Lucid Rückruf 2026: Kamera-Bugs zwingen Team-Umbau bei Gravity & Air

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Lucid Rückruf 2026: Kamera-Bugs zwingen Team-Umbau bei Gravity & Air

Lucid Motors kämpft mit Software-Geistern: Der US-Hersteller muss über 14.000 Fahrzeuge der Modelle Air und Gravity zurückrufen, da die Rückfahrkamera im Rückwärtsgang schwarz bleiben kann. Es ist bereits der zweite Kamera-Rückruf innerhalb weniger Monate. Als Konsequenz zog Interim-CEO Marc Winterhoff im Januar 2026 die Reißleine und tauschte fast das gesamte Software-Führungsteam aus, um die massiven Bugs beim Gravity-Launch endlich in den Griff zu bekommen.

Die Software bleibt die Achillesferse von Lucid Motors. Nachdem Kunden und Tester bereits über streikende Schlüsselanhänger und einfrierende Bildschirme beim neuen SUV Gravity klagten, folgt nun der nächste Schlag: Ein sicherheitsrelevanter Rückruf betrifft über 14.000 Fahrzeuge. Das Problem: Die Rückfahrkamera zeigt beim Einlegen des Rückwärtsgangs kein Bild – ein klarer Verstoß gegen Sicherheitsnormen und ein PR-Debakel für die Luxusmarke.

Gravity & Air betroffen: Software-Chaos im Rückwärtsgang

Laut NHTSA-Unterlagen sind zwei verschiedene Software-Fehler die Ursache. Beim Luxus-SUV Gravity (Modelljahr 2025-2026) führt ein Fehler im Powermanagement dazu, dass das Kamerasignal beim Fahrzeugstart nicht rechtzeitig verarbeitet wird. Die Limousine Air hingegen leidet unter einer zu hohen Rechenlast beim "Aufwachen" aus dem Ruhemodus, was das Kamerabild ebenfalls blockieren kann.

Besonders brisant: Lucid musste für den Gravity im Dezember 2025 sogar einen vorübergehenden Verkaufsstopp verhängen, bis die Software-Version 3.3.20 das Problem löste. Für die betroffenen Air-Modelle wurde das Update 2.8.17 via Over-the-Air (OTA) bereitgestellt.

Chronik der Software-Krise bei Lucid

Zeitpunkt Ereignis Auswirkung
August 2025 Erster Kamera-Rückruf 875 Lucid Air betroffen
Nov/Dez 2025 Gravity Launch-Debakel Bugs bei Keyfobs, Displays & Kameras
Januar 2026 Großer Rückruf & CEO-Intervention 14.000+ Autos; Austausch der Software-Leitung

Radikaler Umbau: Marc Winterhoff tauscht Führungsteam aus

Die Häufung der Fehler blieb nicht ohne personelle Konsequenzen. Auf der CES 2026 in Las Vegas gab Interim-CEO Marc Winterhoff offen zu, dass der Zustand der Software "stellenweise peinlich" sei. Als Reaktion wurde fast das gesamte Führungsteam der Software-Abteilung ersetzt. „Ich habe im Grunde die komplette Software-Leitung ausgetauscht“, so Winterhoff. Das Ziel ist klar: Bis Ende März 2026 soll der Gravity "über den Berg" sein und stabil laufen.

Unter der neuen Leitung von Emad Dlala (SVP Engineering & Digital) soll die Software-Architektur nun grundlegend stabilisiert werden. Besonders peinliche Fehler, wie die Entladung der Batterien im Schlüsselanhänger (Keyfob) durch ständiges "Pingen" des Autos, sollen mit den nächsten Updates verschwinden.

"Es ist ironisch: Wir bauen ein technisches Meisterwerk, das in 10 Minuten 300 km Reichweite lädt, aber wir kriegen den Türöffner nicht zum Laufen. Das wird sich jetzt ändern." – Marc Winterhoff, Interim-CEO.

Fazit: Hardware Top, Software Flop?

Lucid steht an einem Scheideweg. Während die Hardware-Effizienz und das Design des Gravity und Air weltweit gelobt werden, droht die Software das Image der Marke nachhaltig zu beschädigen. Die aktuelle Rückruf-Welle zeigt, dass OTA-Updates zwar die Lösung sind, aber die Qualitätssicherung vor der Auslieferung oberste Priorität haben muss, um das Vertrauen der Käufer in die "Computer auf Rädern" nicht zu verlieren.

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