Die kanadische Autopolitik vollzieht eine historische 180-Grad-Wende. Um die Abhängigkeit von den USA unter Präsident Trump zu verringern, sucht Ottawa nun den Schulterschluss mit Peking. Industrieministerin Mélanie Joly kündigte an, chinesische Hersteller wie BYD und Chery durch Joint Ventures mit kanadischen Zuliefer-Schwergewichten wie Magna und Linamar ins Land zu holen. Ziel ist ein "kanadisch-chinesisches Auto", das von Nordamerika aus die Weltmärkte erobern soll.
Befreiungsschlag von "America First": Kanada sucht neue Partner
Lange galt die kanadische Autoproduktion als verlängerte Werkbank von Detroit. Doch angesichts drohender US-Zölle und einer volatilen Handelspolitik in Washington setzt Premierminister Mark Carney auf Diversifizierung. Der Plan: Kanadische Zulieferer-Champions (Magna, Linamar, Martinrea), die bereits tief in China verwurzelt sind, sollen Montage-Joint-Ventures in Kanada gründen. Damit würde Kanada nicht mehr nur Teile liefern, sondern selbst zum globalen Export-Hub für preiswerte, technologisch führende Elektroautos werden.
Besonders brisant: Bereits Mitte Januar 2026 einigten sich Carney und Xi Jinping darauf, die Strafzölle für ein Kontingent von 49.000 chinesischen E-Autos von 100 % auf nur 6,1 % zu senken – ein direkter Affront gegen die protektionistische Linie der USA.
Sicherheit durch Software: Die BlackBerry-Lösung
Ein zentrales Hindernis für chinesische Autos in Nordamerika sind Sicherheitsbedenken hinsichtlich Datenspionage durch Kameras und Sensoren. Hier will Kanada seine eigene Tech-Expertise als Schutzwall nutzen. Ministerin Joly schlägt vor, die chinesische Hardware mit kanadischer Software von BlackBerry QNX zu verschmelzen.
„Wir können Software integrieren, die alle Sicherheitsbedenken ausräumt“, so Joly. QNX gilt weltweit als Goldstandard für sichere Betriebssysteme in Fahrzeugen. Durch diese "Verkanadisierung" der Software sollen chinesische Modelle für westliche Märkte (und kritische Infrastruktur) akzeptabel gemacht werden.
Die neue kanadische Autostrategie 2026
| Maßnahme | Status / Ziel |
|---|---|
| E-Auto-Verkaufsquoten | Abgeschafft (Fokus auf Emissionsstandards) |
| Kaufprämien | Bis zu 5.000 CAD für BEVs (nur FTA-Länder) |
| China-Zölle | Reduziert auf 6,1 % für 49.000 Einheiten |
| Incentive-Programm | 2,3 Mrd. CAD für Erschwinglichkeit |
| Export-Ziel 2035 | 75 % EV-Anteil am Neuwagenmarkt |
Importgutschriften als Hebel gegen US-Zölle
Trotz der Annäherung an China bleibt der US-Markt wichtig. Um US-Hersteller wie Ford und GM zur Produktion in Kanada zu zwingen, führt Carney ein System von Importgutschriften ein. Die Logik: Je mehr ein Unternehmen in Kanada fertigt, desto weniger Zölle zahlt es beim Import von Fahrzeugen aus den USA. Gleichzeitig behält Kanada eigene Vergeltungszölle auf US-Autos bei, falls Washington die KUSMA-Abkommen (ehemals NAFTA) weiter aushöhlt.
"Wir glauben, dass kanadische Champions mit chinesischen E-Auto-Bauern zusammenarbeiten können, um den Weltmarkt zu bedienen. Wir finden einen Weg, diesen Kreis zu quadrieren." – Mélanie Joly, Industrieministerin.
Fazit: Ein riskantes, aber notwendiges Spiel
Kanada spielt auf volles Risiko. Der Flirt mit China wird in Washington für erhebliche Verstimmung sorgen. Doch für Ottawa ist es die einzige Chance, die eigene Industrie zu retten, falls die USA sich weiter abschotten. Mit BYD und Chery als Produktionspartnern und QNX als Sicherheitsgarant könnte Kanada tatsächlich zum lachenden Dritten im globalen E-Auto-Krieg werden.




