Renault-Chef Cambolive: „Wir nutzen Emotionen, um den E-Markt neu zu ordnen“
Renault schaltet beim Thema Elektromobilität auf Angriff. Im Zentrum der Strategie für 2026 stehen keine überdimensionierten Luxus-Schlitten, sondern kompakte Elektroautos, die das Erbe legendärer Klassiker antreten. Mit dem bereits gestarteten R5 und dem kommenden R4 nutzt Renault gezielt die Bekanntheit seiner Historie, um in Europa Marktanteile zurückzugewinnen. Markenchef Fabrice Cambolive betont dabei, dass es nicht um bloße Nostalgie geht, sondern um eine klare Antwort auf die aktuelle Marktsituation.
Besonders im Fokus steht die Bezahlbarkeit: Der Renault 5 E-Tech ist nun auch mit einer kleineren Batterie für unter 25.000 Euro erhältlich. Laut Cambolive ist dies der entscheidende Hebel, um Elektroautos für die breite Masse konkurrenzfähig zu machen – sowohl bei der Anschaffung als auch bei den Betriebskosten. Die neue deutsche Kaufprämie gibt dem Konzern dabei zusätzlichen Rückenwind für das laufende Geschäftsjahr.
Globales Flaggschiff „Filante“ – aber nicht für Europa
Während Europa auf Kleinwagen getrimmt wird, rollt Renault in anderen Weltregionen ein echtes Schwergewicht aus. Der Renault Filante, ein 4,90 Meter langer Crossover, ist das größte Modell der Marke seit Jahrzehnten. Produziert in Südkorea, soll er Märkte in Südamerika und dem Nahen Osten erobern. In Europa bleibt es hingegen bei den bekannten Hybrid-Modellen Rafale, Espace und Austral, da man hier den Fokus klar auf kompakte, vollelektrische Stadtfahrzeuge legt.
| Modell | Segment / Typ | Marktfokus | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Renault 5 E-Tech | Elektro-Kleinwagen | Europa | Preis unter 25.000 € verfügbar |
| Renault Twingo E-Tech | City-Stromer | Europa | Entwicklungszeit nur 21 Monate |
| Renault Filante | Full-Size Crossover | Global (exkl. Europa) | 4,90m Länge, Flaggschiff-Status |
Entwicklungstempo: Mit China-Speed zum neuen Twingo
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, bricht Renault alte Strukturen auf. Der kommende Twingo E-Tech wurde in einer Rekordzeit von nur 21 Monaten entwickelt. Möglich wurde dies durch die enge Zusammenarbeit mit Entwicklungszentren in China. Cambolive gibt offen zu, dass dieses Tempo allein mit europäischen Ressourcen kaum zu halten gewesen wäre. Dennoch bleibt die Produktion des R5 im Norden Frankreichs ein wichtiges Statement für den Industriestandort Europa.
"Wir spielen ein anderes Spiel als die ganz Großen. Agilität ist wichtiger als pure Masse. Wenn wir 100.000 Autos an einem Standort garantieren können, folgen uns die Zulieferer überall hin."
Starke Allianzen: Geely, Nissan und Ford als Partner
Renault setzt massiv auf Kooperationen, um Fixkosten zu senken. Der chinesische Gigant Geely steuert Elektro-Plattformen bei, während Renault im Gegenzug Produktionskapazitäten in Brasilien zur Verfügung stellt. In Europa profitieren Partner wie Nissan vom französischen Know-how: Der neue elektrische Nissan Micra wird auf derselben Plattform wie der Renault 5 produziert. Sogar Ford nutzt Kapazitäten in den europäischen Werken, was die Auslastung und damit die Rentabilität für alle Beteiligten steigert.
Trotz der Verzichte auf die Märkte in den USA und China konnte Renault im weltweiten Marken-Ranking auf Platz 13 klettern. Die Konzentration auf Kernmärkte wie Brasilien, Indien, Marokko und die Türkei scheint sich auszuzahlen, während man in Europa durch emotionale Markenführung und radikale Kostensenkung bei der E-Technik punkten will.



