Der Umstieg auf den Elektromotor ist längst kein rein westliches Phänomen mehr. Laut einer aktuellen Analyse von Agora Verkehrswende haben bis Mitte Dezember 104 Staaten in ihren nationalen Klimaschutzbeiträgen (NDCs) den Ausbau der Elektromobilität bei der UN verankert. Damit wird die Antriebswende zum völkerrechtlichen Auftrag für die Mehrheit der Weltgemeinschaft.
Konkrete Ausbauziele: 66 Vorreiter-Staaten
Von den 104 Ländern haben 66 Staaten (einschließlich der 27 EU-Mitgliedstaaten) bereits messbare Ziele formuliert. Diese Gruppe ist entscheidend für die globale Industrie, da sie mehr als 60 Prozent des weltweiten Automobilabsatzes abdeckt. Besonders dynamisch: 52 Staaten haben zum ersten Mal seit dem Pariser Abkommen 2015 konkrete Zielwerte eingereicht.
- Pkw & leichte Nutzfahrzeuge: 56 Staaten setzen hier den Schwerpunkt.
- Busse: 49 Staaten planen die Elektrifizierung des ÖPNV.
- Lkw: 36 Staaten nehmen den schweren Güterverkehr ins Visier.
Überraschender Spitzenreiter: Nepal zeigt, wie es geht
Während große Industrienationen oft mit Infrastrukturproblemen kämpfen, hat Nepal den Marktanteil von Elektroautos bei Neuzulassungen auf 76 Prozent gesteigert (Stand Ende 2025). Das Land nutzt seine heimische Wasserkraft konsequent, um die Abhängigkeit von teuren Ölimporten zu beenden. Steuerlich werden Verbrenner in Nepal mit bis zu 238 % Zoll belegt, während E-Autos nur mit ca. 10 % besteuert werden.
| Region / Land | Ambition | Status / Ziel |
|---|---|---|
| EU-Staaten | Vollständige Elektrifizierung | Neuzulassungs-Aus ab 2035 |
| Nepal | Marktführerschaft E-Auto | Aktuell 76 % Marktanteil |
| Großbritannien | Infrastruktur-Offensive | Breite Abdeckung aller Segmente |
| Ruanda | E-Motorrad-Hub | Fokus auf Zweirad-Elektrifizierung |
Lücken bei den großen Emittenten
Trotz der positiven Signale gibt es noch blinde Flecken. Länder wie die USA, Brasilien und Russland haben bisher keine offiziellen Ausbauziele in ihren UN-Klimabeiträgen hinterlegt. In den USA wird dieser Mangel jedoch teilweise durch Bundesstaaten wie Kalifornien kompensiert, die eigene Verbrenner-Ausstiegsdaten festgelegt haben.
"Die Elektromobilität allein wird die Klimaziele nicht retten, aber ohne sie ist das Pariser Abkommen definitiv nicht erreichbar."
Fazit: Ein Markt der zwei Geschwindigkeiten
Die Daten von Agora Verkehrswende verdeutlichen, dass der globale Markt für E-Autos unaufhaltsam wächst. Für die europäische Industrie bedeutet das: Wettbewerbsfähigkeit wird künftig über die Technologieführerschaft im E-Segment entschieden. Wer jetzt bremst, verliert den Anschluss an die neuen Leitmärkte im globalen Süden.




