Nio feiert 100 Mio. Batteriewechsel & plant 1.000 neue PSS

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Nio feiert 100 Mio. Batteriewechsel & plant 1.000 neue PSS

Was viele Experten anfangs als teure Sackgasse belächelten, hat sich zur echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Nio hat am 6. Februar 2026 den 100-millionsten Batteriewechsel vollzogen. Während die Konkurrenz noch über Ladekurven diskutiert, zeigt Nio mit seiner 4. und bald 5. Stationsgeneration, wie "Tanken" bei E-Autos im Jahr 2026 wirklich aussieht. Wir haben die Details zum Meilenstein und den massiven Ausbauplänen.

Ein historischer Moment für die Elektromobilität: Am 6. Februar 2026 um exakt 22:33:18 Uhr (UTC+8) rollte ein Nio ET5 Touring in Haining (China) in eine Wechselstation und markierte den 100.000.000. Batteriewechsel der Unternehmensgeschichte. Nio-Gründer William Li feierte den Meilenstein via Livestream und kündigte direkt die nächste Offensive an: Allein im Jahr 2026 sollen weltweit 1.000 zusätzliche Power Swap Stations (PSS) entstehen.

Vom belächelten Konzept zum globalen Standard

Seit dem Start der ersten Station in Shenzhen im Mai 2018 hat Nio eine beispiellose Skalierung hingelegt. Besonders beeindruckend ist das Tempo: Während die ersten 10 Millionen Wechsel noch über vier Jahre dauerten, benötigte das Netzwerk für den Sprung von 90 auf 100 Millionen Swaps gerade einmal rund 100 Tage. Inzwischen betreibt Nio weltweit über 3.790 Stationen, davon stehen aktuell etwa 61 Standorte in Europa (über 20 allein in Deutschland).

Der Zeitvorteil gegenüber klassischem Laden ist massiv. Nio gibt an, dass durch die Tauschvorgänge insgesamt über 83 Millionen Stunden Wartezeit eingespart wurden – das sind im Schnitt 88 Stunden pro Nutzer.

"100 Millionen Swaps sind kein Zufall, sondern der Beweis, dass Batteriewechsel im Alltag akzeptiert sind. Wir treten jetzt in die Ära ein, in der das Nachladen schneller geht als das Tanken." – William Li, CEO von Nio.

Technik-Update: Generation 4 und der Ausblick auf 5.0

Der Erfolg basiert maßgeblich auf der Weiterentwicklung der Hardware. Die aktuelle Power Swap Station 4.0 (seit Mitte 2024 im Einsatz) benötigt für einen vollautomatischen Wechsel nur noch rund 144 Sekunden. Dank einer Rechenleistung von über 1.000 TOPS und sechs LiDAR-Sensoren findet das Auto seinen Weg in die Station komplett autonom.

Für 2026 steht bereits die 5. Generation in den Startlöchern. Diese soll nicht nur 20 % effizienter sein, sondern vor allem die markenübergreifende Nutzung forcieren. Neben Nio werden auch die neuen Submarken Onvo und Firefly sowie Partner wie Geely und FAW das Netzwerk nutzen können.

Nio Power Swap: Die Generationen im Vergleich

Feature Generation 2.0 Generation 4.0 Generation 5.0 (2026)
Wechseldauer ca. 277 Sek. ca. 144 Sek. < 120 Sek. (Ziel)
Akku-Kapazität 13 Packs 23 Packs ca. 28 Packs
Computing Power Gering 1.016 TOPS Optimiert für Multi-Brand
Swaps pro Tag bis zu 312 bis zu 480 > 550 (erwartet)

BaaS: Der finanzielle Hebel

Ein entscheidender Faktor für die hohe Nutzung ist das "Battery-as-a-Service"-Modell (BaaS). Käufer können ihren Nio ohne festen Akku erwerben, was den Kaufpreis um bis zu 12.000 Euro senkt. Stattdessen wird eine monatliche Mietgebühr fällig, die den unbegrenzten Zugang zum Wechselnetzwerk beinhaltet. In Zeiten sinkender Restwerte bei fest verbauten Akkus bietet dieses Modell maximale Flexibilität und Sicherheit gegen Zell-Degradation.

Ausbau 2026: Fokus auf Europa und Autobahnen

Das Ziel von 1.000 neuen Stationen bis Ende 2026 ist ambitioniert. Nio setzt dabei verstärkt auf "Power Journeys" – durchgehende Wechselrouten für Langstrecken. Nach der Seidenstraße in China sollen nun auch in Europa wichtige Korridore (z.B. Skandinavien bis Italien) lückenlos erschlossen werden. Trotz der Herausforderungen durch bürokratische Hürden in Deutschland bleibt Nio beim Ziel, das "Tanken" für E-Auto-Fahrer so komfortabel wie bei Verbrennern zu machen.

Kritik gibt es derweil an der Auslastung in Europa: Während Stationen in Shanghai teilweise rund um die Uhr besetzt sind, wirken deutsche PSS oft noch verwaist. Mit dem Start der günstigeren Marken Firefly und Onvo im Laufe des Jahres 2026 dürfte sich dieses Bild jedoch schnell wandeln.

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