Von Küste zu Küste: Kanada rüstet sich für die elektrische Zukunft. Die Regierung in Ottawa hat ein massives Förderpaket geschnürt, um die Reichweitenangst der Kanadier zu besiegen. Über das „Zero Emission Vehicle Infrastructure Program“ (ZEVIP) entstehen 8.000 neue Lademöglichkeiten – ein entscheidender Baustein der neuen nationalen Automobilstrategie.
Der 84-Millionen-Plan: Quantität vor Highspeed?
Energieminister Tim Hodgson kündigte an, dass insgesamt 122 Projekte landesweit unterstützt werden. Ziel ist es, die bestehende Infrastruktur von derzeit gut 33.000 öffentlichen Anschlüssen (Stand Anfang 2026) zügig zu erweitern. Doch ein Blick auf das Budget lässt Fachleute rechnen: Mit einer durchschnittlichen Förderung von ca. 10.500 Dollar pro Ladepunkt wird das Geld primär in sogenannte Level-2-Lader (Wechselstrom) fließen.
Diese sind ideal für Hotels, Arbeitsplätze und Mehrfamilienhäuser, an denen Fahrzeuge längere Zeit parken. Schnelle DC-Charger, die pro Standort oft über 100.000 Dollar kosten, machen bei dieser Förderrunde wohl nur einen kleinen Bruchteil aus. Dennoch ist der Schritt wichtig, da Kanada bis 2040 schätzungsweise 679.000 öffentliche Ladepunkte benötigt.
Kanadas neue "Automotive Strategy" 2026
Die Investition ist Teil eines größeren politischen Umbruchs. Unter dem neuen Premierminister Mark Carney hat Kanada seine Strategie angepasst: Weg von starren Verkaufsquoten, hin zu starken Kaufanreizen und Infrastruktur-Investitionen. Insgesamt 1,5 Milliarden Dollar stehen bereit, um den Sektor zu transformieren.
| Förderbereich | Budget | Zielsetzung |
|---|---|---|
| ZEVIP Ladenetz | 84,4 Mio. $ | 8.000 neue Ladepunkte (Fokus Level 2) |
| Green Freight Program | 5,7 Mio. $ | Emissionsfreie Lkw & Logistik |
| Bildung & Aufklärung | 7,2 Mio. $ | Inkl. indigener E-Mobilitäts-Projekte |
| CHRI (CIB Kredite) | 1,5 Mrd. $ | Schnelllader & Wasserstoff-Infrastruktur |
Mehr als nur Kabel: Fokus auf indigene Gemeinschaften
Ein bemerkenswerter Aspekt der Ankündigung ist die gezielte Einbindung indigener Gemeinschaften. Von den 7,2 Millionen Dollar für Aufklärungsprogramme fließen Mittel in 11 Projekte, die von Indigenen geleitet werden. Damit will die Regierung sicherstellen, dass auch ländliche und entlegene Regionen Kanadas nicht vom technologischen Fortschritt abgehängt werden.
„Wir machen den Umstieg auf Elektroautos einfacher und erschwinglicher. Mit neuen Ladestationen in jeder Gemeinde schaffen wir nicht nur saubere Luft, sondern auch sichere Arbeitsplätze im Baugewerbe.“ – Steven MacKinnon, Transportminister.
National Charging Infrastructure Strategy: Was kommt noch?
Die 8.000 neuen Ladepunkte sind erst der Anfang. Für den Herbst 2026 hat Energieminister Hodgson die Veröffentlichung der „National Charging Infrastructure Strategy“ angekündigt. Diese soll erstmals die Bemühungen von Regierung und Privatwirtschaft (wie FLO oder Tesla) koordinieren, um den Wildwuchs an Insellösungen zu beenden und das Ladenetz für 21 Millionen erwartete E-Autos bis 2040 fit zu machen.
Fazit für E-Auto-Fahrer
Kanada zeigt, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur keine reine Autobahn-Angelegenheit ist. Durch die Stärkung von Level-2-Ladern in Wohngebieten und am Arbeitsplatz wird das E-Auto für Pendler im riesigen Flächenland deutlich attraktiver. Die Kombination aus neuen Kaufprämien (bis zu 5.000 CAD) und dem Ladenetz-Boost könnte den Marktanteil von aktuell 14 % schnell nach oben treiben.




