Angriff auf die Offroad-Ikonen: Audi plant das "Quattro"-Flaggschiff
In Ingolstadt bereitet man offenbar den Einstieg in ein völlig neues Segment vor. Audi-Chef Gernot Döllner ließ auf der jüngsten Medienkonferenz durchblicken, dass die Marke an einem robusten, vollelektrischen Geländewagen arbeitet. Damit würde Audi direkt in Konkurrenz zum Land Rover Defender und der elektrischen Mercedes-Benz G-Klasse (G 580) treten. Döllner betonte, dass Audi "alles kann" – vom kompakten E-Auto bis hin zum robusten Luxus-SUV.
Die Spekulationen um einen "echten" Offroader erhalten durch eine wichtige Personalie zusätzliches Gewicht: Der neue Audi-Designchef Massimo Frascella war zuvor maßgeblich für das Design des aktuellen Land Rover Defender verantwortlich. Dass er nun seine Expertise in ein Audi-Projekt einbringt, das die legendäre Quattro-Tradition in das Zeitalter der Elektromobilität überführen soll, gilt in Branchenkreisen als offenes Geheimnis.
Technik-Synergien mit Scout und Dakar-Genen
Technisch könnte Audi auf Schützenhilfe aus dem eigenen Konzern setzen. Eine enge Verwandtschaft mit den Modellen der neuen US-Marke Scout (SUV Traveler und Pick-up Terra) steht im Raum. Dies würde den Zugriff auf eine extrem robuste Leiterrahmen-Plattform ermöglichen, die sowohl rein elektrisch als auch mit einem Range-Extender-Konzept funktioniert. Auch eine Produktion im neuen Scout-Werk in South Carolina wäre strategisch sinnvoll, um den wichtigen US-Markt direkt zu bedienen.
Dass Audi das Thema Offroad ernst nimmt, bewies bereits der Anfang 2025 gezeigte Prototyp Q6 e-tron offroad concept. Mit Portalachsen, einer Leistung von 380 kW (517 PS) und der Fähigkeit, Steigungen von 100 Prozent zu bewältigen, gab dieser Wagen einen deutlichen Vorgeschmack auf die künftige "Progressive Offroad"-Strategie der Marke.
| Kategorie | Spezifikation / Erwartung |
|---|---|
| Antrieb | Voll-Elektrisch (optional mit Range-Extender) |
| Leistung | Über 400 kW (ca. 544 PS) |
| Plattform | Scout-Plattform oder modifizierte PPE |
| Offroad-Features | Portalachsen, Allradlenkung, 100% Steigfähigkeit |
| Wettbewerber | Mercedes G 580, Land Rover Defender EV |
Strategischer Technologieträger statt Volumenmodell
Obwohl Gernot Döllner eigentlich eine Straffung der Modellpalette verfolgt, sieht er in einem Luxus-Offroader keinen Widerspruch. Vielmehr soll das Fahrzeug als "Halo-Car" fungieren – ein Technologieträger, der Innovationen in die Serie bringt und das Markenimage weltweit auflädt. Ein profitables Marktumfeld ist garantiert, da die Nachfrage nach luxuriösen Abenteuer-Fahrzeugen im High-End-Bereich ungebrochen ist.
"Es gibt in diesem Segment bislang nur zwei echte Premiumanbieter. Ich denke, es gibt definitiv Platz für einen Dritten, der die Offroad-Welt mit progressiver Technik neu definiert."
Ein offizieller Name für das Projekt steht noch nicht fest, intern wird jedoch oft von einem "Q9" oder einem dedizierten "Quattro"-Modell gesprochen. Angesichts der Dakar-Erfolge von Audi wäre eine Markteinführung zwischen 2027 und 2028 ein logischer Schritt, um die technologische Führerschaft im Bereich der elektrischen Allradantriebe zu zementieren.



