MBUX-Cockpit: Viel Schein, wenig Sein in der Basis?
Mercedes-Benz geht bei der neuen C-Klasse EV (Modelljahr 2027) voll auf Angriff und will den Rivalen BMW i3 vor allem im Innenraum ausstechen. Die Strategie: Bildschirme, Bildschirme und noch mehr Bildschirme. Schon in der Einstiegsvariante blickt man auf eine durchgehende Glasfläche mit drei Displays. Doch hinter dem vermeintlichen High-Tech-Wunder für den Beifahrer verbirgt sich ein kurioses Detail.
Der "digitale Bilderrahmen" für den Beifahrer
Wer sich für die Basisversion entscheidet, erhält zwar das optische Layout mit drei Screens, doch der rechte 14-Zoll-Monitor bleibt funktional weitgehend stumm. Mercedes bezeichnet ihn offiziell als „digital animiertes Zierelement“. Anstatt Netflix zu schauen oder die Route zu planen, dient dieser Bildschirm im Standard-Setup lediglich als digitaler Bilderrahmen, der ein statisches oder leicht animiertes Bild anzeigt. Interaktivität? Fehlanzeige.
Upgrades: Von Superscreen bis Hyperscreen
Um dem Beifahrer-Display echtes Leben einzuhauchen, müssen Kunden tiefer in die Tasche greifen. Erst mit dem optionalen „Superscreen“-System wird aus der Glasplatte ein echter Touchscreen. Wer das volle Paket will, greift zum massiven 39,1 Zoll großen „Hyperscreen“. Dieser verbindet alle Anzeigen zu einer nahtlosen Einheit unter einer einzigen, gewölbten Glasscheibe und bietet eine Rechenleistung, die sogar KI-gestützte Funktionen via ChatGPT-4o und Google Gemini ermöglicht.
| Ausführung | Display-Setup | Funktion Beifahrer-Seite |
|---|---|---|
| Standard MBUX | 3 getrennte Screens (10,3" / 14" / 14") | Nur Standbild (Digitaler Bilderrahmen) |
| MBUX Superscreen | 3 Screens unter einer Glasfront | Voller Touchscreen & Infotainment |
| MBUX Hyperscreen | 39,1" Pillar-to-Pillar Display | Immersives Erlebnis & volle Kontrolle |
Technik unter der Haube: 800 Volt und Power-Laden
Abgesehen von der Display-Debatte ist die C-Klasse EV ein technisches Kraftpaket. Dank der 800-Volt-Architektur (MB.EA-Plattform) lädt das Flaggschiff C400 4Matic mit bis zu 330 kW. Das bedeutet: In nur zehn Minuten fließen unter idealen Bedingungen rund 325 Kilometer Reichweite (WLTP) in den 94-kWh-Akku. Mit 482 PS und einem Sprintwert von unter vier Sekunden auf 100 km/h zeigt der Benz, dass er nicht nur im Stand gut aussehen kann.
"Es ist ein kluger psychologischer Schachzug: Mercedes verbaut die Hardware für den Look, aber die Software-Freischaltung für den echten Nutzen bleibt ein kostenpflichtiges Privileg."
Real-World-Impact: Luxus-Gefühl mit Abo-Beigeschmack
Die Entscheidung, ein Display ohne Touch-Funktion zu verbauen, wirkt im Jahr 2027 fast schon anachronistisch. Es erinnert an die Zeiten, in denen Blindstopfen für fehlende Knöpfe in der Mittelkonsole den Fahrer an seine Sparsamkeit erinnerten. Dennoch: Optisch wertet das Paneel den Innenraum massiv auf und vermeidet die nackten Plastikwüsten früherer Basismodelle. Wer jedoch oft mit Begleitung reist, wird am Superscreen-Upgrade kaum vorbeikommen.



