Die Anzeichen verdichten sich: Der Automobilgigant Stellantis steht offenbar kurz davor, auch seine Partnerschaft mit Samsung SDI im US-Bundesstaat Indiana aufzukündigen. Nach dem bereits vollzogenen Rückzug aus dem Joint Venture mit LG Energy Solution wäre dies der nächste radikale Schritt von CEO Antonio Filosa, um den Konzern von kostspieligen Elektro-Verpflichtungen zu befreien.
Strategiewechsel unter Antonio Filosa: Verbrenner statt Batterien
Seit Antonio Filosa im Juni 2025 das Ruder von Carlos Tavares übernommen hat, bleibt bei Stellantis kein Stein auf dem anderen. Der neue Kurs ist klar: Depriorisierung der Elektromobilität. Erst letzte Woche schockierte der Konzern die Märkte mit Abschreibungen in Höhe von rund 22,2 Milliarden Euro (ca. 26,5 Mrd. USD), die fast ausschließlich das schwächelnde E-Auto-Geschäft betreffen. In dieses Bild passt der nun debattierte Ausstieg aus dem Joint Venture StarPlus Energy perfekt.
Das Gemeinschaftsunternehmen mit Samsung SDI baut derzeit zwei Zellfabriken in Kokomo, Indiana. Während ursprünglich geplant war, die dort produzierten Zellen in Modellen von Jeep, RAM und Chrysler zu verbauen, stellt Filosa diesen Bedarf nun offen infrage. Hintergrund sind geänderte politische Rahmenbedingungen in den USA sowie das Auslaufen der Steuergutschriften im September 2025.
Der Domino-Effekt bei den Batterie-Joint-Ventures
Stellantis bereinigt sein Portfolio mit einer Geschwindigkeit, die Analysten überrascht. Die Liste der gestoppten oder verkauften Projekte wird immer länger:
| Projekt / Partner | Region | Status (Februar 2026) |
|---|---|---|
| ACC (Mercedes/Total) | Europa (DE/IT) | Gigafactory-Pläne endgültig gestoppt |
| NextStar Energy (LG) | Kanada (Windsor) | Komplette Übernahme durch LG (Stellantis-Ausstieg) |
| StarPlus Energy (Samsung) | USA (Indiana) | Rückzug in Prüfung (Bloomberg-Bericht) |
Finanzielle Trümmerlandschaft: Abschreibungen und Dividendenstopp
Ein Ausstieg aus StarPlus Energy wäre für Stellantis alles andere als günstig. Analysten warnen vor massiven Strafzahlungen an Samsung SDI und weiteren milliardenschweren Abschreibungen. Dennoch scheint Filosa entschlossen, die Reißleine zu ziehen, bevor noch mehr Kapital in einem Markt gebunden wird, der laut Konzernsicht "langsamer hochläuft als erwartet". Als direkte Folge der Krise hat Stellantis zudem die Dividende für 2026 gestrichen.
„Wir müssen uns an die realen Bedürfnisse der Kunden anpassen. Stellantis wird zum Leuchtturm der Wahlfreiheit – und das bedeutet mehr hocheffiziente Verbrenner und Hybride.“ – Antonio Filosa, CEO Stellantis.
Was bedeutet das für die Marken Fiat, Opel und Jeep?
Der Rückzug hat unmittelbare Auswirkungen auf die Modellpalette. Während die elektrische Version des RAM 1500 bereits gestrichen wurde, verzögern sich in Europa wichtige Projekte von Alfa Romeo und Opel. Stattdessen investiert Stellantis nun wieder verstärkt in die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren in den USA und nutzt die Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor, um günstigere E-Auto-Technik zuzukaufen, anstatt sie selbst teuer zu produzieren.
Fazit: Ein riskanter Befreiungsschlag
Stellantis wettet alles auf eine Renaissance des Verbrenners und des Hybrids. Ob dieser "Anti-Elektro-Kurs" langfristig aufgeht oder den Konzern technologisch ins Abseits befördert, bleibt das größte Risiko der Ära Filosa. Sicher ist nur: Die Ambitionen, ein weltweit führender E-Auto-Hersteller zu werden, hat Stellantis im Februar 2026 offiziell zu Grabe getragen.




