Volkswagen am Scheideweg: Rendite-Einbruch zwingt zum Umdenken
Die Zahlen, die der Volkswagen-Konzern für das Geschäftsjahr 2025 präsentiert, zeichnen das Bild eines Riesen in der Defensive. Zwar konnte der Umsatz mit rund 322 Milliarden Euro stabil gehalten werden, doch unter der Oberfläche brodelt es. Das operative Ergebnis stürzte um mehr als 50 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro ab. Damit erreichte die operative Umsatzrendite mit 2,8 Prozent einen Tiefpunkt, der weit unter den langfristigen Ambitionen des Konzerns liegt.
Finanzchef Arno Antlitz findet deutliche Worte für die Lage: Das aktuelle Niveau reiche schlicht nicht aus, um die Transformation zur Elektromobilität und Software-getriebenen Mobilität aus eigener Kraft zu stemmen. Volkswagen steht vor der Herausforderung, gleichzeitig Milliarden in die Zukunft zu investieren und im operativen Alltag radikal den Rotstift anzusetzen.
Milliarden-Sonderlasten: Porsche und US-Zölle drücken das Ergebnis
Ein wesentlicher Teil des Gewinneinbruchs ist auf massive Sonderaufwendungen zurückzuführen, die sich 2025 auf insgesamt neun Milliarden Euro summierten. Besonders schmerzhaft war die Neuausrichtung der Elektrostrategie bei Porsche, die allein fünf Milliarden Euro verschlang. Hinzu kamen Handelshemmnisse durch Importzölle in den USA sowie Restrukturierungskosten bei Audi, der Kernmarke VW und der Softwaretochter Cariad.
| Kategorie | Ergebnis 2024 | Ergebnis 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Operatives Ergebnis | 19,1 Mrd. € | 8,9 Mrd. € | -53,4 % |
| Operative Rendite | 5,9 % | 2,8 % | -3,1 %-Punkte |
| Nettogewinn | 12,3 Mrd. € (ca.) | 6,9 Mrd. € | -44 % |
| Dividende (Vorzug) | ~6,30 € | 5,26 € | -17 % |
Regionale Verschiebungen: Europa wächst, China schwächelt
Die weltweite Absatzlage zeigt ein gespaltenes Bild. Während Volkswagen in Europa (+5 %) und Südamerika (+10 %) Marktanteile sichern konnte, bereitet vor allem China Sorgen. Dort sank der Absatz um sechs Prozent. Der Druck durch lokale Elektroauto-Hersteller wird immer spürbarer; chinesische Marken dominieren zunehmend den Heimatmarkt und lassen etablierten ausländischen Herstellern immer weniger Spielraum für profitable Margen.
Besonders dramatisch stellt sich die Lage im Premiumsegment dar. Die Markengruppe Sport Luxury (Porsche) sah ihre Rendite von über 18 Prozent im Vorjahr auf fast unglaubliche 0,3 Prozent zusammenbrechen. Lediglich die Volumenmarken wie Škoda, SEAT/Cupra und die Kernmarke VW zeigten sich mit einer Rendite von 4,7 Prozent vergleichsweise stabil, konnten den Konzernabsturz jedoch nicht abfedern.
Ausblick 2026: Ein steiniger Weg der Besserung
Trotz der Krise gibt es einen Lichtblick: Die Liquidität bleibt robust. Der Netto-Cashflow im Automobilbereich stieg auf 6,4 Milliarden Euro, was vor allem auf eine strikte Kontrolle der Investitionsausgaben zurückzuführen ist. Für das laufende Jahr 2026 rechnet VW mit einer langsamen Erholung der Rendite auf eine Spanne zwischen 4 und 5,5 Prozent.
"Wir müssen konsequent Kosten senken, Synergien nutzen und die Komplexität reduzieren, um wieder in die Spur zu kommen."
Ob dies gelingt, hängt stark von der Entwicklung der geopolitischen Spannungen und dem Erfolg der neuen Elektromodelle wie dem ID. Polo ab. Volkswagen muss beweisen, dass der Konzern agil genug ist, um im globalen Wettbewerb gegen Tesla und chinesische Hersteller wie BYD zu bestehen, während gleichzeitig die heimischen Standorte umgebaut werden.



