EU-Mindestpreise für China-Autos: Cupra Tavascan macht den Anfang

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

EU-Mindestpreise für China-Autos: Cupra Tavascan macht den Anfang

Inmitten der Handelsspannungen zwischen Brüssel und Peking zeichnet sich eine diplomatische Wende ab: Die EU-Zölle für Elektroautos aus China könnten bald Geschichte sein – sofern die Hersteller einem festgelegten Mindestpreis zustimmen. Mit dem Cupra Tavascan wurde im Februar 2026 der erste Präzedenzfall geschaffen, der nun den Weg für Marken wie BYD, MG und Geely ebnet.

Die Würfel im Zollstreit sind gefallen: Die EU-Kommission hat am 10. Februar 2026 erstmals einem Antrag auf Befreiung von den Strafzöllen stattgegeben. Der Cupra Tavascan, der im chinesischen Werk Anhui produziert wird, darf künftig ohne die belastenden 20,7 % Zusatzzoll in die EU eingeführt werden – unter der Bedingung eines verbindlichen Mindestpreises und strenger Importquoten.

Der Cupra-Deal: Blaupause für chinesische Hersteller

Seit 2024 litten europäische Marken wie Cupra, die in China produzieren, massiv unter den hohen Einfuhrhürden. Der Tavascan wurde inklusive Basisverzollung mit bis zu 30,7 % belegt, was die Marge der VW-Tochter einbrechen ließ. Nach monatelangen Verhandlungen einigte sich der Volkswagen-Konzern nun auf eine sogenannte „Preisverpflichtung“.

Das bedeutet konkret: VW garantiert der EU, das Modell nicht unter einem kalkulierten Mindestpreis anzubieten. Im Gegenzug verzichtet Brüssel auf die Ausgleichszölle. Dieser bilaterale Deal gilt als Wendepunkt, da nun auch rein chinesische Giganten wie BYD, MG (SAIC) und Geely signalisiert haben, dem Beispiel zu folgen und eigene Anträge auf Basis der neuen EU-Leitlinien zu stellen.

Vorteile für Hersteller, Nachteile für Kunden?

Die Mindestpreisregelung ist ein zweischneidiges Schwert. Experten analysieren die Folgen für den Markt wie folgt:

  • Gewinnmargen: Anstatt Zölle an die EU-Kassen zu zahlen, verbleibt die Differenz zwischen Produktionskosten und Mindestpreis nun beim Hersteller. Das stärkt die Finanzkraft chinesischer Marken für Investitionen in Europa.
  • Endkundenpreise: Da die Mindestpreise ein aggressives Dumping verhindern sollen, werden chinesische Stromer preislich näher an europäische Modelle heranrücken. Schnäppchenjäger könnten das Nachsehen haben.
  • Investitionszwang: Die EU verknüpft die Zollbefreiung oft mit Zusagen für lokale Fabriken oder Forschungszentren innerhalb der Union – ein wichtiger Schritt zur Beschäftigungssicherung in Europa.
"Die Mindestpreisregelung sorgt für Planungssicherheit. Es ist ein Kompromiss, der den Wettbewerb ordnet, ohne den Markt komplett abzuschotten." – Stimmen aus der Automobilwirtschaft.

Vergleich: Strafzoll vs. Mindestpreismodell

Kriterium Zollmodell (alt) Mindestpreismodell (neu)
Zahlungsempfänger EU-Staatshaushalt Automobilhersteller (höhere Marge)
Wettbewerbswirkung Künstliche Verteuerung Verbot von Dumpingpreisen
Flexibilität Starr pro Hersteller Individuell pro Modell verhandelbar
Beispiel Tavascan 20,7 % Zusatzzoll 0 % Zusatzzoll (bei Einhaltung Preis-Floor)

Was bedeutet das für BYD, Nio und Co.?

Während Volkswagen mit dem Tavascan den ersten Erfolg verbuchen konnte, wird die Kommission jeden weiteren Antrag einzeln prüfen. Brancheninsider gehen davon aus, dass chinesische Hersteller bei Modellen im Einstiegssegment (z. B. BYD Dolphin) zögern könnten, da ein hoher Mindestpreis dort das wichtigste Verkaufsargument – den Preis – zunichtemachen würde. Im Premiumsegment hingegen ist der Weg frei für eine schnelle Einigung.

Fazit von Elektroquatsch: Der Zollkrieg wird durch einen Preiskrieg mit Regeln ersetzt. Für europäische Produzenten in China ist das Mindestpreismodell ein Rettungsanker. Ob chinesische Hersteller dadurch langfristig geschwächt oder durch höhere Margen sogar gestärkt werden, bleibt die spannende Frage für das restliche Autojahr 2026.

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