Teurer Back-up: Warum Gasstrom die Haushaltskasse sprengt
Die Pläne der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, massiv in neue Gaskraftwerke als Brückentechnologie zu investieren, geraten unter Beschuss. Eine neue Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) beziffert die wahren Kosten dieser Strategie auf bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde. Damit ist Gasstrom um ein Vielfaches teurer als Strom aus Wind- und Solaranlagen, der bereits für unter 10 Cent produziert werden kann.
Besonders brisant: Die rein betriebswirtschaftlichen Stromgestehungskosten von 23 bis 28 Cent sind nur die Spitze des Eisbergs. In der Gesamtrechnung fehlen oft die durch CO2- und Methanemissionen verursachten Klimaschäden sowie die milliardenschweren staatlichen Subventionen für LNG-Terminals und Gasspeicher.
Geopolitisches Risiko: Der Faktor Irankrieg
Die aktuelle weltpolitische Lage verschärft das Problem massiv. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Iran sind die Importpreise für Erdgas auf Rekordniveau gestiegen. In Krisenzeiten wie diesen klettern allein die Erzeugungskosten laut Studie auf bis zu 53 Cent/kWh – ohne Einberechnung ökologischer Folgeschäden. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Sektorenkopplung, insbesondere auf die Ladekosten für Elektrofahrzeuge.
| Kostenfaktor | Kosten pro kWh (in Cent) | Hintergrund |
|---|---|---|
| Erneuerbare Energien | < 10 Cent | Wind- und Solaranlagen (Neubau) |
| Gaskraftwerk (Basis) | 23 – 28 Cent | Reine Stromgestehungskosten bei stabilem Markt |
| Gaskraftwerk (Krise) | Bis 53 Cent | Preissprünge durch Irankrieg & Lieferengpässe |
| Gesamtgesellschaftlich | Bis 67 Cent | Inkl. Klimaschäden, Methan-Leakage & Subventionen |
Klimabilanz: Methan als unterschätzter Treiber
Die Studie räumt zudem mit dem Mythos der „sauberen Brücke“ auf. Da Deutschland 95 % seines Erdgases importiert, fallen erhebliche Methanemissionen bei Förderung und Transport im Ausland an. Je nach Herkunftsweg kann Erdgasstrom dadurch sogar klimaschädlicher sein als die verpönte Kohleverstromung. Jedes neue Kraftwerk verursacht über seine Laufzeit Klimaschäden von bis zu 7 Milliarden Euro, die derzeit nicht vollständig über den CO2-Preis abgedeckt sind.
Forderung nach technologischer Kurskorrektur
Green Planet Energy Vorstand Sönke Tangermann warnt vor einer einseitigen Festlegung: „Versorgungssicherheit lässt sich auch mit Speichern, Bioenergie und grünem Wasserstoff erreichen.“ Diese Alternativen seien weniger anfällig für geopolitische Krisen und langfristig kostengünstiger.
- Subventionsstopp: Ende der milliardenschweren Steuerbefreiungen für fossile Stromerzeugung.
- Technologieoffenheit: Ausschreibungen für Kapazitätsreserven sollten Speicher und Flexibilitäten gleichberechtigt behandeln.
- Netzausbau: Beschleunigter Ausbau, um Abregelungen von günstigem Ökostrom zu verhindern.
„Neue Gaskraftwerke sind eine Wette gegen die Klimaziele und eine Belastung für künftige Generationen. Die Energiewende ist die einzige wirksame Versicherung gegen fossile Preiskrisen.“



