Vom Sorgenkind zum Renditejäger: Nio-Gründer William Li hat das Jahr 2026 offiziell zum Jahr der Rentabilität erklärt. Nach einem beeindruckenden Schlussspurt im Jahr 2025, der dem Unternehmen den ersten operativen Quartalsgewinn seit der Gründung 2014 einbrachte, stehen die Zeichen nun auf nachhaltiges Wachstum. Doch der Weg zum Ganzjahresplus erfordert radikale Effizienz.
Der Wendepunkt: Erstes profitables Quartal in der Firmengeschichte
Die Zahlen für das vierte Quartal 2025 markieren eine Zäsur: Nio konnte einen bereinigten operativen Gewinn (Non-GAAP) zwischen 85 und 147 Millionen Euro verbuchen. Getragen wurde dieser Erfolg von einem massiven Absatzplus von über 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders das Flaggschiff-SUV ES8 der dritten Generation erwies sich mit 60.000 ausgelieferten Einheiten in Rekordzeit als Margenbringer.
Die Strategie: Drei Marken für den Massenmarkt
Um die für die Profitabilität nötigen Stückzahlen zu erreichen, setzt Nio 2026 auf seine Multi-Marken-Strategie. Während die Kernmarke Nio das Premium-Segment bedient, sollen zwei neue Player die Volumina treiben:
- Onvo (Ledao): Fokussiert auf Familien und preisbewusste Käufer (Bestseller: Onvo L90).
- Firefly: Die neue Submarke für Premium-Kleinwagen, die bereits im Dezember 2025 einen Marktanteil von 61 % in ihrem Segment in China erreichte.
Infrastruktur als Burggraben: 100 Millionen Batteriewechsel
Ein zentraler Pfeiler für das Erreichen der Rentabilität ist das Battery-as-a-Service (BaaS) Modell. Nio hat kürzlich den 100-millionsten Batteriewechsel in China absolviert. Für 2026 ist der Bau von mindestens 1.000 weiteren Power Swap Stations (PSS) geplant, um das Netzwerk auf über 4.700 Stationen weltweit auszubauen.
| Kennzahl | Ergebnis 2025 / Ziel 2026 |
|---|---|
| Absatz 2025 (Gesamt) | 326.028 Fahrzeuge (+46,9 % zu 2024) |
| Operatives Ergebnis Q4 2025 | Erstmals positiv (ca. 85 - 147 Mio. €) |
| Wachstumsziel 2026 | 40 % bis 50 % Steigerung |
| Batteriewechselstationen | Ziel: > 4.700 Standorte weltweit |
Herausforderung Europa: Licht und Schatten
Während Nio in China triumphiert, bleibt Europa das Sorgenkind. In Deutschland wurden im Januar 2026 lediglich ein einziges Fahrzeug zugelassen. CEO William Li räumte ein, dass die Expansion langsamer voranschreitet als geplant. Um gegenzusteuern, setzt Nio künftig auf die "Cell Business Units" (CBU) – dezentrale Einheiten, die eigenverantwortlich für ihre Marktregionen und Kostenstrukturen zuständig sind.
„Jährliche Rentabilität ist nicht leicht zu erreichen. Wir haben es im letzten Quartal geschafft und wir werden alles daran setzen, dies 2026 für das gesamte Jahr zu wiederholen. Es geht darum, mit minimalem Aufwand die maximale Wirkung zu erzielen.“ – William Li, CEO Nio.
Fazit: Die Reifeprüfung für Nio
Nio befindet sich in der "dritten Phase" seiner Entwicklung. Die massiven Investitionen der letzten zehn Jahre in eigene Chips (Shenji 9031), das Betriebssystem SkyOS und das Wechselnetzwerk müssen nun Rendite abwerfen. Wenn die neuen Marken Onvo und Firefly wie geplant zünden, könnte Nio 2026 zum ersten Mal als finanziell eigenständiger Gigant neben Tesla und BYD bestehen.




