Schutzwall für E-Autos: EU ringt um „Made in Europe“-Vorgaben
Die Europäische Union arbeitet unter Hochdruck an einer Antwort auf die industrielle Dominanz Chinas und die Subventionspolitik der USA. Doch der Weg zum geplanten Industrial Accelerator Act (IAA) erweist sich als steiniger als gedacht. Ursprünglich für Ende Februar geplant, wurde die Präsentation des Gesetzespakets nun auf den 4. März 2026 verschoben. Interne Unstimmigkeiten über die Reichweite und die geografischen Vorgaben zwingen die Kommission zu einer Extrarunde am Verhandlungstisch.
70-Prozent-Quote: Der Plan für die europäische Wertschöpfung
Die Kernidee des Gesetzentwurfs ist radikal: Um in den Genuss staatlicher Kaufanreize zu kommen oder bei öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt zu werden, müssten Elektroautos künftig strengen Lokalisierungsvorgaben entsprechen. Laut ersten Entwürfen müssten Fahrzeuge nicht nur in der EU montiert werden, sondern auch wertmäßig zu mindestens 70 Prozent aus europäischen Komponenten bestehen – die Batterie explizit eingeschlossen.
| Vorgabe | Details laut Entwurf (IAA 2026) |
|---|---|
| Montageort | Zwingend innerhalb der EU |
| Komponentenanteil | Mindestens 70 % Wertschöpfung in der EU |
| Batteriezellen | Herkunft muss EU-basiert sein |
| Supercredits | Faktor 1,3 für kleine, lokal gefertigte E-Autos |
Zerreißprobe für die Automobilhersteller
Innerhalb der Branche herrscht alles andere als Einigkeit. Während regional fokussierte Hersteller wie Renault oder Stellantis auf Schutzmaßnahmen hoffen, warnen globale Player wie die Volkswagen Group oder BMW vor den Folgen. Mercedes-Chef Ola Källenius betonte im Februar, dass ein offener Handel für weltweit agierende Konzerne essenziell bleibe. Protektionismus könnte zu Gegenmaßnahmen in wichtigen Exportmärkten wie China führen und die Lieferketten massiv verteuern.
"Es gibt keine einheitliche Position in der Branche. Für global aufgestellte Hersteller ist es logisch, für offenen Handel einzutreten. Kleinere, regionale Player suchen hingegen den Schutz vor günstigen Importen." — Ola Källenius, CEO Mercedes-Benz
Das Batterie-Dilemma: Abhängigkeit vs. Souveränität
Besonders die Batterievorgabe ist hochbrisant. Viele europäische Autobauer beziehen ihre Zellen aktuell noch von asiatischen Marktführern wie CATL oder LG Energy Solution. Zwar entstehen in Europa eigene Gigafabriken, doch Rückschläge – wie die jüngsten Planänderungen beim Joint Venture ACC (Stellantis & Mercedes) – zeigen, wie schwierig der Aufbau einer autarken Lieferkette ist. Ohne chinesische Zellen könnten viele E-Modelle kurzfristig gar nicht mehr förderfähig sein.
Politische Fronten: Frankreich vs. Schweden & Tschechien
Auch zwischen den Mitgliedstaaten tobt ein Richtungsstreit. Frankreich drängt massiv auf die „Made in Europe“-Regeln, um die heimische Industrie vor chinesischen Herstellern zu schützen, die oft von geringeren Umwelt- und Sozialstandards profitieren. Staaten wie Schweden und Tschechien warnen dagegen vor einer Abwärtsspirale: Lokale Quoten könnten Investitionen abschrecken, Preise für Konsumenten erhöhen und die EU technologisch isolieren.
Ausblick: Entscheidung vor dem Gipfel
Die zusätzliche Woche Bedenkzeit soll den Vorschlag nun "robuster" machen, so eine Kommissionssprecherin. Das Ziel bleibt, das Gesetz noch vor dem Europäischen Ratstreffen am 19. März 2026 offiziell zu verabschieden. Für die Autoindustrie steht viel auf dem Spiel: Der Industrial Accelerator Act wird darüber entscheiden, ob Europa künftig auf einen abgeschotteten "Heimatmarkt" setzt oder den harten globalen Wettbewerb mit offenem Visier sucht.



