KI-Power für die Straße: Milliarden-Spritze für Wayve durch Mercedes, Uber und Co.
Der Wettlauf um das autonome Fahren erreicht eine neue Eskalationsstufe. Das britische Startup Wayve hat eine Finanzierungsrunde über 1,2 Milliarden US-Dollar (ca. eine Milliarde Euro) abgeschlossen. Das Besondere: Neben klassischen Risikokapitalgebern wie SoftBank engagieren sich gleich sechs strategische Giganten der Tech- und Autowelt: Mercedes-Benz, Nissan, Stellantis, Uber, Nvidia und Microsoft. Damit positioniert sich Wayve als ernsthafter europäischer Herausforderer für US-Größen wie Waymo.
Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern setzt Wayve auf einen „End-to-End“-KI-Ansatz, der dem Funktionsprinzip großer Sprachmodelle wie ChatGPT ähnelt – jedoch übertragen auf die physische Welt. Das System benötigt keine hochauflösenden Karten oder standortspezifischen Anpassungen, sondern lernt rein durch maschinelles Sehen und Interaktion. Dies ermöglicht sogenannte „Zero-Shot“-Tests: Wayve-Fahrzeuge können in Städten autonom fahren, in denen sie zuvor noch nie einen Meter zurückgelegt haben.
Strategische Allianz: Robotaxis und Serien-Pkw ab 2026
Die Beteiligung von Uber ist besonders wegweisend. Die Plattform plant, zusätzlich bis zu 300 Millionen US-Dollar in Wayve zu investieren, um weltweit Robotaxi-Dienste auszurollen. Bereits für Ende 2026 ist ein kommerzielles Pilotprojekt in London angekündigt. Dabei wird Wayves Level-4-Technologie in Serienfahrzeuge integriert, die von Uber betrieben werden. Uber-CEO Dara Khosrowshahi plant den Einsatz der Technologie in mehr als zehn Märkten weltweit.
| Investor | Rolle / Fokus | Zielsetzung |
|---|---|---|
| Mercedes, Nissan, Stellantis | Automobilhersteller | Integration von Level 2+ bis Level 4 in Serienfahrzeuge |
| Uber | Mobilitätsplattform | Weltweiter Betrieb von Wayve-basierten Robotaxis |
| Nvidia & Microsoft | Tech-Giganten | KI-Chips (Nvidia) und Cloud-Infrastruktur (Azure) |
| SoftBank & Finanzinvestoren | Kapitalgeber | Skalierung der KI-Plattform auf globale Märkte |
Technologie-Vorteil: Skalierbarkeit ohne Karten-Zwang
Ein großer Kritikpunkt an Systemen wie Waymo ist die Abhängigkeit von extrem detaillierten digitalen Karten, was die Expansion in neue Städte teuer und langsam macht. Wayve umgeht diese Hürde. Das System nutzt ausschließlich die fahrzeugeigene Sensorik. Tests in über 500 Städten weltweit – koordiniert unter anderem vom neuen Entwicklungszentrum bei Stuttgart – haben die Praxistauglichkeit bereits unter Beweis gestellt.
„Wayves Ansatz ist auf globale Skalierbarkeit ausgelegt. Während andere an Karten-Updates arbeiten, lernt unsere KI wie ein Mensch, sich in völlig neuen Umgebungen sicher zu bewegen.“ – Alex Kendall, CEO von Wayve.
Roadmap: Was Kunden ab 2027 erwartet
Für private Autokäufer wird die Kooperation ab 2027 greifbar. Dann sollen die ersten Serienfahrzeuge der beteiligten Hersteller mit Wayve-Technologie auf den Markt kommen. Den Anfang macht eine „Hands-off“-Funktion auf Level 2+, die autonomes Navigieren und Reagieren unter Fahreraufsicht ermöglicht. Langfristig ist das Ziel, Level-3- und Level-4-Funktionen direkt ab Werk anzubieten, ohne dass die Fahrzeuge wie klassische Testwagen mit klobigen Sensorenaufbauten ausgestattet sein müssen.



