einbrachte.
Europa steht am Scheideweg: Entweder man akzeptiert die Abhängigkeit von China, um die Klimaziele durch bezahlbare E-Autos zu erreichen, oder man riskiert durch protektionistische Maßnahmen und teure Eigenproduktionen einen Einbruch der Absatzzahlen. Die kommenden zwei Jahre werden zeigen, ob der "Battery Booster" ausreicht, um die europäische Zellfertigung noch rechtzeitig zu reanimieren.



