Akku-Durchbruch aus UK: LMFP-Zellen trotzen extremer Kälte

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Akku-Durchbruch aus UK: LMFP-Zellen trotzen extremer Kälte

Das britische Unternehmen Integrals Power hat eine neue Generation von LMFP-Akkus entwickelt, die selbst bei minus 30 Grad Celsius noch über zwei Drittel ihrer Kapazität behalten. Durch einen extrem hohen Mangan-Anteil und eine lokale europäische Lieferkette könnten diese Zellen das Reichweitenproblem von Elektroautos im Winter lösen und gleichzeitig die Abhängigkeit von China verringern.

Winter-Revolution: Neue LMFP-Akkus halten Reichweite bei minus 30 Grad

Die Achillesferse günstiger Elektroautos ist oft der Winter. Herkömmliche Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) sind zwar robust und preiswert, knicken aber bei zweistelligen Minustemperaturen massiv ein. Das britische Unternehmen Integrals Power verspricht nun die Lösung: Eine neue Generation von LMFP-Zellen (Lithium-Mangan-Eisenphosphat), die selbst unter arktischen Bedingungen eine beeindruckende Performance abliefert.

Der Kältetest: 85 Prozent Leistung bei minus 25 Grad

In Zusammenarbeit mit der Cranfield University wurden die neuen Pouch-Zellen extremen Belastungsproben unterzogen. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Während klassische LFP-Akkus bei minus 25 Grad oft nur noch die Hälfte ihrer Kapazität bereitstellen, behalten die Zellen von Integrals Power satte 85 Prozent. Selbst bei extremen minus 30 Grad stehen noch 68 Prozent der Energie zur Verfügung.

Temperatur Kapazität (Integrals Power LMFP) Marktüblicher LFP-Benchmark
-25 °C 85 % ca. 50 %
-30 °C 68 % ca. 40 %

Mangan als Turbo: Die "Goldlöckchen-Lösung"

Das Geheimnis der Briten liegt in der chemischen Zusammensetzung der Kathode. Mit einem Mangan-Anteil von 80 Prozent (üblich sind oft deutlich geringere Werte) steigert Integrals Power die Zellspannung auf etwa 4,1 Volt. Das Ergebnis ist eine bis zu 20 Prozent höhere Energiedichte im Vergleich zu Standard-LFP, ohne die Sicherheit des Eisenphosphats aufzugeben. Das Unternehmen bezeichnet die Technologie passenderweise als "Goldlöckchen-Lösung": Leistungsstärker als LFP, aber sicherer und günstiger als die kobalthaltigen NMC-Akkus der Oberklasse.

"Ohne diese Kälteleistung bieten E-Autos im Winter schlichtweg nicht die nötige Alltagstauglichkeit. Unsere LMFP-Materialien beweisen, dass Batterien länger halten und unter Extrembedingungen besser funktionieren können." — Behnam Hormozi, CEO Integrals Power

Langlebigkeit für das Autoleben

Neben der Kälteresistenz punktet der Akku bei der Haltbarkeit. Unabhängige Tests des Forschungsriesen QinetiQ bestätigten, dass die Zellen nach 1.500 Ladezyklen (bei einer 1C-Rate) noch knapp 80 Prozent ihrer Kapazität besitzen. Für Autofahrer bedeutet das: Ein Akku, der problemlos mehrere hunderttausend Kilometer hält, was wiederum die Restwerte von Gebrauchtwagen stabilisiert und die Garantiekosten für Hersteller senkt.

Geopolitischer Joker: Unabhängig von China

Ein entscheidender Vorteil der Entwicklung aus Milton Keynes ist die Lieferkette. Da die Rohstoffe für die LMFP-Produktion aus Europa und Nordamerika stammen, bietet die Technologie eine strategische Alternative zur aktuellen Dominanz Chinas im LFP-Sektor. Für europäische Automobilhersteller könnte dies der Schlüssel sein, um künftig kostengünstige und zugleich winterfeste Elektroautos "Made in Europe" anzubieten, die auch für militärische oder maritime Einsätze unter extremen Bedingungen taugen.

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