Volvo-CEO Samuelsson: "Der Elektroantrieb wird sich auf jeden Fall durchsetzen"
In einem deutlichen Interview mit der WirtschaftsWoche hat Volvo-Chef Håkan Samuelsson ein flammendes Plädoyer für die Elektromobilität gehalten. Trotz der aktuellen Marktschwankungen sieht der Manager die Mobilitätswende als unvermeidlich an und kritisiert die jüngsten politischen Diskussionen in Brüssel scharf.
1. Angriff auf die deutsche Konkurrenz: Der EX60 als Maßstab
Mit dem im Januar 2026 vorgestellten Volvo EX60 sieht Samuelsson seine Marke in einer Pole-Position gegenüber BMW, Mercedes und Audi. Laut dem CEO hat der schwedische Stromer in zentralen Punkten die Nase vorn:
- Effizienz & Laden: Reichweite, Verbrauch und Ladegeschwindigkeit seien den deutschen Kontrahenten im gleichen Segment überlegen.
- Preisvorteil: Dank der engen Verzahnung mit dem Mutterkonzern Geely profitiert Volvo von massiven Skaleneffekten beim Einkauf und der Software-Entwicklung.
- Plattform-Strategie: Die neue SPA3-Architektur dient als Basis für alle kommenden Modelle, was Volvo schneller und agiler macht als große Volumenhersteller.
2. Kritik an Brüssel: "Skeptisch gegenüber Versprechen"
Besonders verärgert zeigt sich Samuelsson über die EU-Kommission. Volvo habe Milliarden investiert, um bis 2030 (zumindest in Europa) voll elektrisch zu sein, basierend auf den klaren Zusagen zum Verbrenner-Aus 2035.
- Vertrauensverlust: "Die EU hat gezeigt, dass man sich auf Zusagen leider nicht verlassen kann", so Samuelsson über die geplanten Aufweichungen der CO2-Regeln.
- Konfusions-Gefahr: Den Prozess künstlich aufzuhalten, bringe laut dem Manager nur Verwirrung für Kunden und Verluste für Unternehmen.
3. Die "Chinesische Gefahr" und Polestar-Erfolg
Samuelsson warnt davor, die neue Konkurrenz aus Fernost zu unterschätzen. Er prognostiziert, dass die stärksten chinesischen Marken in zehn Jahren zusammen auf rund 30 % Marktanteil in Europa kommen könnten. Als Erfolgsbeispiel nennt er das Joint-Venture Polestar, das innerhalb kürzester Zeit eine starke Position ohne "Altlasten" im Verbrenner-Segment aufgebaut hat.
"Käufer, die heulende Motoren und qualmende Reifen erwarten, tun sich schwer mit E-Autos. Aber unser Portfolio bis 2030 wird so stark sein, dass niemand mehr einen Verbrenner kaufen muss."
Strategische Positionierung: Volvo im Check
| Merkmal | Volvo-Strategie (Stand April 2026) |
|---|---|
| Antriebsfokus | Klares Bekenntnis zu Elektro; Verbrenner als flexible Option bis 2030 |
| Vorteil Geely | Zugriff auf chinesische Batterietechnik & Software-Stacks |
| Plattform | SPA3 (Einheitsarchitektur für hohe Skaleneffekte) |
| EU-Politik | Ablehnung von Ausnahmen für E-Fuels/Verbrenner nach 2035 |
Fazit: Schnelligkeit schlägt Größe
Håkan Samuelsson setzt auf die Karte "Schnelligkeit". Durch die Kombination aus schwedischem Design und chinesischer Fertigungseffizienz will Volvo die Phase der Marktkonsolidierung als Gewinner überstehen. Seine Botschaft an die deutschen Autobauer ist deutlich: Bewegt euch schneller, sonst gehört der Markt bald den neuen Playern. Auch wenn Volvo kurzfristig flexibel bleibt (neue Verbrenner-Modelle für die USA), bleibt das Ziel für Europa unumstößlich: Die Zukunft ist elektrisch.



