reFuels: Die Rettung für den Verbrenner-Bestand?
Trotz des massiven Hochlaufs der Elektromobilität bleibt eine zentrale Frage: Was passiert mit den Millionen Bestandsfahrzeugen auf Europas Straßen? Eine neue Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), erstellt im Auftrag von BMW, liefert eine optimistische Antwort. Demnach verfügt die EU über ausreichend biogene Rest- und Abfallstoffe, um den gesamten Straßenverkehr bis zum Jahr 2040 vollständig mit klimaneutralen flüssigen Kraftstoffen zu versorgen.
Die Forscher untersuchten dafür das Potenzial von Stroh, Holzresten, Bioabfällen und Zwischenfrüchten. Entgegen weitverbreiteter Mythen spielt Altspeiseöl mit nur etwa einem Prozent Anteil am Rohstoffportfolio kaum eine Rolle. Die wahre Kraft liegt in Pflanzenresten und Holzfasern, die ohnehin anfallen und nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Bereits 2030 könnte so mehr als die Hälfte des fossilen Öls im Verkehrssektor ersetzt werden.
Technische Wege: HVO und Methanol-Verfahren
Um aus Biomasse hochwertige Kraftstoffe zu machen, setzt das KIT auf zwei Hauptpfade. Das bereits an Tankstellen verfügbare HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) dient als direkter Dieselersatz. Komplexere methanolbasierte Verfahren wandeln Pflanzenreste zunächst in Gas und dann in Benzin- oder Dieselersatz um. Ein entscheidender Faktor: Durch die zusätzliche Zufuhr von grünem Wasserstoff lässt sich die Kraftstoffausbeute massiv steigern.
"Europa verfügt langfristig über ausreichend nachhaltige Ressourcen, um ohne fossiles Öl mobil zu sein. Das macht uns unabhängiger von Energieimporten und senkt gleichzeitig die CO2-Emissionen der Bestandsflotte."
Besonders für Fahrzeuge, die noch lange im Einsatz bleiben – wie Lkw oder ältere Pkw –, bieten diese sogenannten reFuels eine sofortige Möglichkeit zur Dekarbonisierung. Die Technologien sind laut KIT flexibel genug, um auch bei einem wechselnden Rohstoffmix stabil hochwertige Kraftstoffe zu liefern. Allerdings betonen die Autoren, dass dieses Szenario eine "ambitionierte Priorisierung" durch die Politik voraussetzt.
Potenzial der erneuerbaren Kraftstoffe in der EU
| Zeitraum | Ersetzbarer Anteil fossiler Kraftstoffe | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Bis 2030 | > 50 % | Effiziente Nutzung von Agrar-Reststoffen |
| Bis 2040 | 100 % (im High-Szenario bis zu 107 %) | Volle Skalierung der reFuels-Produktion |
| Rohstoff-Basis | Stroh, Holzreste, Bioabfall, Zwischenfrüchte | Keine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln |
Die Studie macht deutlich, dass die Mobilität der Zukunft nicht allein auf einer Säule ruhen muss. Während die Elektromobilität für Neuwagen zentral bleibt, könnten biogene Kraftstoffe die Brücke für den Bestand schlagen. Damit das gelingt, müssen nun jedoch die Produktionskapazitäten massiv ausgebaut und klare regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Europa hätte dann die Chance, seinen Verkehrssektor autark und klimaneutral zu gestalten.



