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Verbrenner-Aus 2035: Union fordert radikale Kehrtwende

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

30. März 2026·2 Min. Lesezeit
Verbrenner-Aus 2035: Union fordert radikale Kehrtwende

Die Union verschärft den Kampf um die Zukunft des Verbrennungsmotors und fordert eine Absenkung der CO₂-Reduktionsziele auf 80 Prozent. Damit stellt sich die EVP gegen den aktuellen 90-Prozent-Vorschlag der EU-Kommission, um die angeschlagene Zulieferindustrie zu retten, riskiert jedoch die europäischen Klimaziele und den Koalitionsfrieden in Berlin.

Politischer Tauzug um den Verbrenner: Union geht auf Konfrontationskurs

In Brüssel und Berlin bahnt sich ein fundamentaler Richtungsstreit über die Mobilität der Zukunft an. Während die EU-Kommission bereits eine Lockerung des ursprünglichen Verbrenner-Verbots ab 2035 vorgeschlagen hat – mit einem Reduktionsziel von 90 Prozent statt der vollen CO₂-Neutralität –, reicht dies der Union nicht aus. CDU und CSU fordern nun eine Abschwächung der Zielvorgabe auf 80 Prozent, um den klassischen Verbrennungsmotor in deutlich größeren Stückzahlen am Leben zu erhalten.

Der Vorstoß ist eine direkte Reaktion auf die prekäre Lage der deutschen Automobilindustrie. Die Beschäftigtenzahlen bei den Zulieferern sind auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gesunken. Unionspolitiker warnen vor einem wirtschaftlichen „Strömungsabriss“, sollte die Transformation zu radikal erzwungen werden. Unterstützung erhält diese Position vor allem aus Bayern, wo Ministerpräsident Markus Söder schon länger eine technologieoffenere Regulierung fordert.

Industrie im Zangengriff: Zölle, China und Transformationsdruck

Die deutsche Zulieferindustrie steht unter massivem Stress. Neben dem technologischen Wandel hin zur Elektromobilität belasten die protektionistische Zollpolitik unter US-Präsident Donald Trump und die aggressive Preispolitik chinesischer Hersteller die Bilanzen. Für viele mittelständische Betriebe, die Jahrzehnte vom Verbrennungsmotor lebten, kommt die Lockerung der 90-Prozent-Regel laut Branchenvertretern zu spät oder greift zu kurz.

Jens Gieseke (CDU) betont, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas auf dem Spiel stehe. Doch eine Aufweichung der Flottenziele auf 80 Prozent würde bedeuten, dass die EU ihre Verpflichtung zur Klimaneutralität im Verkehrssektor faktisch aufgibt. Dies sorgt für heftigen Widerstand bei SPD und Grünen, die den Kommissionsvorschlag bereits als das Äußerste des Machbaren betrachten.

Vergleich der Emissionsszenarien für Neuwagen ab 2035
Modell CO₂-Reduktionsziel Kompensation (eFuels/Grüner Stahl)
Ursprünglicher EU-Plan 100 % Nicht vorgesehen (Voll-Elektrisch)
EU-Kommissionsvorschlag 90 % 10 % durch Ausgleichsmaßnahmen
Unions-Forderung (EVP) 80 % Keine strikte Kompensation gefordert

Zerreißprobe für die Berliner Koalition

In Berlin sorgt der Unions-Vorstoß für neue Spannungen innerhalb der Regierung. Während das CDU-geführte Wirtschaftsministerium Flexibilität und Technologieoffenheit anmahnt, beharrt das SPD-geführte Umweltministerium auf den bisherigen Zusagen. Sollte keine Einigung erzielt werden, müsste sich Deutschland in Brüssel enthalten – ein Szenario, das Paradoxerweise dazu führen könnte, dass die ursprüngliche, strengere 100-Prozent-Regelung bestehen bleibt.

"Das Hin und Her zeigt die Planlosigkeit in der Industriepolitik. Wir brauchen Planungssicherheit für Investitionen, keine ständigen Kurskorrekturen bei den Klimazielen." – Michael Bloss (Grüne).

Die politische Arithmetik in Straßburg verschärft die Lage zusätzlich: Um eine Mehrheit gegen die 90-Prozent-Linie der Kommission zu finden, müsste die konservative EVP unter Manfred Weber womöglich auf Stimmen vom rechten Rand des Parlaments zurückgreifen. Ein Bündnis, das innerhalb der europäischen Parteienfamilien höchst umstritten ist und das Potenzial hat, die europäische Klimapolitik nachhaltig zu spalten.

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