Strategiewechsel in Zuffenhausen: Porsche stellt die Batterieversorgung für den südkoreanischen Markt radikal um. Ab dem Modelljahr 2026 wird der in Leipzig gefertigte Macan Electric für Südkorea nicht mehr mit Batteriezellen des chinesischen Herstellers CATL ausgeliefert, sondern erhält Hochleistungszellen von Samsung SDI. Damit reagiert Porsche auf die spezifischen Sicherheitsbedenken und Vorlieben der koreanischen Kundschaft.
"K-Battery" als Vertrauensanker: Brandschutz und Politik
Der Hintergrund für diesen Schritt ist vielschichtig. Seit dem folgenschweren Brand eines Mercedes EQE in einer Tiefgarage in Incheon im Jahr 2024 sind südkoreanische Verbraucher extrem sensibilisiert, was die Herkunft ihrer Batterien betrifft. Die südkoreanische Regierung hat seitdem Transparenz-Regeln eingeführt, die Hersteller zur Offenlegung ihrer Zelllieferanten zwingen. "Made in Korea" gilt dort mittlerweile als wichtigstes Sicherheitsversprechen.
Während der Taycan und der neue Cayenne Electric bereits auf Zellen von LG Energy Solution (LGES) setzen, war der Macan bisher der einzige elektrische Porsche mit CATL-Zellen aus Thüringen. Mit dem Wechsel zu Samsung SDI ab 2026 schließt Porsche die "Lücke" und nutzt für Südkorea nun ausschließlich heimische Batterie-Technologie.
Technische Daten: Samsung SDI vs. CATL
Bisher nutzte der Macan Electric ein 100 kWh Paket (95 kWh netto) mit prismatischen Zellen und NMC811-Chemie. In der Spitze lädt das System mit 270 kW in nur 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Ob die neuen Samsung-SDI-Zellen diese Werte nochmals übertreffen, bleibt abzuwarten – Samsung SDI ist jedoch für seine hohe Energiedichte und exzellentes thermisches Management bekannt.
Interessant ist der Vergleich zum neuen Cayenne Turbo Electric, der bereits die nächste Stufe der Porsche-Strategie zeigt:
| Modell | Zell-Lieferant | Systemleistung | Highlight |
|---|---|---|---|
| Macan Electric (EU) | CATL (China/DE) | bis 470 kW | 800V-Architektur / 270 kW Laden |
| Macan Electric (KR 2026) | Samsung SDI (KR) | bis 470 kW | Lokaler Vertrauensbonus / Prismatische Zellen |
| Cayenne Turbo Electric | LG Energy Solution | 850 kW (1.156 PS) | 0-100 km/h in 2,5 Sek. / 400 kW Laden |
Leipzig bleibt Werk – Lieferkette wird komplexer
Für das Porsche-Werk in Leipzig bedeutet dies eine logistische Herausforderung. Die Fahrzeuge für den Weltmarkt werden weiterhin mit den CATL-Zellen aus Arnstadt (Thüringen) bestückt. Die südkoreanischen Modelle müssen jedoch separat mit den Samsung-Packs verheiratet werden. Porsche folgt hier dem Trend zur Lokalisierung von Schlüsselkomponenten, um politische und marktpsychologische Risiken zu minimieren.
"Südkoreanische Verbraucher prüfen beim Autokauf sogar den Batteriehersteller genau." – Dieser Trend zwingt Premiummarken wie Porsche zu einer Fragmentierung ihrer Produktion.
Interne Batterie-Fertigung nimmt Fahrt auf
Die Umstellung zeigt auch Porsches wachsendes Know-how. Beim neuen Cayenne Electric geht Porsche bereits einen Schritt weiter: Im slowakischen Horná Streda werden die Module im eigenen Porsche Smart Battery Shop selbst gefertigt. Diese Tiefe der Wertschöpfung ermöglicht es Porsche, flexibler auf verschiedene Zellformate und Anbieter wie Samsung SDI oder LGES zu reagieren, ohne das Fahrzeugdesign grundlegend ändern zu müssen.
Fazit: Ein Signal an den Weltmarkt?
Der Wechsel zu Samsung SDI für Südkorea könnte ein Vorbote für weitere Märkte sein. Wenn das Vertrauen in chinesische Batterien politisch oder gesellschaftlich weiter unter Druck gerät, ist Porsche nun technologisch darauf vorbereitet, seine Bestseller modular mit koreanischen High-End-Zellen auszustatten. Für den Kunden in Europa ändert sich vorerst nichts – doch die Exklusivität koreanischer Hardware für den Heimatmarkt zeigt, wie wichtig Batteriemarken für das Prestige eines E-Autos geworden sind.




