Rechenmonster im Handschuhfach: Teslas AI5-Chip soll NVIDIAs 30.000-Dollar-Server schlagen

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Rechenmonster im Handschuhfach: Teslas AI5-Chip soll NVIDIAs 30.000-Dollar-Server schlagen

Tesla zündet die nächste Stufe im Hardware-Rennen. Der kommende AI5-Computer soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 in Produktion gehen und Leistungswerte liefern, die einem NVIDIA H100 Server-Chip entsprechen – aber zu einem Bruchteil der Kosten und des Energieverbrauchs. Wir ordnen ein, was das für FSD, das Cybercab und die Konkurrenz bedeutet.

Elon Musk hat mal wieder einen rausgehauen, und diesmal geht es nicht um Spaltmaße oder Edelstahl, sondern um Silizium. Neue Berichte aus der Lieferkette und Aussagen von Musk selbst geben uns endlich einen konkreten Fahrplan für Teslas nächste Computer-Generation: Hardware 5 (AI5).

Und die Ansage hat es in sich: Tesla will ab Ende 2026 einen Supercomputer in jedes Auto bauen, der es mit der stärksten Server-Hardware der Welt aufnehmen kann.

Der 30.000-Dollar-Vergleich

Um zu verstehen, wie wahnwitzig die Leistungsdaten sind, muss man in ein Rechenzentrum schauen. Der aktuelle Goldstandard für KI-Training ist der NVIDIA H100 Grafikbeschleuniger. Das Teil kostet rund 30.000 Dollar, zieht 700 Watt Strom und braucht eine massive Kühlung.

Laut Musk soll ein einziger AI5-Chip im Auto in etwa die gleiche "Inference"-Leistung (also das Anwenden von KI, nicht das Trainieren) liefern wie so ein H100-Monster. Ein Dual-System (Redundanz!) wäre dann vergleichbar mit NVIDIAs kommender Blackwell-Generation (B200).

Der Unterschied: Teslas Chip passt hinter das Handschuhfach, wird passiv (oder minimal) gekühlt und läuft über das normale 12V/48V-Bordnetz. Wenn das stimmt, fährt bald jedes Model Y mit der Rechenpower eines kleinen Datacenters herum.

Zeitplan: Made in Texas

Samsung soll in seiner neuen Fabrik in Taylor, Texas, ab März die Maschinen warmlaufen lassen. Der offizielle Zeitplan sieht so aus:

  • 2. Halbjahr 2026: Start der Produktion (erste Testläufe).
  • Ende 2026: Erste "kleine Stückzahlen" in Autos.
  • 2027: Start der Massenproduktion.

Das Cybercab-Dilemma

Hier wird es spannend: Tesla will ja schon dieses Jahr erste Einheiten des Cybercab bauen. Diese werden logischerweise noch mit der aktuellen AI4-Hardware laufen. Musk betont zwar immer wieder, dass AI4 (Hardware 4) für "Unsupervised FSD" ausreicht, nennt den AI5-Chip aber gleichzeitig "existenziell" für die Zukunft.

Es bleibt abzuwarten, ob die ersten Cybercabs später auf AI5 aufgerüstet werden können oder ob Tesla hier eine Zweiklassen-Flotte aufbaut. Klar ist: Für Optimus (den Roboter) und echtes, weltweites Robotaxi-Business scheint die extra Power von AI5 der Schlüssel zu sein.

Unser Fazit: Während VW und Co. noch mit Zulieferern über Infotainment-Chips verhandeln, baut Tesla eigene Silizium-Architekturen, die Server-Farmen Konkurrenz machen. Der Vorsprung bei der vertikalen Integration wird hier langsam beängstigend.

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