Wachstum mit Verantwortung: MG setzt wieder voll auf den Handel
Nach einem rasanten Markteintritt vollzieht MG Motor Deutschland eine strategische Kehrtwende: Die Marke verabschiedet sich bis zum 31. Dezember 2026 vollständig vom Agenturmodell und kehrt zum klassischen Händlervertrieb zurück. Der Wechsel markiert eine neue Phase der Professionalisierung, in der den Partnern vor Ort mehr Verantwortung, aber auch höhere Margen und das lukrative Aftersales-Geschäft übertragen werden.
1. Der Strategiewechsel: Warum zurück zum Händler?
Während viele europäische Hersteller aktuell mit Agenturmodellen experimentieren, sieht MG diesen Weg als abgeschlossen an. Laut Axel Blazejak war die Agentur perfekt für einen „fast risikolosen Start“ ohne hohe Investitionshürden. Doch mit über 26.500 Zulassungen im Jahr 2025 und einem wachsenden Bestand sei die Zeit reif für das Händlermodell:
- Lokale Expertise: Händler können regionale Märkte besser einschätzen als eine zentrale Steuerung.
- Profitabilität: Durch den Eigenbestand und Werkstattservice verdienen Partner nachhaltiger an der Marke.
- Netz-Ausbau: Von aktuell 183 Standorten will MG bis Jahresende auf 220 und mittelfristig auf 300 Stützpunkte wachsen.
2. Neue Modelle als Wachstumsmotoren
Zwei Fahrzeuge stehen 2026 besonders im Rampenlicht, um das Absatzziel von 33.000 Einheiten zu knacken:
- MG4 EV Urban: Die neue Basisversion des Kompaktstromers greift mit einem Kampfpreis von 24.990 Euro an. Er bietet bis zu 416 km Reichweite und soll perspektivisch sogar mit einer Semi-Solid-Batterie (Halb-Festkörper) ausgestattet werden.
- MG S9: Ein großes 7-Sitzer-SUV, das ausschließlich als Plug-in-Hybrid mit rund 100 km elektrischer Reichweite angeboten wird und gezielt Familien ansprechen soll.
"Wir wollen nicht mit taktischen Eigenzulassungen wachsen. Qualität vor Quantität: Mit einem Privatkundenanteil von 38 % stehen wir auf einem deutlich stabileren Fundament als mancher Wettbewerber." – Oliver Rittierodt, Vertriebsdirektor MG.
MG Deutschland: Vertriebsstrategie 2026 im Blick
| Kennzahl | Ziel / Status 2026 |
|---|---|
| Absatzziel | > 33.000 Neuzulassungen (+25 % vs. 2025) |
| Händlernetz | Ausbau auf 220 Standorte (bis 31.12.26) |
| Verkauf pro Standort | Steigerung von 150 auf langfristig 250 Einheiten |
| Vertriebssystem | Vollständige Rückkehr zum Händlermodell |
Fazit: Nachhaltigkeit statt "China-Tsunami"
Im Vergleich zu Mitbewerbern wie BYD, die 2026 die 50.000er-Marke anpeilen, gibt sich MG bodenständiger. Durch den Fokus auf den Privatmarkt und die Stärkung des klassischen Handels positioniert sich MG als "lokale" chinesische Marke mit festen Wurzeln im deutschen Kfz-Gewerbe. Wenn die Einführung des MG4 Urban zu diesem Preis fruchtet, könnte MG seine Rolle als Preis-Leistungs-Leader im Segment der kompakten Elektroautos festigen.



