Chery-Offensive: Omoda und Jaecoo stürmen den deutschen SUV-Markt
Der weltweite Expansionskurs chinesischer Automobilkonzerne erreicht die nächste Stufe. Mit Chery drängt nun der nach eigenen Angaben seit 23 Jahren größte Pkw-Exporteur Chinas mit aller Macht nach Deutschland. Der Konzern, der im vergangenen Jahr rund 2,8 Millionen Fahrzeuge absetzte, schickt seine 2022 gegründeten Submarken Omoda und Jaecoo ins Rennen. Während die Kernmarke Chery im Heimatmarkt eher für bezahlbare Basismobilität steht, sind die beiden Ableger explizit für anspruchsvollere, westliche Märkte konzipiert.
Der Blick auf die europäischen Nachbarn zeigt das enorme Wachstumspotenzial: In Großbritannien explodierten die Zulassungen der Marken innerhalb eines Jahres von knapp 4.000 auf über 47.000 Einheiten. In Spanien konnte der Absatz auf über 23.000 Fahrzeuge mehr als verdoppelt werden. Beim deutschen Marktstart verfolgt das Management eine pragmatische Linie und bietet genau den Antriebsmix an, den die Kunden im aktuellen Marktumfeld nachfragen – weg von starren Elektro-Dogmen, hin zu flexibler Wahlfreiheit.
Doppelspitze zum Start: Omoda 5 und Jaecoo 7
Das Launch-Portfolio für den deutschen Markt besteht aus zwei Modellen, die im volumenstarken Kompakt-SUV-Segment angreifen. Der Omoda 5 rollt wahlweise als klassischer Vollhybrid (HEV) oder als vollelektrischer Omoda 5 EV zu den Händlern. Der Stromer setzt auf einen effizienten Frontantrieb mit 155 kW (211 PS) und eine langlebige Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 61 kWh Bruttokapazität. Dank einer 400-Volt-Architektur lädt das Elektro-SUV an der DC-Säule mit bis zu 130 kW, was den Akku in rund 34 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringt.
Als robusterer Bruder positioniert sich das Plug-in-Hybrid-SUV Jaecoo 7 SHS. Die Systemleistung des Teilzeitstromers liegt bei strammen 205 kW (279 PS), die aus der Kombination eines 1,5-Liter-Turbo-Benziners und einer starken E-Maschine generiert werden. Mit einer nutzbaren Batteriekapazität von 18,4 kWh schafft der Jaecoo 7 eine rein elektrische Reichweite von bis zu 90 Kilometern nach WLTP. Damit knackt er mühelos die Kriterien für das neue deutsche E-Auto-Förderprogramm, das für solche PHEVs bis zu 4.500 Euro staatlichen Zuschuss gewährt.
| Modell & Ausstattung | Antriebsart | Leistung (System) | Reichweite (WLTP) | Einstiegspreis (UVP) |
|---|---|---|---|---|
| Omoda 5 Comfort-Line | Vollhybrid (HEV) | 165 kW (224 PS) | ca. 1.000 km (Gesamt) | 26.990 Euro |
| Omoda 5 EV Exclusive | Vollelektrisch (BEV) | 155 kW (211 PS) | 430 km (elektrisch) | 36.900 Euro |
| Jaecoo 7 SHS Select | Plug-in-Hybrid (PHEV) | 205 kW (279 PS) | 90 km (elektrisch) | 36.900 Euro |
| Jaecoo 7 SHS Exclusive | Plug-in-Hybrid (PHEV) | 205 kW (279 PS) | 90 km (elektrisch) | 39.490 Euro |
Gegen den Agentur-Trend: Voller Fokus auf den klassischen Handel
Während viele etablierte Hersteller und neue Konkurrenten aus Übersee auf reine Online-Direktvertriebe oder Agenturmodelle umstellen, geht Chery den umgekehrten Weg. Die Chinesen vertrauen zu einhundert Prozent auf den klassischen Automobilhandel. Jeder Standort deckt die Trias aus Verkauf, zertifizierter Werkstatt und lokalem Service ab. Zum Start sichern 15 aktive Händler den Vertrieb, bis zum Jahresende sollen bereits 100 Standorte unter Vertrag stehen. Das langfristige Ziel ist mit 240 Stützpunkten ein flächendeckendes Netz über ganz Deutschland.
Um das in der Branche gefürchtete Problem der Ersatzteilverfügbarkeit neuzugelassener Importmarken gar nicht erst aufkommen zu lassen, wurde ein logistisches Sicherheitsnetz eingezogen. In Rennerod (Rheinland-Pfalz) betreibt Chery gemeinsam mit Kühne+Nagel ein zentrales Aftersales-Lager. Zum Marktstart sind dort mehr als 99 Prozent aller relevanten Komponenten für den Omoda 5 und Jaecoo 7 vorrätig, mit dem klaren Lieferversprechen, jedes Ersatzteil innerhalb von 24 Stunden an jede deutsche Vertragswerkstatt zuzustellen.
"Wer den klassischen Händlerkanal unterschätzt, verliert im deutschen Markt wertvolles Geschäft. Die Kunden wollen gerade bei einer neuen Marke einen physischen Ansprechpartner und verlässlichen Service direkt vor Ort."
Real-World-Impact: Kampfansage über den Preis und lange Garantien
Im Alltag dürften die Newcomer vor allem etablierte Platzhirsche wie den Hyundai Tucson, Kia Sportage oder den VW Tiguan unter Druck setzen. Chery kombiniert aggressive Kampfpreise – ein voll ausgestattetes Elektro-SUV für unter 37.000 Euro inklusive serienmäßiger Wärmepumpe, 24,6-Anzeigefläche und belüfteten Sitzen ist eine Ansage – mit einem massiven Garantieversprechen. Sieben Jahre oder 150.000 Kilometer auf das Gesamtfahrzeug sowie acht Jahre oder 160.000 Kilometer auf die Hochvoltbatterie sollen Restwertrisiken minimieren und Vertrauen bei deutschen Privat- und Flottenkunden aufbauen.
Für das laufende Jahr peilt die Vertriebszentrale ein Absatzziel von 8.000 Fahrzeugen in Deutschland an. Flankiert wird der Marktstart von einer strategischen Partnerschaft mit der Santander Consumer Bank und der Allianz, wodurch bereits im zweiten Quartal maßgeschneiderte Privatkunden-Leasingraten realisiert werden sollen. Ein Teil der Produktion soll zudem zukünftig im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona über den Kooperationspartner Ebro EV Motors vom Band laufen, was den Fahrzeugen ein europäisches Herkunftszertifikat sichert und logistische Wege verkürzt.

