Krisenstimmung in den USA: Die Liste der gestrichenen E-Modelle wird länger
Was als goldene Ära der Elektromobilität geplant war, entwickelt sich für viele Hersteller in den USA derzeit zu einem strategischen Rückzuggefecht. Bedingt durch "Policy Whiplash" – also rapide wechselnde politische Rahmenbedingungen – sowie neue Importzölle von bis zu 15 % auf südkoreanische und drastische Aufschläge auf chinesische Fahrzeuge, wurden allein in den letzten 18 Monaten dutzende Modelle gestrichen oder auf unbestimmte Zeit verschoben.
Ford und GM: Abschied von den elektrischen Zugpferden
Besonders schmerzhaft sind die Einschnitte bei den amerikanischen Ur-Marken. Ford hat die Produktion des Pioniers F-150 Lightning eingestellt, um sich auf Hybride zu konzentrieren. General Motors (GM) gab unterdessen die Marke BrightDrop auf und strich die dedizierten elektrischen Lieferwagen komplett aus dem Programm.
| Hersteller / Modell | Status (US-Markt) | Grund / Ersatz |
|---|---|---|
| Ford F-150 Lightning | Eingestellt (Dez. 2025) | Fokus auf Hybride & EREVs |
| VW ID.7 | Für Nordamerika gestrichen | Marktumfeld zu schwierig |
| Ram 1500 BEV | Gestrichen | Ersetzt durch Ramcharger (EREV) |
| Acura ZDX | Eingestellt | Marktbedingungen |
| Nissan Ariya | Produktionsstopp (US) | Fokus auf den günstigeren Leaf |
Import-Opfer: Hyundai, Kia und Polestar unter Druck
Fahrzeuge, die nicht in den USA produziert werden, haben es durch den Wegfall der 7.500-Dollar-Steuergutschrift und neue Zölle besonders schwer. Hyundai und Kia haben Konsequenzen gezogen und prominente Modelle wie den Standard-Ioniq 6 oder den EV6 GT für das Modelljahr 2026 pausiert. Polestar hat den Polestar 2 aufgrund seiner chinesischen Herkunft sogar komplett von der US-Website entfernt.
- Volkswagen: Der ID.7 (die elektrische Passat-Alternative) kommt gar nicht erst nach Nordamerika. Der ID.Buzz pausiert für das Jahr 2026 und soll 2027 zurückkehren.
- Nissan: Nach finanziellen Schwierigkeiten wurden zwei geplante E-Limousinen gestrichen; zwei neue Crossover verschieben sich auf 2028/2029.
- Luxus-Segment: Maserati hat den elektrischen MC20 Folgore gestrichen, und Porsche wird sein neues Flaggschiff-SUV (oberhalb des Cayenne) nun doch zuerst mit Verbrennungsmotoren auf den Markt bringen.
„Wir sehen eine klare Verschiebung weg von rein batterieelektrischen Fahrzeugen hin zu EREVs (Electric Range Extended Vehicles). Der Markt verlangt nach Sicherheit, die reine Stromer in den USA aktuell nicht überall bieten können.“ — Branchenanalyse zur Ford- und Ram-Strategie
Trendwende zum Range Extender (EREV)
Ein interessantes Phänomen ist die Wiedergeburt des Range Extenders. Anstatt reine Elektro-Pickups zu bauen, schwenken Ford und Ram auf Systeme um, bei denen ein Benzinmotor lediglich als Generator fungiert. Der Kunde erhält das Fahrgefühl eines E-Autos, verliert aber die Reichweitenangst – ein Konzept, das in den weitläufigen USA derzeit besser vermarktbar scheint als reine BEVs.
Fazit: Europa als lachender Dritter?
Während der US-Markt stagniert, bleiben viele der oben genannten Modelle (wie der VW ID.7 oder der Nissan Ariya) in Europa weiterhin verfügbar. Für deutsche Kunden bedeutet der US-Rückzug der Hersteller oft eine bessere Verfügbarkeit der Kontingente im heimischen Markt. Dennoch zeigt die Entwicklung in Übersee, wie empfindlich die E-Mobilität auf politische Instabilität reagiert.



