Slate Auto CEO: Warum wir Chinas Billig-EVs nicht fürchten

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Slate Auto CEO: Warum wir Chinas Billig-EVs nicht fürchten

Slate-Auto-CEO Chris Barman setzt auf extreme Modularität und lokale US-Produktion, um sich gegen die wachsende Konkurrenz aus China zu behaupten. Das innovative Konzept trennt langlebige Fahrzeugtechnik von kurzlebiger Unterhaltungselektronik, wodurch der elektrische Pickup auch als Gebrauchtwagen seinen Wert stabil halten soll.

Das US-Startup Slate Auto sorgt für Furore: Mit einem elektrischen Pickup für unter 30.000 Dollar und einem radikalen Modularitäts-Konzept will CEO Chris Barman den Markt aufmischen. Trotz der drohenden Schwemme günstiger E-Autos aus China gibt sich die Chefin gelassen – ihr Geheimrezept lautet "Anti-Obsolezenz".

Slate Auto: Der "Anti-Tesla" aus Indiana nimmt Form an

Während viele E-Auto-Startups ums Überleben kämpfen, schaltet Slate Auto in den Angriffsmodus. Das von Jeff Bezos unterstützte Unternehmen bereitet derzeit sein Werk in Warsaw, Indiana, auf den Produktionsstart Ende 2026 vor. CEO Chris Barman, eine erfahrene Branchengröße mit Stationen bei Chrysler und Eaton, verfolgt dabei einen Ansatz, der sich grundlegend von Giganten wie Tesla oder BYD unterscheidet.

Das Herzstück ist der "Blank Slate": Ein puristischer Elektro-Pickup, der bewusst auf fest verbaute Infotainment-Screens und unnötigen Luxus verzichtet. Stattdessen setzt Slate auf eine Halterung für das eigene Tablet oder Smartphone. Die Logik dahinter? Unterhaltungselektronik veraltet in Zyklen von zwei Jahren, ein Auto soll Jahrzehnte halten. Durch die Entkoppelung bleibt das Fahrzeug technisch stets aktuell.

Preis-Check: Was kostet der Slate-Truck wirklich?

Ursprünglich wurde mit Preisen unter 20.000 Dollar (inkl. US-Förderung) geworben. Nach regulatorischen Änderungen kristallisiert sich nun ein realistischerer Basispreis heraus. Barman betont jedoch, dass man weiterhin das Ziel verfolgt, günstiger als der durchschnittliche Gebrauchtwagen zu sein.

Komponente / Modell Erwarteter Preis (est.) Besonderheit
Basis "Blank Slate" ca. 27.500 $ 2-Sitzer Pickup, puristisch
SUV-Konvertierungskit + 5.000 $ Macht aus dem Pickup einen 5-Sitzer SUV
Großes Batterie-Upgrade Noch offen Erhöht Reichweite auf ca. 390 km

Keine Angst vor BYD: Die "Made in USA"-Karte

Auf die Frage nach der Konkurrenz durch chinesische Billig-Stromer wie den BYD Seagull reagiert Barman selbstbewusst. Ihr Argument: Die Zielgruppe der Gebrauchtwagenkäufer sei riesig und Slate biete etwas, das kein chinesischer Massenhersteller im Programm hat – extreme Personalisierung.

Ein Slate-Fahrzeug ist darauf ausgelegt, mit dem Leben des Besitzers zu wachsen. Ein junger Single kauft den Pickup; gründet er später eine Familie, rüstet er für 5.000 Dollar das SUV-Kit nach, statt ein neues Auto zu finanzieren. Auch der Wiederverkaufswert soll stabil bleiben, da Händler das Fahrzeug durch das Entfernen von Zubehör oder Folierungen (Wraps) in Minuten für den nächsten Kunden "neu" gestalten können.

„Wir haben eine US-Fabrik re-industrialisiert und bieten eine Anpassbarkeit, die meines Wissens nach kein chinesischer Hersteller bieten kann.“

Fazit: Ein mutiger Gegenentwurf zum Gadget-Wahn

Slate Auto wettet darauf, dass Kunden die Einfachheit und Langlebigkeit über blinkende Bildschirme und Software-Abos stellen. Mit einer Reichweite von bis zu 390 km im Top-Modell zielt der Truck nicht auf Langstrecken-Fahrer, sondern auf preisbewusste Pendler und Pragmatiker. Wenn der Produktionshochlauf 2026 gelingt, könnte Slate tatsächlich das erste echte "Volks-Elektroauto" der USA liefern.

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