Studie zur Mobilitätswende: Warum die Verunsicherung den E-Auto-Markt bremst
Die Technik ist ausgereift, das Angebot wächst, und die Wissenschaft ist sich weitgehend einig: Die Elektromobilität ist der Antrieb der Zukunft. Dennoch zeichnet die aktuelle MobilKult-Panelstudie des Fraunhofer ISI ein paradoxes Bild. Trotz steigender Präsenz von Stromern auf den Straßen nimmt die Skepsis in der Bevölkerung zu. Vor allem die emotionale Debatte um das "Verbrenner-Aus" und die Rolle alternativer Kraftstoffe hinterlassen Spuren.
Im Herbst 2025 befragten die Wissenschaftler repräsentativ Bürger in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Das Ergebnis: Zwar werden Fördermaßnahmen wie Kaufprämien positiv bewertet, doch bei Verboten oder restriktiven Maßnahmen gegen Verbrennungsmotoren schlägt die Stimmung ins Negative um.
Förderung ja, Verbote nein: Die gespaltene Meinung
Die Studie zeigt eine klare Trennung in der öffentlichen Wahrnehmung. Maßnahmen, die den Umstieg erleichtern – etwa eine einkommensabhängig gestaffelte Kaufprämie oder steuerliche Vorteile für Dienstwagen –, stoßen auf breite Zustimmung. Sobald es jedoch um die Einschränkung klassischer Antriebe geht, etwa durch eine CO2-gebundene Zulassungssteuer, sinkt die Akzeptanz rapide.
| Maßnahme | Bewertung der Bevölkerung |
|---|---|
| Kaufprämien für E-Autos | Mehrheitlich positiv |
| Steuervorteile für Unternehmen | Mehrheitlich positiv |
| CO2-Zulassungssteuer | Überwiegend abgelehnt |
| Verbrenner-Aus ab 2035 | Mehrheitlich abgelehnt |
Das "E-Fuels-Phantom": Hoffnung gegen die Effizienz
Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen technologischer Realität und Erwartungshaltung. Während bereits über zwei Millionen Elektroautos zugelassen sind (gegenüber weniger als 2.000 Wasserstoff-Pkw), glauben viele Befragte weiterhin an einen breiten Mix aus E-Autos, Wasserstoff und E-Fuels bis zum Jahr 2035. Experten warnen jedoch regelmäßig, dass E-Fuels aufgrund ihrer Ineffizienz und hoher Kosten im Pkw-Sektor kaum eine wirtschaftliche Rolle spielen werden.
Dennoch gehen aktuell 29 Prozent der Befragten davon aus, dass sich alternative Antriebe überhaupt nicht gegen Benzin oder Diesel durchsetzen werden – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Diese Skepsis wird durch die politische Diskussion auf EU-Ebene befeuert, wo derzeit eine Aufweichung des Verbrenner-Stopps von 100 Prozent auf 90 Prozent Emissionssenkung debattiert wird.
"Die Elektromobilität steht in Deutschland weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung. Widersprüchliche Signale aus der Politik zerstören das Vertrauen in langfristige Investitionen."
Kommunikation als Schlüssel zur Wende
Die Wissenschaftler des Fraunhofer ISI betonen, dass der Erfolg der Mobilitätswende massiv von verlässlichen Rahmenbedingungen abhängt. Die kurzfristige Abschaffung und spätere Wiedereinführung von Kaufprämien habe die Kaufintention nachhaltig beschädigt. Rund 51 Prozent der Befragten geben an, sich aktuell gar nicht für Elektromobilität zu interessieren – eine Gruppe, die durch Fakten allein schwer zu erreichen ist, solange die politische Kommunikation unklar bleibt.
Es zeigt sich: Um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen, braucht es nicht nur bessere Batterien, sondern vor allem ein klares, glaubwürdiges Zielbild. Nur wenn der "richtige Weg" für den Bürger planbar bleibt, wird das Interesse an der E-Mobilität auch in tatsächliche Kaufentscheidungen umschlagen.
Die vollständigen Studienergebnisse der sechsten MobilKult-Welle sind über das Fraunhofer ISI abrufbar.



