Renault-Chef Cambolive: Voller Fokus auf Elektro – Trotz Marktturbulenzen
Während Teile der deutschen Automobilindustrie und Politik über eine Aufweichung der CO2-Ziele debattieren, setzt Renault-CEO Fabrice Cambolive auf ein klares „Weiter so“. In der neuen Konzernstrategie „FuturReady“ definiert er die Elektromobilität als den einzig gangbaren Weg für die Zukunft. Bis 2035 hält Cambolive eine Marktdurchdringung von 90 bis 100 Prozent bei reinen Elektroautos für absolut realistisch. Sein Credo: Alle aktuellen und künftigen Milliarden-Investitionen des Konzerns fließen bereits ausschließlich in reine Elektro-Plattformen.
Um im globalen Wettbewerb, insbesondere gegen die erstarkende Konkurrenz aus China, zu bestehen, verordnet Cambolive Renault eine Rosskur: Die Entwicklungszeiten für neue Modelle müssen auf unter zwei Jahre sinken. „Das ist keine Benchmark, sondern eine nackte Notwendigkeit“, so der CEO. Ein zentraler Baustein dieser Offensive ist die neue Plattform RGEV medium 2.0, die ab 2028 moderne 800-Volt-Technik in die Kompaktklasse (C-Segment) bringen wird.
Spritpreis-Schock als Katalysator
Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen durch den Iran-Krieg und die daraus resultierenden massiven Kraftstoffpreise wirken laut Cambolive wie ein Beschleuniger für die Mobilitätswende. In Frankreich habe sich die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) unmittelbar nach Ausbruch des Konflikts nahezu verdoppelt. Neben den hohen Spritkosten führt der Renault-Chef dies vor allem auf die niedrigeren Gesamtbetriebskosten (TCO) und das wachsende Angebot an bezahlbaren Modellen zurück.
Der neue Twingo: Der „Disruptor“ unter 20.000 Euro
Die wichtigste Waffe im Kampf um den Massenmarkt ist der neue elektrische Twingo. Mit einem avisierten Preis von unter 20.000 Euro soll er die Einstiegshürde zur E-Mobilität massiv senken. Renault-Deutschlandchef Florian Kraft traut dem Kleinstwagen sogar zu, das meistverkaufte Modell der Marke hierzulande zu werden. Mit einem Potenzial von rund zwei Millionen Twingo-Bestandsfahrzeugen in Europa sieht Cambolive hier eine riesige Wechselwilligkeit der Kunden.
"Es wird keinen Weg zurück geben: Die Elektromobilität ist die Zukunft. Unsere Aufgabe ist es, bis 2035 ausreichend bezahlbare Modelle für alle Kunden bereitstellen zu können."
Globale Neuausrichtung: Indien im Fokus
Renault will seine Abhängigkeit vom europäischen Markt verringern. Bis 2030 soll das Verhältnis zwischen europäischem und internationalem Absatz bei 50:50 liegen (aktuell 38:62 zugunsten International). Besonders Indien spielt hierbei eine Schlüsselrolle: Der dortige Markt ist mittlerweile doppelt so groß wie der deutsche. Länder wie die Türkei und Marokko fungieren zudem als strategische Produktionsdrehscheiben zwischen den Kontinenten.
Renaults Fahrplan bis 2035
| Meilenstein | Zielsetzung / Technologie |
|---|---|
| Modelloffensive | 36 neue Modelle bis 2036 (davon 16 rein elektrisch) |
| Einstiegs-EV | Neuer Twingo unter 20.000 € |
| Technik-Sprung | 800-Volt-Plattform (RGEV medium 2.0) ab 2028 |
| Entwicklungszeit | Reduzierung auf unter 24 Monate |
| Marktanteil E-Autos | 90 - 100 % Neuzulassungen bis 2035 angestrebt |
Fazit: Gelassenheit gegenüber der Verbrenner-Debatte
Den aktuellen politischen Schlingerkurs bezüglich kleiner Ausnahmen für Plug-in-Hybride oder E-Fuels nach 2035 sieht Cambolive gelassen. Ob am Ende 90 oder 100 Prozent der Neuwagen rein elektrisch sind, ändere nichts an der strategischen Richtung. Für Renault ist die Entscheidung gefallen: Die Zukunft ist elektrisch, digital und global – und wer bei der Geschwindigkeit der Produktentwicklung patzt, wird vom Markt verschwinden.



