Zeitenwende in Fernost: Der chinesische Automobilsektor, jahrelang das unangefochtene Zugpferd der globalen Elektromobilität, ist mit einem massiven Dämpfer ins Jahr 2026 gestartet. Laut aktuellen Daten der Branchenverbände CAAM und CPCA sanken die Inlandsverkäufe von "New Energy Vehicles" (NEV) im Januar drastisch – ein Szenario, das sowohl heimische Giganten als auch internationale Player unter Druck setzt.
Der Januar-Schock: Zahlen, die aufhorchen lassen
Nach einem Rekord-Endspurt im Dezember 2025 folgte im Januar 2026 die Ernüchterung. Der Gesamtabsatz von Personenkraftwagen in China fiel im Vergleich zum Vorjahr um rund 19,5 Prozent auf knapp 1,4 Millionen Einheiten. Doch während Verbrenner schon länger schwächeln, traf es diesmal auch die Elektro-Sparte (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV) mit voller Härte. Die Inlandsnachfrage nach diesen Modellen sackte um etwa 19 bis 23 Prozent ab.
Besonders deutlich wird die Krise beim Branchenprimus BYD. Das Unternehmen, das Tesla erst kürzlich den Rang als weltgrößter E-Auto-Bauer streitig machte, meldete für den Januar einen Verkaufsrückgang von über 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Branchenkenner sehen hierin ein klares Zeichen für eine Marktsättigung und den harten Preiskampf, der in China unter dem Begriff „Involution“ bekannt ist.
Die Ursachen: Steuern, Feiertage und der „Vorkauf-Effekt“
Der Einbruch kommt nicht völlig überraschend, ist in seiner Deutlichkeit aber alarmierend. Mehrere Faktoren spielen hier zusammen:
- Neue Kaufsteuer: Seit dem 1. Januar 2026 wird in China erstmals wieder eine Kaufsteuer von 5 Prozent auf NEVs erhoben, nachdem diese jahrelang komplett befreit waren. Viele Käufer haben ihre Anschaffung daher in den Dezember 2025 vorgezogen.
- Saisonale Effekte: Das chinesische Neujahrsfest sorgt traditionell für eine Kaufzurückhaltung im ersten Quartal, da das öffentliche Leben und der Handel für Wochen stillstehen.
- Subventions-Stopp: Lokale Kaufprämien wurden zum Jahreswechsel in vielen Provinzen weiter reduziert oder gestrichen.
Interessant ist der Blick auf die Details der verschiedenen Antriebsarten im Vergleich zum Vorjahr (Großhandelszahlen inklusive Export):
| Antriebstyp | Absatz Jan. 2026 (Wholesale) | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Batterieelektrisch (BEV) | ca. 597.000 | + 4,0 % (getrieben durch Export) |
| Plug-in-Hybride (PHEV) | ca. 348.000 | - 5,9 % |
| Gesamt NEV (Inland & Export) | 945.000 | + 0,1 % |
"Der Inlandsmarkt in China ist derzeit ein Nullsummenspiel. Wachstum generieren die Hersteller fast nur noch über den Export – oder indem sie Konkurrenten aggressiv über den Preis verdrängen."
Export als Rettungsanker für chinesische Marken
Während der Inlandsabsatz stockt, fluten chinesische Hersteller die Weltmärkte. Die NEV-Exporte verdoppelten sich im Januar im Vergleich zum Vorjahr auf über 300.000 Fahrzeuge. Dieser Trend verschärft den Druck auf europäische Autobauer massiv, da Marken wie BYD, MG oder Chery ihre Überkapazitäten nun mit aller Kraft nach Übersee verschiffen.
Ein kleiner Lichtblick bleibt Tesla: Die Gigafactory in Shanghai konnte für bestimmte Modelle sogar einen moderaten Zuwachs verzeichnen, was auf die starke Markenloyalität und die jüngsten Modellpflege-Maßnahmen zurückzuführen sein dürfte.
Ausblick: Stagnation oder nur ein kurzer Knick?
Ob 2026 als das Jahr der großen Konsolidierung in die Geschichte eingeht, werden die kommenden Monate zeigen. Experten von S&P Global und Morgan Stanley prognostizieren für das Gesamtjahr ein eher flaches Wachstum. Der chinesische Markt tritt in eine Phase der Reife ein, in der nicht mehr jede Marke überleben kann. Für deutsche Premiumhersteller, die stark vom China-Geschäft abhängen, bedeutet dies: Der Wind wird rauer, und die Preisschlacht hat gerade erst begonnen.




