Die einstige „beste Limousine der Welt“ steckt in der Klemme. Mercedes-Benz kämpft beim Flaggschiff S-Klasse (W223) mit einem massiven Nachfrageeinbruch – die Produktion sank von 90.000 Einheiten im Jahr 2022 auf unter 50.000 im Jahr 2025. Jetzt soll ein umfangreiches Facelift retten, was zu retten ist.
Das Ende des autonomen Traums: Level 3 fliegt raus
Es war das große Prestige-Projekt: Der Drive Pilot sollte Mercedes zum Vorreiter beim autonomen Fahren nach Level 3 machen. Doch die Realität im Jahr 2026 ist ernüchternd. Das System, das nur bei Tageslicht, über 3 Grad Außentemperatur und ohne Regen funktionierte, wird mit der Modellpflege der S-Klasse und des EQS vorerst eingestellt.
Die Gründe sind so simpel wie schmerzhaft: Die Nachfrage war verschwindend gering, während die Kosten für die redundante Hardware (Lidar, zusätzliche Sensoren) den Preis des Systems auf über 10.000 Euro trieben. Mercedes setzt nun stattdessen auf das MB. Assist Pro Paket (Level 2++), das zwar die Verantwortung beim Fahrer belässt, aber im Alltag deutlich zuverlässiger funktioniert.
Tesla Model S Aus: Ein Vorbote für Mercedes?
Dass Tesla kürzlich das Model S und Model X eingestellt hat, um Kapazitäten für Roboter und Massenmodelle zu schaffen, ist ein Warnsignal für Stuttgart. Die klassische Luxuslimousine verliert weltweit gegen High-End-SUVs. Mercedes reagiert beim EQS-Facelift (2026) nun mit Technik, die Tesla-Jäger wieder zurückholen soll:
- 800-Volt-System: Endlich ultraschnelles Laden, um mit Porsche und Hyundai gleichzuziehen.
- Größere Batterie: Eine neue Chemie soll die Realreichweite massiv steigern.
- Steer-by-Wire: Das mechanische Lenkgestänge fliegt raus und macht Platz für digitale Präzision.
China-Krise: Wenn Tradition nicht mehr reicht
Besonders hart trifft Mercedes der Absatzrückgang in China (-19 % im Jahr 2025). Während man früher mit dem Stern auf der Haube protzte, greifen junge chinesische Millionäre heute zu Marken wie Yangwang oder Hongqi, die mehr Bildschirmfläche und Gadgets für die Hälfte des Preises bieten. Mercedes versucht zu kontern: Das S-Klasse Facelift bietet nun 150 Außenfarben und noch mehr Chrom – ob das gegen die Software-Übermacht aus China reicht, bleibt fraglich.
| Modell | Status 2026 | Wichtigste Änderung |
|---|---|---|
| S-Klasse (W223) | Facelift ab März 2026 | Neues Stern-Design in Leuchten, MB.OS Infotainment |
| EQS (V297) | Technik-Update Okt. 2026 | 800V-Architektur, eATS 2.0 Antriebe |
| Drive Pilot | Eingestellt | Vorerst Rückzug auf Level 2++ |
Einschätzung der Redaktion
Mercedes hat beim EQS den Fehler gemacht, ein „Ei-Design“ zu wählen, das S-Klasse-Kunden zu futuristisch und wenig prestigeträchtig war. Das Facelift 2026 bringt nun zwar das aufrecht stehende Stern-Logo zurück auf die Haube des EQS, doch die technische Komplexität (und die Streichung von Level 3) zeigt: Mercedes muss sich neu erfinden, um im Zeitalter der Software-Defined Vehicles nicht den Anschluss an die Spitze zu verlieren.
„Die S-Klasse ist nicht mehr das unangefochtene Kulturgut, als das sie Mercedes gerne verkauft. Im Jahr 2026 zählen Ladekurven und Software-Stabilität mehr als 150 Lackfarben.“



