Die Zahlen lügen nicht: Auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) am 9. Februar 2026 zeichnete Präsidentin Hildegard Müller ein düsteres Bild des Industriestandorts Deutschland. Trotz einer Rekordproduktion von E-Autos im Januar wandern Investitionen und Arbeitsplätze in besorgniserregendem Tempo ins Ausland ab.
Die nackten Zahlen: Flucht aus Deutschland
Eine aktuelle VDA-Umfrage unter Zulieferern und mittelständischen Herstellern offenbart das Ausmaß der Krise. Die Bereitschaft, im eigenen Land zu investieren, ist auf einem Tiefpunkt angelangt:
- Investitionsstopp: 72 % der Unternehmen haben geplante Investitionen in Deutschland verschoben, gestrichen oder ins Ausland verlagert.
- USA & China locken: Während 33 % der Firmen ihr Engagement in der EU zurückfahren wollen, planen 28 % einen Ausbau in den USA und 22 % in China.
- Stellenabbau: Im Jahr 2025 fielen bereits rund 47.000 Stellen in der Branche weg. Aktuell gibt jedes zweite Unternehmen an, weiteres Personal in Deutschland abzubauen.
Besonders brisant: Rund 49 % der Firmen, die hierzulande Stellen streichen, bauen diese gleichzeitig im Ausland wieder auf. Ein direkter Transfer von Know-how und Wertschöpfung weg von Europa.
Das "Automotive Package": Technologieoffenheit oder Mogelpackung?
In Brüssel wird derzeit über das sogenannte "Automotive Package" verhandelt. Es sieht vor, das strikte Verbrenner-Verbot ab 2035 aufzuweichen – allerdings unter extrem hohen Hürden. Laut EU-Vorschlag vom Dezember 2025 dürften Verbrenner weiter zugelassen werden, wenn sie ihren CO2-Ausstoß kompensieren (z. B. durch 70 % "grünen Stahl" und 30 % E-Fuels).
| Standortfaktor | Status Deutschland / EU (2026) | Forderung des VDA |
|---|---|---|
| Regulierung | Planwirtschaftlich, strafbasierend | Marktbasierte Anreize |
| Bürokratie | Höchststand der Belastung (86 %) | Echter Abbau, nicht nur Aufschub |
| Energiepreise | International nicht wettbewerbsfähig | Drastische Senkung für Industrie |
| Antriebswende | Fokus auf Verpflichtungen | Echte Technologieoffenheit |
Müllers Abrechnung mit Brüssel
Hildegard Müller warf der EU-Kommission eine Kombination aus „Realitätsverweigerung und Relevanzillusion“ vor. Die Strategie, Transformation durch Verbote und Strafen zu erzwingen, sei krachend gescheitert. Stattdessen müsse Europa wieder lernen, durch attraktive Rahmenbedingungen zu führen.
„Es geht hier nicht um eine Krise der Industrie, sondern um eine massive Standortkrise. Wir entscheiden uns täglich gegen Deutschland und Europa – nicht weil wir wollen, sondern weil wir aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen werden.“ – Hildegard Müller, VDA-Präsidentin.
Hoffnungsschimmer: Die Innovationskraft bleibt
Trotz der Warnungen betonte Müller, dass das Potenzial Deutschlands nach wie vor riesig sei. Hochqualifizierte Fachkräfte und eine weltweit einzigartige Forschungslandschaft seien Pfunde, mit denen man wuchern könne. Doch diese Stärken müssten „wieder entfesselt“ werden. Ein erster Schritt wäre laut VDA die konsequente Umsetzung des „Automobil-Omnibus“, eines Entbürokratisierungspakets, das den Verwaltungsaufwand für Hersteller drastisch senken soll.
Fazit: Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorbei
Der VDA-Bericht 2026 ist ein letzter Weckruf. Wenn Deutschland und die EU nicht augenblicklich von ihrem Kurs der Überregulierung abweichen, droht der Automobilindustrie eine dauerhafte Deindustrialisierung. Die Entscheidungsschlachten um die Mobilität der Zukunft werden derzeit in Washington und Peking gewonnen – während Berlin und Brüssel noch über Paragrafen streiten.




