Konsequent elektrisch: Polestar-Chef Lohscheller schließt Hybride für Europa aus
In einer Zeit, in der viele Automobilhersteller ihre Elektro-Strategie überdenken und verstärkt auf Plug-in-Hybride setzen, geht Polestar-CEO Michael Lohscheller den entgegengesetzten Weg. Seit anderthalb Jahren leitet der ehemalige Opel-Chef die Geschicke der schwedisch-chinesischen Marke und stellt nun unmissverständlich klar: „Wir werden keinen Hybrid für Europa machen.“ Polestar bleibt seiner Linie treu und setzt weiterhin ausschließlich auf rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs).
Hinter dieser Entscheidung steckt eine klare betriebswirtschaftliche Logik. Durch den Verzicht auf parallele Antriebstechnologien reduziert Polestar die Komplexität in Entwicklung, Produktion und After-Sales massiv. Während Konkurrenten zwei Welten bedienen müssen, fokussiert sich Polestar darauf, die Effizienz und Software seiner Stromer zu perfektionieren.
Wachstum durch Segment-Expansion: Der Polestar 7 kommt
Nachdem Polestar zwischen 2020 und 2024 Verluste von über vier Milliarden Euro anhäufte, soll 2026 das Jahr der finanziellen Stabilisierung werden. Die Basis dafür ist ein sattes Absatzwachstum von 60 Prozent in Europa im vergangenen Jahr. Um diesen Schwung mitzunehmen, plant Lohscheller eine Erweiterung der Modellpalette:
- Marktabdeckung: Aktuell deckt Polestar ca. 25 % des relevanten E-Auto-Marktes ab. Ziel sind über 55 % innerhalb der nächsten drei Jahre.
- Polestar 7: Ein neues Kompakt-SUV soll als Volumenmodell unterhalb der Luxusliner Polestar 3 und 4 positioniert werden.
- Vier neue Modelle: Bis 2029 sollen insgesamt vier neue Fahrzeuge die Lücken im Portfolio schließen.
- Kein Einstiegsmodell: Ein Fahrzeug unterhalb des Polestar 7 (etwa in der Größe eines VW ID.3) ist derzeit nicht geplant.
"Wir sind eine europäische, skandinavische Marke im Premiumsegment. Wir fokussieren uns auf das, was wir am besten können – und das ist die reine Elektromobilität. Das vereinfacht unsere Prozesse enorm."
Premium statt Luxus: Die neue Positionierung
Lohscheller schärft auch das Markenprofil. Polestar soll keine unnahbare Luxusmarke sein, sondern sich im Premiumsegment etablieren. Das bedeutet: Erreichbare Preise für anspruchsvolle Kunden in großen Marktsegmenten, ohne den skandinavischen Design-Anspruch zu opfern. Der finanzielle Rückhalt durch den Mutterkonzern Geely bietet dabei die nötige Sicherheit für diese langfristige Wette auf den E-Antrieb.
Strategie-Check: Polestar Roadmap (2026-2029)
| Merkmal | Strategische Ausrichtung |
|---|---|
| Antriebstechnik | 100 % Batterieelektrisch (BEV) |
| Kernmodell 2027/28 | Polestar 7 (Kompakt-SUV) |
| Markt-Fokus | Europa (Wachstumsmarkt Nr. 1) |
| Marktabdeckung Ziel | > 55 % des E-Auto-Marktes |
| Technologie-Partner | Geely Ecosystem & Google (Infotainment) |
Fazit: Eine mutige Wette auf die Zukunft
Michael Lohscheller weiß, dass die Antriebswende langsamer verläuft als erhofft. Doch statt in Panik zu verfallen und teure Hybrid-Zwischenlösungen zu entwickeln, nutzt er die Zeit für den Aufbau eines konsistenten, rein elektrischen Portfolios. Wenn der Markt – wie von Experten für Ende des Jahrzehnts erwartet – massiv Richtung Elektro kippt, will Polestar mit dem Polestar 7 und einer hocheffizienten Struktur als Gewinner bereitstehen. Ob diese Differenzierung ausreicht, um gegen die Hybrid-Offensiven von BMW oder Mercedes zu bestehen, wird sich in den Verkaufszahlen der nächsten 24 Monate zeigen.



