FSD-Untersuchung: Tesla erhält zweite Fristverlängerung durch NHTSA

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

FSD-Untersuchung: Tesla erhält zweite Fristverlängerung durch NHTSA

Tesla hat von der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA einen zweiten Aufschub bis zum 9. März 2026 erhalten, um detaillierte Daten zu Verkehrskonflikten unter "Full Self-Driving" (FSD) einzureichen. Gleichzeitig stehen neue Unfallberichte aus dem Robotaxi-Pilotbetrieb in Austin im Fokus der Behörden.

Datenanalyse unter Hochdruck: Tesla verschiebt Abgabefrist für FSD-Berichte

Die Untersuchung der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) zu potenziellen Sicherheitsverstößen des Tesla-Systems „Full Self-Driving“ (FSD) geht in die nächste Phase. Tesla hat eine erneute Fristverlängerung bis zum 9. März 2026 erwirkt, um umfangreiches Datenmaterial zu insgesamt 80 dokumentierten Vorfällen einzureichen. Ursprünglich war die Abgabe der Crash-Daten, Videoaufzeichnungen und CAN-Bus-Dateien für den 19. Januar geplant.

Als Grund für die Verzögerung gibt Tesla den enormen manuellen Prüfaufwand an. Über 8.300 Datensätze müssen gesichtet und für die Behörde in lesbare Formate aufbereitet werden. Die NHTSA hatte die Untersuchung PE25012 im Oktober 2025 eingeleitet, nachdem Berichte über Fahrzeuge aufgetaucht waren, die rote Ampeln missachtet oder die Fahrspur in den Gegenverkehr verlassen hatten. Betroffen von der Prüfung sind theoretisch rund 2,88 Millionen Fahrzeuge im US-Markt.

Robotaxi-Betrieb in Austin unter Beobachtung

Parallel zur FSD-Untersuchung liefert die NHTSA-Datenbank zur „Standing General Order“ neue Einblicke in den seit Juni 2025 laufenden Robotaxi-Dienst in Austin. Seit dem Start wurden insgesamt 14 Vorfälle gemeldet, wobei fünf neue Kollisionen aus Dezember 2025 und Januar 2026 nachgemeldet wurden. Die Ereignisse betreffen ausschließlich das Model Y und ereigneten sich bei niedrigen Geschwindigkeiten zwischen 1,6 km/h und 27 km/h.

Datum (Meldung) Vorfall-Typ Geschwindigkeit Status des Systems
Dez 2025/Jan 2026 Frontalkollision (stehendes Objekt) ca. 27 km/h FSD aktiv
Jan 2026 Kollision mit Bus (Fahrzeug stand) 0 km/h FSD aktiv
Dez 2025 Rangiermanöver (Rückwärts gegen Baum) ca. 1,6 km/h FSD aktiv
Juli 2025 (Update) Abbiegevorgang (Person verletzt) ca. 3 km/h Nachkorrektur "Minor Injury"

Herausforderung Datentransparenz

Ein zentraler Punkt der aktuellen Diskussion ist die Transparenz der Unfallberichte. Während Mitbewerber wie Waymo detaillierte Hergangsbeschreibungen in den öffentlichen NHTSA-Verzeichnissen hinterlegen, sind die Beschreibungen in den Tesla-Berichten derzeit als vertrauliche Geschäftsinformationen geschwärzt. Tesla nutzt hierbei legitime rechtliche Spielräume, was jedoch die öffentliche Einordnung der Unfallursachen erschwert.

Kritiker und Analysten setzen die gemeldeten Vorfälle zudem in Relation zur Fahrleistung. Mit 14 Vorfällen auf geschätzte 1,3 Millionen Kilometer liegt die Rate statistisch über dem US-Durchschnitt für polizeilich erfasste Unfälle (ca. 1 Crash pro 800.000 km). Tesla betont jedoch regelmäßig, dass das System durch kontinuierliche Software-Updates (Over-the-Air) verbessert wird und die Sicherheit der Insassen oberste Priorität hat.

„Die Aufbereitung der Daten ist aufgrund der Komplexität der CAN-Bus- und Videodaten zeitaufwendig. Wir arbeiten eng mit der NHTSA zusammen, um eine vollständige Beantwortung der Information Requests sicherzustellen.“

Ausblick: Vergleich mit dem Wettbewerb

Der direkte Vergleich mit Anbietern wie Waymo bleibt komplex. Waymo hat bereits über 200 Millionen Kilometer fahrerlos absolviert und verweist auf Studien, die eine signifikante Senkung von verletzungsrelevanten Unfällen belegen. Für Tesla wird der 9. März ein entscheidendes Datum: Die dann gelieferten Daten werden zeigen, inwieweit die FSD-Software bereits in der Lage ist, kritische Verkehrssituationen autonom und sicher zu bewältigen oder ob weitere strukturelle Anpassungen notwendig sind.

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