Polestar 2025: Wachstumsschub mit teurem Beigeschmack
Der schwedisch-chinesische Elektroautobauer Polestar hat seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt. Die Bilanz liest sich wie eine Achterbahnfahrt: Auf der einen Seite stehen Rekordwerte bei Absatz und Umsatz, auf der anderen Seite belasten massive Sonderabschreibungen das Ergebnis. CEO Michael Lohscheller, der die Marke durch diese turbulente Phase steuert, setzt nun alles auf eine beispiellose Produktoffensive.
1. Die nackten Zahlen: Mehr Autos, mehr Umsatz, tieferes Minus
Polestar konnte seine Marktpräsenz 2025 deutlich ausbauen, was sich unmittelbar in der obersten Zeile der Bilanz widerspiegelt:
- Umsatzsprung: Die Erlöse stiegen um 50,3 % auf 3,06 Milliarden US-Dollar (ca. 2,6 Mrd. €).
- Absatzrekord: Mit 60.119 ausgelieferten Fahrzeugen (+34 %) knackte Polestar erstmals die wichtige 60.000er-Marke.
- Nettoverlust: Trotz des Wachstums weitete sich der Fehlbetrag auf 2,36 Milliarden US-Dollar (ca. 2 Mrd. €) aus – ein Plus von 15 % gegenüber dem Vorjahr.
2. Das Problemkind: Polestar 3 sorgt für Milliarden-Abschreibung
Der hohe Gesamtverlust ist primär auf nicht-zahlungswirksame Wertminderungen in Höhe von rund 1,05 Milliarden US-Dollar zurückzuführen. Davon entfallen allein 739 Millionen US-Dollar auf den Polestar 3. Das große SUV blieb hinter den Erwartungen zurück, was das Unternehmen zu massiven Abschreibungen zwang. Dennoch gibt es einen Lichtblick beim operativen Geschäft: Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um fast 300 Millionen Dollar auf minus 783 Millionen Dollar, was auf eine effizientere Kostenstruktur hindeutet.
3. Rettungsanker CO2-Zertifikate
Ein wichtiger Faktor für die Umsatzsteigerung war der Handel mit Emissionsrechten. Als reine Elektro-Marke kann Polestar "Carbon Credits" an Hersteller verkaufen, die ihre Flottenziele nicht erreichen:
- Vervielfachung: Die Einnahmen aus diesem Bereich schossen von 11 Millionen auf 211 Millionen US-Dollar hoch.
- Strategischer Vorteil: Diese fast reinen Gewinnmargen halfen dabei, den negativen Druck durch den harten Preiskampf im EV-Markt abzufedern.
"2025 war ein Rekordjahr, aber 2026 wird das Jahr unserer größten Modelloffensive. Wir bringen in den nächsten drei Jahren vier neue Autos und erweitern unser Vertriebsnetz um 20 %." – Michael Lohscheller, CEO Polestar.
Polestar Modell-Offensive: Der Fahrplan bis 2028
| Modell | Typ / Status | Zeitplan |
|---|---|---|
| Polestar 5 | 4-Türer Grand Tourer (GT) | Auslieferungsstart Sommer 2026 |
| Polestar 4 (Neu-Variante) | Zusätzliche Modellvariante des Bestsellers | Marktstart Q4 2026 |
| Polestar 2 Nachfolger | Komplette Neuentwicklung der Limousine | Geplant für Anfang 2027 |
| Polestar 7 | Kompaktes SUV | Geplant für 2028 |
Fazit: Alles auf Angriff
Polestar befindet sich in einer klassischen "Grow-or-Die"-Phase. Das Unternehmen verbrennt zwar weiterhin viel Geld, zeigt aber beim bereinigten operativen Ergebnis eine positive Tendenz. Der Fokus von Lohscheller liegt nun auf finanzieller Disziplin und einem besseren Modellmix. Mit dem Polestar 5 und dem Ausbau des Polestar 4-Portfolios will die Marke 2026 in margenstärkere Segmente vordringen. Gelingt es, die Abschreibungs-Schocks der Vergangenheit hinter sich zu lassen, könnte der Weg zur Gewinnschwelle (Break-Even) ab 2027 wieder realistisch werden.



