VinFast in North Carolina: Ein riskantes Comeback auf kleiner Flamme
Während Branchenriesen wie Ford, Honda und Stellantis ihre Elektro-Ambitionen in den USA angesichts weggefallener Förderungen und hoher Zölle drastisch zurückfahren, geht der vietnamesische Newcomer VinFast in die Offensive. Wie aus aktuellen SEC-Unterlagen hervorgeht, plant das Unternehmen, die Bauarbeiten an seinem Werk in North Carolina noch in diesem Jahr wieder aufzunehmen. Die Fabrik, die ursprünglich bereits 2024 die ersten Modelle VF 8 und VF 9 produzieren sollte, stand seit letztem Jahr aufgrund „wirtschaftlicher Gegenwinde“ still.
Doch der Neustart kommt mit einem faden Beigeschmack für die lokalen Behörden. Die einstigen Versprechen eines riesigen Industrie-Hubs wurden deutlich nach unten korrigiert. Statt der ursprünglich angekündigten 7.500 Arbeitsplätze rechnet VinFast nun nur noch mit rund 1.400 Beschäftigten. Damit steht das Unternehmen unter Druck, denn die zugesagten staatlichen Fördergelder in Höhe von 315 Millionen Dollar sind an strikte Meilensteine gebunden.
Finanzielle Schieflage trotz Absatzplus
Die Bilanz von VinFast für das Jahr 2025 liest sich wie eine Achterbahnfahrt. Zwar konnte das Unternehmen seine weltweiten Auslieferungen auf fast 200.000 Fahrzeuge verdoppeln, doch finanziell bleibt die Lage prekär. Ein satter Nettoverlust von 3,9 Milliarden Dollar belastet die Kasse, wovon allein 235 Millionen Dollar auf Abschreibungen im Zusammenhang mit dem verzögerten Werk in den USA entfallen.
| Kennzahl | Details zu VinFast (Geschäftsjahr 2025) |
|---|---|
| Weltweite Auslieferungen | ca. 200.000 EVs (Verdopplung zum Vorjahr) |
| Nettoverlust (2025) | 3,9 Milliarden USD |
| Geplante Stellen (US-Werk) | 1.400 (ursprünglich 7.500) |
| Produktionsstandorte | Vietnam (2), Indien (1), Indonesien (1) |
| Händlernetz USA | 18 Standorte (2 weitere geplant) |
Der Kampf um die Fördergelder
Für VinFast geht es in North Carolina um mehr als nur Prestige. Wenn das Unternehmen bis Ende 2026 nicht mindestens 1.750 Arbeitsplätze schafft, hat der Bundesstaat das Recht, Teile des 1.765 Hektar großen Geländes zurückzukaufen. Zudem droht die Rückzahlung von 125 Millionen Dollar an Erschließungskosten. Um dies zu verhindern, muss VinFast mindestens 500 Millionen Dollar in den Hauptstandort investieren.
Ob die US-Kunden das Wagnis mitgehen, bleibt abzuwarten. Die Verkaufszahlen für den nordamerikanischen Markt hält VinFast unter Verschluss. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wegfall der 7.500-Dollar-Steuergutschrift für E-Autos den Preisvorteil der vietnamesischen Modelle gegenüber einheimischen Verbrennern und Hybriden fast vollständig aufgefressen hat.
„VinFast spielt auf volles Risiko. Während die Konkurrenz sich wegduckt, versuchen die Vietnamesen, sich ein Stück vom schrumpfenden US-Elektrokuchen zu sichern – koste es, was es wolle.“
Ausblick
Der Erfolg des Werks in North Carolina wird maßgeblich davon abhängen, ob VinFast die Qualitätsprobleme, die in frühen Tests des VF 8 massiv kritisiert wurden, in den Griff bekommt. Ohne eine überzeugende Produktqualität wird es schwer, in einem Markt ohne staatliche Kaufanreize gegen etablierte Luxus-SUVs zu bestehen.



