Projekt Reclaim: RWTH Aachen revolutioniert Batterierecycling

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Projekt Reclaim: RWTH Aachen revolutioniert Batterierecycling

Rohstoff-Unabhängigkeit „Made in Germany“: Die RWTH Aachen bläst mit dem Projekt „Reclaim“ zum Angriff auf die asiatische Dominanz bei Batterierohstoffen. Gemeinsam mit Partnern wie Cylib und Fraunhofer wird erforscht, wie wir alte Akkus nicht nur schreddern, sondern deren wertvolle Inhaltsstoffe direkt zurück in die Produktion führen. Ziel: Eine echte Kreislaufwirtschaft, die Europa weniger erpressbar macht.

Die europäische Batterieindustrie steht unter Druck. Nach dem Northvolt-Dämpfer ist klar: Wir brauchen eigene Lösungen für Rohstoffe. Das neue Forschungsprojekt "Reclaim" am PEM-Lehrstuhl der RWTH Aachen soll nun den Weg ebnen, um wertvolle Aktivmaterialien wie Lithium, Nickel und Kobalt effizient im Kreislauf zu halten.

"Direktes Recycling": Der Schlüssel zur Effizienz

Bisherige Recycling-Verfahren sind oft energieintensiv oder chemisch aufwendig. "Reclaim" setzt auf innovative Methoden der Delamination. Das Ziel ist es, die Beschichtungen der Elektroden so sauber abzulösen, dass sie mit minimalem Aufwand direkt wieder in die Fertigung neuer Zellen integriert werden können. Das spart nicht nur CO2, sondern senkt auch drastisch die Kosten.

Die Projekt-Eckdaten im Überblick:

  • Laufzeit: 01.12.2025 bis 30.11.2028.
  • Fokus: Untersuchung verschiedener Aktivmaterialien (NMC, LFP, Graphit) und Bindesysteme.
  • Förderung: Unterstützt durch die Landesregierung NRW unter Federführung des PEM (Production Engineering of E-Mobility Components).

Cylib: Vom RWTH-Spin-off zum Marktführer?

Ein prominenter Partner im Boot ist das Aachener Start-up Cylib. Erst gestern (5. Februar 2026) gab das Unternehmen bekannt, dass es erstmals Lithiumcarbonat aus ausgedienten NMC-Batterien erfolgreich für die industrielle Produktion neuer E-Auto-Batterien qualifiziert hat. Dieser Meilenstein beweist: Recyceltes Material ist qualitativ ebenbürtig zu Primärrohstoffen aus Minen in Südamerika oder Australien.

Partner Rolle im Projekt Reclaim
PEM RWTH Aachen Produktionstechnik & Skalierung der Prozesse
Cylib GmbH Innovative Rohstoffrückgewinnung (Lithiumcarbonat)
Fraunhofer FFB Projektkoordination & Forschungsfertigung (Münster)
MEET (Uni Münster) Elektrochemische Analyse der Materialien

Warum "Reclaim" für uns alle wichtig ist

PEM-Leiter Professor Achim Kampker bringt es auf den Punkt: Wir müssen weg von der Importabhängigkeit. Indem wir Batterien am Ende ihres Lebenszyklus nicht als Abfall, sondern als "urbane Mine" betrachten, sichern wir die Mobilität der Zukunft. "Reclaim" vergleicht dabei technische, ökonomische und ökologische Kriterien, um das beste Verfahren für die industrielle Massenfertigung zu finden.

„Recycling ist keine ökologische Träumerei mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer die Rohstoffe im Kreislauf hält, kontrolliert die Preise der Zukunft.“

Fazit von Elektroquatsch

Aachen festigt seinen Ruf als „Batterie-Hauptstadt“ Deutschlands. Während andere über Rohstoffknappheit klagen, bauen Kampker und sein Team die Infrastruktur für ein unabhängiges Europa. Besonders der Erfolg von Cylib macht Hoffnung, dass wir schon bald Batterien „made and recycled in Germany“ in unseren E-Autos sehen werden. Wir bleiben für euch an den Laborergebnissen dran!

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